16-jähriges Mädchen lebend aus den Trümmern in Haiti gerettet
Ein 16-jähriges Mädchen ist lebend aus den Trümmern in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince gerettet worden. Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, gehen die französischen Retter davon aus, dass das Mädchen 15 Tage lang verschüttet war.
Nachbarn sagten, das Haus sei am 12. Januar eingestürzt - an dem Tag, als die Erde mit einer Stärke von 7,0 bebte. «Ich weiss nicht, wie sie so lange durchhalten konnte», sagte einer der Helfer.
Das Mädchen habe eine Beinverletzung und stehe unter Schock, berichtete der Sender weiter. Sie habe Zugang zu Wasser gehabt, sei aber stark dehydriert. Nun soll die Jugendliche auf einem französischen Lazarettschiff vor der Küste Haitis behandelt werden.
Inzwischen wurden mehr als 130 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Amtlichen Angaben zufolge wurden fast 170'000 Tote registriert, die Regierung befürchtet aber mehr als 200'000 Todesopfer. Bis zu einer Million Menschen sind obdachlos, die Hauptstadt Port-au-Prince liegt in Trümmern.
Auch der Präsidentenpalast stürzte teilweise ein. Diesen will Frankreich nun offenbar wieder originalgetreu aufbauen. «Unser Botschafter hat mir gesagt, dass Frankreich bereit ist, den Nationalpalast so zu rekonstruieren wie er war», sagte der haitianische Präsident René Préval vor Journalisten.
Der imposante weisse Palast mit seinen drei Kuppeln war 1918 vom haitianischen Architekten Georges Baussan nach dem Vorbild des Weissen Hauses gebaut worden. Derzeit leben tausende Obdachlose in den Ruinen des Gebäudes. Präsident Préval regiert vorübergehend von einem Polizeigebäude nahe des Flughafens von Port-au-Prince aus.
Weiter gab Préval bekannt, dass die für Ende Februar angesetzte Parlamentswahl verschoben werden soll. «Der Wahlkampf sollte morgen beginnen, aber aus ersichtlichen Gründen wird das nicht passieren», sagte er. Auch die Büros der Wahlkommission seien bei dem Beben eingestürzt, die Wahlunterlagen unter den Trümmern begraben. Ein neuer Termin für die Wahl sei noch nicht angesetzt worden.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährte dem Land unterdessen einen Notkredit in der Höhe von 114 Millionen Dollar. Das zinslose Darlehen sei die grösste Summe, die der haitianischen Regierung nach dem Beben zur Verfügung gestellt worden sei, teilte die Organisation mit. Damit solle Haiti dringend benötigte Importe finanzieren und die Banken mit Bargeld versorgen.