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Asylzentrum in Zürich-West trotz Strassenlärm bewohnbar

Das geplante Bundesasylzentrum in Zürich-West kann laut Zürcher Verwaltungsgericht gebaut werden: Eigentlich wäre es dort zu laut, um eine Wohnungsnutzung zuzulassen - doch die Asylsuchenden lebten dort nur zeitlich befristet.

08.11.2017 / 13:19 / von: mle/sda
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Zürich: Zwischen Pfingstweid- und Duttwilerstrasse soll ein Asylheim gebaut werden. (Bild: Screenshot / Google Maps)

Zürich: Zwischen Pfingstweid- und Duttwilerstrasse soll ein Asylheim gebaut werden. (Bild: Screenshot / Google Maps)

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An der Pfingstweid-/Duttweilerstrasse soll ein Bundesasylzentrum entstehen. Die Stadtzürcher Stimmberechtigten hiessen das 24-Millionen-Projekt, das im Kreis 5 eine Unterkunft für 360 Asylsuchende im beschleunigten Verfahren umfasst, im September gut.

Das Vorhaben ist aber noch blockiert - Gegner des Asylzentrums haben eine Beschwerde gegen die erteilte Baubewilligung eingelegt. Auf ihrer Internetseite verweisen sie etwa auf das Potenzial des Duttweilerareals, das sich ohne Asylzentrum zu einem «eigentlichen Quartierkern» entwickeln könnte.

Und dass in unmittelbarer Nähe eine Primarschule erstellt werden soll, halten sie für planerischen Unsinn: Im Umfeld von solchen Asylzentren würden sich immer wieder Konflikte entladen - «wir befürchten ein Risiko für den reibungslosen Schulbetrieb.»

Vor Gericht argumentierten die Gegner anders: Am geplanten Standort sei es zu laut, brachten sie vor. Eine Wohnnutzung komme aus Lärmschutzgründen gar nicht in Frage. Die Belastung könnte negative Auswirkungen auf traumatisierte Asylsuchende haben.

Das Baurekursgericht hatte die Beschwerde bereits im April abgewiesen. Zum selben Schluss ist nun in zweiter Instanz auch das Zürcher Verwaltungsgericht gelangt, wie einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil zu entnehmen ist.

Das Bundesasylzentrum liege in der Zone für öffentliche Bauten mit der Lärmempfindlichkeitsstufe IV. Hier müssten zwar «angesichts der hohen Lärmbelastung ähnliche Grundsätze gelten wie in einer Industriezone», stimmt das Gericht den Gegner grundsätzlich zu. Aber auch wenn solche Zonen «für eine Wohnnutzung nur schlecht geeignet sind, ist eine Wohnnutzung doch nicht von vornherein untersagt».

Es müsse eine Interessenabwägung vorgenommen werden, heisst es im Urteil. «Es muss darum gehen, öffentliche Interessen an der geplanten Wohnnutzung den Interessen der Bewohner am Schutz vor Lärmimmissionen gegenüber zu stellen.»

Vorliegend besteht gemäss Gericht fraglos ein eminentes Interesse an der Erstellung eines Asylzentrums, das die Grundlage für die raschere Durchführung der Asylverfahren bildet. Zumal auch der ausgetrocknete Wohnungsmarkt der Stadt grosse Schwierigkeiten bereite, anderweitig Wohnraum zu beschaffen.

Der Lärmschutz der Bewohner sei zwar wichtig, hält das Verwaltungsgericht weiter fest. «Dieses allgemein grosse Schutzinteresse wird vorliegend jedoch dadurch etwas relativiert, dass der Aufenthalt der Asylbewerber im Zentrum nicht auf Dauer angelegt ist». Maximal 140 Tage soll eine Person auf dem Duttweiler-Areal leben.

Insgesamt überwiege das öffentliche Interesse am Bau des Bundesasylzentrums, hält das Verwaltungsgericht zusammenfassend fest. Die Baubewilligung sei damit zu recht erfolgt.

Rechtskräftig ist das Urteil aber noch nicht - die Gegner haben gegenüber den Medien bereits früher angekündigt, den Entscheid auch noch vor Bundesgericht ziehen zu wollen.

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