Pull down to refresh...
zurück

Kanton St.Gallen gerät nach Aus von Einsatzprogrammen unter Beschuss

Nach Ausschreibungen von Einsatzprogrammen für Arbeitslose, bei denen die Projekt-Werkstatt in St.Gallen und das Werk und Technologiezentrum Linthgebiet (WTL) in Rapperswil-Jona ihre Aufträge verloren, wird Kritik am Verfahren laut.

 

18.07.2017 / 11:40 / von: vdi
Seite drucken Kommentare
0
In der Abteilung Haustechnik wird der Unterhalt von Liegenschaften gelernt. (Bild: WTL)

In der Abteilung Haustechnik wird der Unterhalt von Liegenschaften gelernt. (Bild: WTL)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

Nach 23 Jahren steht die Projekt-Werkstatt in St.Gallen vor dem Aus. Das Einsatzprogramm, bei dem Arbeitslose unter anderem Velos reparieren, erhält nach einer öffentlichen Ausschreibung durch den Kanton keinen neuen Auftrag mehr. Es unterlag einem günstigeren Anbieter.

Geschäftsführer Hansueli Salzmann hatte letzte Woche einen Rekurs vor Verwaltungsgericht gegen den Entscheid des Kantons angekündigt. Hat die Beschwerde keinen Erfolg, folgen Kündigungen: Auf dem Spiel stehen 550 Stellenprozente, verteilt auf acht Personen.

Die Projekt-Werkstatt hatte 2016 die höchste Wiedereingliederungsquote aller Programme im Kanton erreicht und wurde erst kürzlich deswegen ausgezeichnet. Diese Qualität der Arbeit sei aber im Vergleich zum Preis kaum gewichtet worden, kritisierte Salzmann. Er frage sich generell, ob soziale Organisationen über Submissionsverfahren gerecht beurteilt werden könnten.

Eine ähnliche Position vertritt Elisabeth Casal, Geschäftsführerin des Werk- und Technologiezentrums Linthgebiet (WTL) in Rapperswil-Jona. Das Angebot ist insgesamt breit abgestützt, beschäftigt rund 50 Festangestellte und bietet unter anderem seit 1996 Einsatzprogramme im Auftrag des Amtes für Wirtschaft und Arbeit an. Auch das WTL hat keinen Zuschlag mehr erhalten. Als Konsequenz daraus musste bereits vier Personen mit insgesamt 340 Stellenprozenten gekündigt werden.

Auch das Angebot des WTL habe «eine sehr gute Wiedereingliederungsquote ausgewiesen», erklärte Casal. Dieser Erfolg sei zu einem relativ tiefen Preis erreicht worden. Beim Verwaltungsgericht hat das WTL bereits eine Beschwerde gegen das Ausschreibungsverfahren eingereicht.

Hat der Rekurs keinen Erfolg, «so errichtet eine ausserkantonale Firma wenige hundert Meter vom WTL entfernt eine ähnliche Organisation mit fünf Arbeitsbereichen, die das WTL schon führt», schildert Casal. Dies geschehe laut Auswertung der Ausschreibung zu einem Preis von jährlich 986'000 Franken. Das WTL habe die gleiche Dienstleistung für 784'000 Franken angeboten.

Die SP kritisierte letzte Woche in einem Communiqué, der Kanton plane auf nächstes Jahr 100 Einsatzplätze bei den Arbeitslosenprogrammen zu streichen. Damit sei «ein ungesunder Wettbewerb» entfacht worden. Das Vorgehen des Kantons wird als «weder nachhaltig, noch ökonomisch sinnvoll» bemängelt.

Der Kanton weist die Vorwürfe der SP zurück: Es würden nicht Einsatzplätze gestrichen, sondern die Dauer des Einsatzes werde verkürzt, erklärte auf Anfrage Gildo Da Ros, Generalsekretär des Volkswirtschaftsdepartements. Den RAV stünden künftig zwar weniger Programme, aber gleich viele Einsatzplätze zu Verfügung.

Es habe für die Ausschreibungen keine Sparvorgaben gegeben, versichert der Generalsekretär: Es sei nicht so, dass die Vergaben aller Aufträge an die günstigste Offerte erfolgt seien. Insgesamt hätten vier Anbieter keine weiteren Aufträge erhalten. Dieses Ergebnis sei allerdings «vorbehältlich der laufenden Beschwerde- und Rekursfristen». Wie viele Rekurse die Ausschreibungen insgesamt ausgelöst haben, könne man noch nicht sagen, weil die Frist dafür noch laufe.

Beitrag erfassen

Keine Kommentare