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Messerstecher bleibt in der Klinik

Der 39-Jährige, der im August 2015 in Hedingen ZH seine Ehefrau mit Messerstichen getötet hat, bleibt in der psychiatrischen Klinik. Das Bezirksgericht Affoltern ZH bestätigte am Montag seine Schuldunfähigkeit aufgrund schwerer psychischer Störungen.

21.08.2017 / 13:07 / von: abl
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Das Bezirksgericht Affoltern befand den Mann für schuldunfähig. (Bild: gerichte-zh.ch)

Das Bezirksgericht Affoltern befand den Mann für schuldunfähig. (Bild: gerichte-zh.ch)

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Wie der vorsitzende Richter ausführte, hat der Beschuldigte zwar objektiv den Tatbestand der vorsätzlichen Tötung erfüllt. Dies habe er aber im Zustand völliger Schuldunfähigkeit getan, weshalb von einer Strafe abzusehen sei.

Das Gericht ordnete eine stationäre Massnahme an, wie sie der Gutachter dringend empfohlen hatte, um Rückfälle zu verhindern. Der Mann bleibt also in der Klinik, wo er bereits den vorzeitigen Massnahmenvollzug angetreten hat.

Ebenfalls aufgrund der Schuldunfähigkeit - und weil der Mann völlig mittellos ist - wies das Gericht sämtliche Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen ab. Die Verfahrens- und Anwaltskosten werden von der Gerichtskasse übernommen.

Zur Tat gekommen war es am frühen Morgen des 26. August 2015. In der gemeinsamen Wohnung ging der US-Amerikaner mit einem Küchenmesser auf seine 31-jährige Schweizer Ehefrau los. Er verletzte sie mit diversen Schnitten und Stichen lebensgefährlich. Anschliessend rief er die Sanität. Die Frau erlag ihren schweren Verletzungen wenige Tage später im Spital.

Wie sich im Zuge der Untersuchung zeigte, hatte der Mann die Bluttat im Zustand einer Psychose verübt. Der Gutachter diagnostizierte bei ihm eine schwere paranoide schizophrene Störung. Die Erkrankung habe ihn schon jahrelang begleitet, er habe sie bis dahin aber meist erfolgreich überspielen können.

So auch Tage vor der Tat: Seine Ehefrau rief damals den Notdienst an, weil ihr Mann völlig verwirrt wirkte. Er wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, am nächsten Tag jedoch bereits wieder entlassen. Er hatte die Zuständigen davon überzeugen können, dass alles ein Missverständnis - basierend auf Übersetzungsfehlern- gewesen sei. Am Tag danach kam es zum Tötungsdelikt.

Wie die Staatsanwältin zur Nachrichtenagentur sda sagte, konnte in der Klinik niemandem ein falsches Verhalten zur Last gelegt werden. Es sei deshalb kein Verfahren eingeleitet worden.

Der Beschuldigte, ein breitschultriger, stämmiger Mann mit raspelkurzem Haar und in schwarzem Trainingsanzug, sprach vor Gericht nicht viel. Auf Fragen gab er kurze Antworten. In seinem Schlusswort bat er die Angehörigen der Getöteten um Entschuldigung.

In die Schweiz gekommen war er im August 2013. Seine spätere Ehefrau hatte er laut Staatsanwältin in den USA kennengelernt, wo sie einen Sprachaufenthalt absolvierte. Trotz Bemühungen fand er nur eine Teilzeitstelle als Hauswart, den grössten Teil der Finanzen erarbeitete die Frau.

Immer wieder litt er unter Wahnvorstellungen. So bildete er sich etwa ein, die Ziffern von Hausnummer, Parkplatznummer und Autonummer hätten eine geheime Bedeutung, der CIA sei hinter ihm her, er solle getötet werden.

Am Tattag eskalierte diese Todesfurcht. Nun glaubte er, auch seine Ehefrau trachte ihm nach dem Leben. Er griff sie an, wollte sie - Folge seines Wahns - töten. Auch die Polizisten, die ihn nach der Tat festnahmen, berichteten in ihrem Rapport über seinen sehr verwirrten Zustand.

Von Anfang an war der heute 39-Jährige vollumfänglich geständig und reuig. Er glaube nicht, dass er bei der Tat «in meinem richtigen Geisteszustand war», sagte er vor Gericht. Dass eine stationäre Massnahme unabdingbar sei, sah er ein, hatte der Gutachter doch eine mittelgradig erhöhte Rückfallgefahr festgestellt. Er «hoffe, dass das nicht wieder passiert», sagte der Beschuldigte.

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