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Popcorn schliesst Schwarzes Loch: Bessons Weltraumheld «Valerian»

Er drehte Blockbuster wie «Léon - Der Profi» und «The Fifth Element». Jetzt nimmt sich Actionspezialist Luc Besson eine Comicfigur vor, an die sich in 50 Jahren noch keiner herantraute: «Valerian».

13.07.2017 / 11:04 / von: nsh
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Bild: wikipedia.org / Gage Skidmore unter Creative Commons

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Mit den Special Effects von «The Fifth Element» beeindruckte Luc Besson vor 20 Jahren Millionen Kinozuschauer. Nun sollten sich Fans auf etwas noch Grösseres gefasst machen: Bei dem Weltraumabenteuer «Valerian and the City of a Thousand Planets» setzt der französische Starregisseur mehr als zehn Mal so viele Tricks ein. Herausgekommen ist erneut ein Blockbuster mit überwältigenden Bildern.

Im Kosmos der Comicverfilmungen war der Raum-Zeit-Agent Valerian bisher ein Schwarzes Loch. Noch nie hat sich einer getraut, Valerians Abenteuer ins Kino zu bringen. Gleichwohl sollen sie Vorbild für viele Motive von «Star Wars» gewesen sein. An der erstmals 1967 in Frankreich erschienenen Figur ist so vieles eigenartig.

Allein der Name. Wer tauft seinen Science-Fiction-Helden schon nach einem Kaiser aus dem alten Rom, der im dritten Jahrhundert vom Feind gefangen genommen, als lebendiger Hocker gedemütigt, dann ermordet und gehäutet wurde? Die Comicreihe, von der über die Jahrzehnte hinweg nicht einmal zwei Dutzend Bände erschienen, hat viele hochpolitische Themen - etwa den Marxismus, die Macht der Grosskonzerne und die Zerstörung unserer Umwelt - ins Visier genommen.

Man muss es ganz klar aussprechen: All das macht Bessons «Valerian» nicht. Stattdessen liefert der Franzose grosses Popcorn-Kino ab. In den Hauptrollen: Die Jungstars Dane DeHaan («The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro») als Valerian, Cara Delevingne («Suicide Squad») als seine Partnerin Laureline und Popstar Rihanna als sexy Formwandlerin.

Es ist ein behutsamer Abschied von der Welt, wie wir sie kennen. Besson folgt der Internationalen Weltraumstation ISS in eine sehr ferne Zukunft. Zu David Bowies «Space Oddity» werden dort die Besucher von Handschlag zu Handschlag immer fremdartiger, bis der Kommandant irgendwann nur noch in eine glibbrige Alienklaue greifen kann.

Im 28. Jahrhundert ist die Station über der Erde schon so gefährlich gross gewuchert, dass sie den Orbit verlassen muss. Friedlich ist diese Zeit nicht, man sieht einen paradiesischen Planeten grausig untergehen.

Anfangs ahnen der angeberische Frauenheld und Chaot Valerian und die unterkühlte Begleiterin nichts von dem Ausmass des dunklen Komplotts, das über ihnen schwebt. Wenn zwischen den beiden Agenten gerade einmal nicht die Erotik knistert, dann prügeln, schiessen, rennen sie ununterbrochen. Gänge, Kanäle und Verzweigungen scheinen unendlich zu sein - weniger eine Raumstation, eher ein galaktischer Termitenbau.

Unterwegs treffen die Helden in diesem bildgewaltigen und actionlastigen Opus auf die absurdesten Monster, die ihnen mal an ihr Geld, mal an ihre Leben wollen. Sehr sehenswert: die Doghan Daguis, eine Kreuzung zwischen Affe und Fledermaus, die immer als Drillinge auftauchen.

Was man angesichts der Massenszenen voller hässlicher und hübscher Monster nicht vermuten mag: Besson liess jedes Lebewesen seiner Welt von einem Menschen darstellen.

Rund 900 Leute haben allein an den Special Effects gearbeitet - man sieht, dass hier die Crème de la Crème am Werke war. Besson engagierte sowohl Tricktechniker der «Star Wars»-Kinoreihe als auch jene der «Lord of the Rings»-Saga. Zusammen schufen sie 2734 Einstellungen mit Special Effects. Zum Vergleich: In «The Fifth Element» waren es noch 188 gewesen, wie Besson der dpa erzählte.

Obwohl die Geschichte hinter den bombastischen Effekten eher etwas dünn ist, werden wohl viele diesen Film mögen, auch aus der eher kleinen Gemeinde der «Valerian»-Leser. Schliesslich setzt er die ungewöhnlichen Figuren und die drogengeschwängerten Kulissen mit Liebe zum Detail um.

Und auch eines der charmantesten Motive der verblassten «Valerian»-Comics wird von Besson sehr schön eingefangen: Der Kampf der Geschlechter kann manchmal verbissener sein als der Kampf gegen todbringende Aliens.

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