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Altersvorsorge 2020 – Fragen & Antworten zur Abstimmung

Am 24. September steht die Vorlage «Altersvorsorge 2020» zur Abstimmung – und kaum einer weiss, worum es geht. Der Fragenkatalog von TOP ONLINE beantwortet auf einen Blick die wichtigsten Fragen zur Abstimmung.

15.09.2017 / 16:50 / von: sfa
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Der Fragenkatalog von TOP ONLINE beantwortet auf einen Blick die wichtigsten Fragen zur Abstimmung. (Bild: Screenshot / Youtube.com)

Der Fragenkatalog von TOP ONLINE beantwortet auf einen Blick die wichtigsten Fragen zur Abstimmung. (Bild: Screenshot / Youtube.com)

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Worüber stimmen wir am 24. September ab?

Mit der Vorlage «Altersvorsorge 2020» soll das schweizerische Vorsorgesystem umfassend saniert werden. Nötig ist das, weil die Menschen immer älter werden und weil die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge bald in Pension gehen – es gibt also immer weniger Junge, die immer mehr Alte finanzieren müssen.

Das Schweizer Vorsorgesystem besteht aus 3 Säulen:

1. Säule: Alters- & Hinterlassenenversicherung (AHV)

2. Säule: Berufliche Vorsorge (verwaltet von den Pensionskassen)

3. Säule: Private Vorsorge (freiwillig)

Die Altersreform 2020 betrifft die 1. und die 2. Säule.

Was passiert bei einem Ja?

Bei einem Ja zur «Altersvorsorge 2020» treten die folgenden Änderungen in Kraft:

Schrittweise Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65 Jahre: Heute gehen Frauen mit 64 in Pension. Indem sie ein Jahr länger arbeiten, bezahlen sie einerseits länger in die Vorsorge ein, andererseits beziehen sie weniger lang eine Rente. Das Pensionsalter der Männer bleibt unverändert bei 65 Jahren.

Erhöhung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge an die AHV um je 0,15 Prozent: Diese zusätzlichen Abgaben an die AHV werden direkt vom Lohn abgezogen. Bei einem Monatslohn von 4.000 Franken werden monatlich sechs Franken mehr vom Lohn abgezogen.

Erhöhung der monatlichen AHV-Rente um 70 Franken: Die AHV-Rente kommt allen Rentnerinnen und Rentnern zugute, unabhängig davon, welchen Lohn sie während ihres Berufslebens erwirtschafteten. Die Aufstockung der AHV gilt für alle, die ab 2018 pensioniert werden.

Schrittweise Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8 auf 8,3 Prozent: Die zusätzlichen Gelder fliessen in die AHV. Die Mehrwertsteuer entfällt auf alle Produkte und Dienstleistungen, die in der Schweiz verkauft werden – also zum Beispiel auf die Rechnung im Restaurant.

Senkung des Umwandlungssatzes in der 2. Säule von 6,8 auf 6 Prozent: Anders als bei der AHV werden die Guthaben aus der 2. Säule (berufliche Vorsorge) nicht gleichmässig an alle Pensionierten verteilt. In der 2. Säule spart jeder sein persönliches Altersguthaben an und erhält dieses nach der Pensionierung mittels eines Umwandlungssatzes wieder ausbezahlt. Heute liegt dieser Umwandlungssatz bei 6,8 Prozent. Die Rente aus der 2. Säule wird bis zum Tod ausbezahlt, unabhängig davon, ob das eigene Altersguthaben schon früher aufgebraucht ist. Weil die Schweizerinnen und Schweizer immer länger leben, entsteht ein Defizit in der 2. Säule. Deshalb sieht die Altersreform 2020 vor, den Umwandlungssatz von heute 6,8 auf 6 Prozent zu senken. Ein Rentner mit einem Altersguthaben von 100.000 Franken erhielte künftig also noch 6.000 Franken (statt 6.800 Franken) pro Jahr aus der 2. Säule. Diese Änderung tritt nur für Menschen mit den Jahrgängen 1974 und jünger in Kraft.

Erhöhung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge an die 2. Säule um 1 Prozent: Trotz des tieferen Umwandlungssatzes fehlt der 2. Säule Geld. Das hängt auch damit zusammen, dass die Pensionskassen, welche die Gelder aus der 2. Säule verwalten, heute viel tiefere Renditen mit den Guthaben erzielen. Die tiefen Zinsen und ein schwieriges Umfeld auf den Kapitalmärkten sind schuld. Deshalb sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusätzlich mehr in die berufliche Vorsorge einzahlen. Dies gilt allerdings nur für Berufstätige zwischen 35 und 54 Jahren. Gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber zahlen sie 1 Prozent mehr in die berufliche Vorsorge ein.

Flexibleres Rentenalter: Mit der Reform soll es möglich werden, flexibler in Rente zu gehen. Pensionäre können ihre Renten aus der 1. und der 2. Säule flexibler zwischen 62 und 70 Jahren beziehen. Teilrenten zwischen 20 und 80 Prozent sind möglich. Heute bezahlen Leute, die länger als bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten, weiterhin AHV-Abgaben – erhalten allerdings trotz ihrer zusätzlichen Arbeit keine höhere AHV-Rente. Mit der Reform wirken auch nach der Rente einbezahlte Beträge rentenbildend. Das ist besonders für Frauen wichtig, die aufgrund der Mutterschaft während des Berufslebens häufig AHV-Lücken aufweisen – sie können diese Lücken neu auch nach dem Pensionsalter schliessen.

Warum sind auf meinem Abstimmungszettel zwei Vorlagen? Muss ich bei beiden dasselbe stimmen?

Die Altersreform 2020 ist in zwei Abstimmungsvorlagen aufgeteilt. Beide Vorlagen müssen angenommen werden, damit die Reform umgesetzt wird. Daher sollte man – unabhängig davon, ob man ja oder nein stimmt – bei beiden Vorlagen dasselbe stimmen.

Grund für die Aufteilung in zwei Abstimmungsfragen ist, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer eine Verfassungsänderung bedingt. Die übrigen Massnahmen der Reform (z.B. die Erhöhung des Frauenrentenalters) werden hingegen im Gesetz festgeschrieben.

Hier nochmals die wichtigsten Fakten zur Abstimmung zusammengefasst: 

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Wer sind die Gegner, wer die Befürworter der Vorlage?

Befürworter:

- Bundesrat
- Mehrheit des Parlaments
- BDP
- CVP
- Grüne (inkl. Junge Grüne)
- Grünliberale (inkl. Junge Grünliberale)
- SP (ohne JUSO)

RADIO TOP-Beitrag mit den Befürwortern: 

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Der wohl grösste Befürworter der Altersvorsorge 2020 ist Bundesrat Alain Berset. 

RADIO TOP-Redaktorin Sarah Frattaroli hat den Bundesrat zum Interview getroffen und sich seine Argumente angehört:

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Gegner:

- FDP (inkl. Jungfreisinnige)
- SVP (inkl. Junge SVP)
- JUSO

RADIO TOP hat auch die Gegner zu Wort kommen lassen: 

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Die Altersreform 2020 trifft die jüngere vielleicht sogar noch härter als die ältere Bevölkerung. Dementsprechend stark wehren sich auch die Jungparteien.

Die JUSO, die junge SVP und die Jungfreisinnigen haben eine ganz klare Meinung zur Altersreform:

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Die Verbände sind in der Frage gespalten. Während economiesuisse, Gewerbeverband und Arbeitgeberverband zum Nein-Lager gehören, befürworten etwa der Westschweizer Arbeitgeberverband und der Bauernverband die Reform.

Wie viel wissen die Passanten eigentlich über die AHV-Reform? Sarah Frattaroli aus der RADIO TOP Redaktion hat nachgefragt:

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