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Plakatkampagne der Migros Bank sorgt für Entrüstung

Die Migros Bank wirbt schweizweit für Privatkredite. Schuldenberater schlagen Alarm, die Kampagne verstosse sogar gegen das Gesetz. Die Bank widerspricht.

12.03.2018 / 11:48 / von: sfa
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Mit sogenannten «Memes» wirbt die Migros Bank schweizweit für Privatkredite für Eheringe... (Bild: Migros Bank)

Mit sogenannten «Memes» wirbt die Migros Bank schweizweit für Privatkredite für Eheringe... (Bild: Migros Bank)

... für ein neues Auto... (Bild: Migros Bank)

... für ein neues Auto... (Bild: Migros Bank)

... oder für Weiterbildungen. (Bild: Migros Bank)

... oder für Weiterbildungen. (Bild: Migros Bank)

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«Ja, sie will?!? Der Privatkredit, wenn man plötzlich Ringe braucht.»

Mit solchen und ähnlichen Sprüchen wirbt die Migros Bank seit rund einer Woche auf Plakatwänden in der ganzen Schweiz für Privatkredite.

RADIO TOP Beitrag zur Plakatkampagne der Migros Bank:

Audio-File

 

Bei Schuldenberatern kommt die neue Kampagne überhaupt nicht gut an: Sie verstosse sogar gegen das Gesetz, ist Mario Roncoroni überzeugt. Er ist Jurist bei der Berner Schuldenberatung: «Im Gesetz heisst es, dass die Branche sich selber Regeln auferlegen muss, wie sie aggressive Werbung zur Kreditvergabe verhindern will. Ich bin überzeugt, dass diese Kampagne gegen diese Vorschriften und die Branchenkonvention verstösst.»

Auch andere Schuldenberater wünschen sich griffigere Verbote gegen Werbung zur Kreditvergabe. Pikant: Die aktuelle Kampagne der Migros Bank arbeitet mit sogenannten «Memes», also Kombinationen aus Bildern und Sprüchen. Diese Form ist besonders auf Social Media verbreitet. Katharina Blessing, Co-Geschäftsleiterin der Schuldenberatung des Kantons Zürich, vermutet deshalb, dass die Migros Bank gezielt auf junge Leute abzielt:

«Die Kampagne suggeriert, dass man nicht sparen muss. Wenn man ein Problem hat, kann man einfach einen Kredit aufnehmen. Junge Leute lernen dadurch nicht, mit Geld umzugehen. Zum Beispiel das Plakat mit den Zwillingen: Wenn man Zwillinge kriegt, steigen die Kosten und das Einkommen sinkt, weil meist ein Elternteil nicht mehr arbeiten kann. Wenn dann noch Zinsen für einen Privatkredit dazukommen, wird es knapp.»

Die Migros Bank wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die Kampagne richte sich an alle – jung und alt. Ausserdem halte die Bank sich an alle gesetzlichen Vorgaben und branchenüblichen Konventionen, sagt Urs Aeberli, Mediensprecher der Migros Bank: «Es kann halt einfach vorübergehende Budget-Engpässe gehen. Dann kann ein Privatkredit Sinn machen. Wir haben strenge Vergaberichtlinien, um die anhaltende Überschuldung einer Person zu verhindern.»

Die Migros Bank überprüft also – wie gesetzlich vorgeschrieben – das Einkommen, die Miete und andere Fixkosten potenzieller Kreditnehmer. Schuldenberatern reichen diese Massnahmen nicht: In ihren Augen machen Kampagnen wie jene der Migros-Bank Präventionsbestreben zunichte.

Die Plakat-Kampagne der Migros Bank soll noch bis im April in der ganzen Schweiz zu sehen sein.

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