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«Fans brauchen wahrscheinlich etwas Erziehung»

Die Schweiz konnte sich in der Barrage für die WM in Russland im nächsten Jahr qualifizieren. Eigentlich ein Grund zur Freude für die Fans. Trotzdem hagelte es nach dem Spiel am Sonntag Pfiffe.

13.11.2017 / 12:52 / von: abl/sda
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Seferovic reagierte genervt auf die Pfiffe der Fans. (Bild: Screenshot SRF)

Seferovic reagierte genervt auf die Pfiffe der Fans. (Bild: Screenshot SRF)

Er habe menschlich auf die sonderbare öffentliche Behandlung von Seferovic reagiert, so Petkovic. In der Kabine fand er am Sonntagabend seinen Topskorer in einem unschönen Zustand vor: «Er war enttäuscht und sehr betroffen.» Wie sehr ihm die Geringschätzung seines Stürmers missfiel, war auch tags darauf spürbar.

Vielleicht müsse man einen Teil der Zuschauer etwas erziehen, mutmasste der Selektionär. Er versuche, mit seiner Mannschaft bei jeder Gelegenheit Bodenständigkeit vorzuleben. «Wir sind eine kleine Nation, die viel erreichen will. Das sollte niemand vergessen. Während des Spiels sollte der Support vorrangig sein.»

Dieser Meinung ist auch SFV-Präsident Peter Gilliéron: «Ich bin in Sachen Zuschauer schon ein wenig abgebrüht. Die Schweizer sind nicht gerade die Begeisterungsfähigsten. Auch gegen Alex Frei und Marco Streller ist schon gepfiffen worden. Die Schweizer Zuschauer brauchen wohl ein wenig Erziehung. Das Publikum der Nordiren hat gewonnen. Aber die Mehrheit der Schweizer Zuschauer hat versucht, mit Applaus die Pfiffe zu korrigieren», sagte er.

Für den Historiker und Fan-Forscher Thomas Busset von der Universität Lausanne lag es an den hohen Erwartungen der Schweizer Fans. Die Partie sei im Vorfeld von den Medien gepusht worden: «Die Schweizer Spieler wurden dargestellt, als wären sie alle Stars. Die hohen Erwartungen der Fans wurden enttäuscht und diese Enttäuschung richtete sich dann auf ihn», versucht er die Pfiffe zu erklären.

Der RADIO TOP-Beitrag zum Thema:

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Die Medien schrieben über die geglückte WM-Qualifikation der Schweiz, die Pfiffe aus den eigenen Reihen waren aber fast das grössere Thema:

Der «Tages-Anzeiger»: «Zum vierten Mal in Folge reisen sie an eine WM. So etwas hat es in ihrer Geschichte noch nie gegeben. Dass Haris Seferovic nach einer vergebenen Chance trotzdem ausgepfiffen wird, ist befremdend und zeigt nur eines: Das Publikum hat nicht das Niveau der Mannschaft.»

Die «Basler Zeitung» fand noch deutlichere Worte: «Dass ein paar Idioten nun Haris Seferovic auspfiffen, ist für die Schweizer Fussball-Hauptstadt Basel peinlich.»

Auch auf Twitter machten viele ihrem Ärger über die Pfiffe Luft:

Liebes Schweizer Publikum im St. Jakob-Park: Haris Seferovic auszupfeiffen ist nun wiklich allerunterste Schublade. #SUINIR #HarisSeferovic

— Maja Siggs (@majasiggs) 12. November 2017

Was sind das eigentlich für arschlochige Fans, die Seferovic auspfeifen, wenn er vom Acker geht, statt die Mannschaft nach Russland zu klatschen? Das war eindeutig nicht die übliche Kurve im Joggeli. #SUINIR

— Marc Krebs (@marc_krebs) 12. November 2017

Starkes Statement von Captain Lichtsteiner, sich vor den zu unrecht ausgepfiffenen Teamkollegen Seferovic zu stellen. ???????? Elf Freunde sollt ihr sein! #SUINIR

— Dennis Bühler (@DennisBuehler) 12. November 2017

Fussballer spielen Fussball
Pfeifen üben sich im Pfeifen#SUINIR #Seferovic

— David Stampfli (@David_Stampfli) 13. November 2017

 Viele sehen den Grund in der Nationalität von Seferovic:

Ich frage mich ob Seferovic auch ausgepfiffen worden wäre, wenn er nicht Seferovic sondern Müller heissen würde? #SUINIR

— Markus Kobel (@m_kobel) 12. November 2017

Für Beni Thurnheer, der die Schweizer Nati jahrelang als Kommentator mitverfolgt hat, hat es damit aber nichts zu tun. «Es ist eine gesellschaftliche Stimmung, die herrscht. Im Internet gibt es ganze Plattformen, auf denen täglich die ungeheuersten Beleidigungen und Respektlosigkeiten abgesondert werden.»

An den WM-Spielen im Sommer erwartet er aber nicht, dass die Pfiffe wieder zum Thema werden. Einerseits seien bei Spielen im Ausland nur eingefleischte Fans dabei und andererseits dürfte gerade diese Debatte jetzt die Schweizer Fans wieder darauf sensibilisieren, dass die Unterstützung aus den eigenen Reihen wichtig ist. Auch der ehemalige Schweizer Nati-Spieler Georges Bregy ist für die WM im Sommer optimistisch:

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