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Schweizer Speed-Team erlebte tödlichen Sturz hautnah mit

Beim tödlichen Trainingsunfall des französischen Skirennfahrers David Poisson, der am Montagin Kanada mit hohem Tempo in einen Baum prallte, war das Schweizer Abfahrtsteam unmittelbar zugegen.

 

14.11.2017 / 09:00 / von: rwa/sda
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Bild: wikipedia.org unter Creative Commons

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Gemäss übereinstimmenden Berichten von Augenzeugen verlor David Poisson im untersten Teil der Trainingsstrecke in einer Kompression einen Ski. Danach flog der 35-jährige Franzose durch das Sicherheitsnetz und prallte mit immer noch hohem Tempo in einen nahe dahinterstehenden Baum. «Als wir an der Unfallstelle ankamen, konnten wir nur noch den Tod dieser Person feststellen», so ein Sprecher der medizinischen Notfalldienste vor Ort. Wiederbelebungsversuche des Rettungsteams blieben ohne Erfolg.

Wie Swiss-Ski mitteilte, trainierten Beat Feuz, Patrick Küng, Mauro Caviezel, Marc Gisin und Gilles Roulin zum Zeitpunkt des Unglücks auf der gleichen Piste wie das französische Team. Sie mussten den Unfall und die Bergung des Opfers aus nächster Nähe mitverfolgen.

Das Schweizer Team sei erst gerade angekommen als der tragische Unfall geschah, wie der Cheftrainer der Männer Swiss-Ski Tom Stauffer gegenüber RADIO TOP erzählt. «Wir müssen morgen weiterschauen, einige Athleten wollen morgen bereits wieder auf die Ski, aber auf eine Abfahrt verzichten, andere wollen erst eine Pause einlegen.»

Die Konzentration der Athleten gilt derzeit der gemeinsamen Verarbeitung der Geschehnisse, wofür auch professionelle Hilfe aus der Schweiz hinzugezogen wurde. Wie, wann und wo die Vorbereitung auf die Olympia-Saison fortgesetzt wird, ist noch offen. Vor dem Weltcup-Auftakt der Speed-Fahrer von Ende nächster Woche im nahe gelegenen Lake Louise hat das Schweizer Männer-Team auch noch ein Trainingscamp in Panorama eingeplant.

Poisson, der aus der Region Annecy in Nähe der Schweizer Grenze stammte, schaffte den Durchbruch nie ganz. Im Weltcup war er nur einmal auf dem Podest gestanden. Ende Dezember 2015 preschte er in Santa Caterina auf den 3. Platz vor. Einen Monat vor seiner WM-Bronzemedaille verpasste er das Podest an der Hahnenkammabfahrt in Kitzbühel nur knapp.

Letztmals mussten die Franzosen vor 16 Jahren einen derartigen Schicksalsschlag verarbeiten. Die Super-G-Weltmeisterin Régine Cavagnoud war während des Trainings mit dem deutschen Nachwuchstrainer auf dem Pitztaler Gletscher kollidiert. Sie starb zwei Tage später im Spital.

Poisson ist der vierte französische Speedfahrer der Nachkriegszeit, der auf der Piste tödlich verunfallte. 1970 brach sich Michel Bozon in der Weltcup-Abfahrt von Megève das Genick. Michel Dujon kollidierte 1975 in Val d'Isère mit einem Masten und zog sich ebenfalls tödliche Verletzungen zu. 2001 kam Cavagnoud ums Leben.

Poisson war Vater eines eineinhalbjährigen Sohnes. Sein eigener Vater war erst vor 15 Tagen verstorben.

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