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Höhere Steuereinnahmen wegen Schwarzgeld aus Liechtenstein

Beim Steueramt des Kantons St. Gallen sind im letzten Jahr 1295 straflose Selbstanzeigen eingegangen - doppelt so viele wie im Vorjahr. Damit steigen die Steuereinnahmen um 10,5 Mio. Franken. Allein aus Liechtenstein stammen 178 Millionen an Schwarzgeld.

18.01.2018 / 13:58 / von: pha
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Schloss Vaduz mit Rheintal (Bild: wikipedia.com)

Schloss Vaduz mit Rheintal (Bild: wikipedia.com)

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Der Treiber hinter der hohen Zahl von straflosen Selbstanzeigen in verschiedenen Kantonen ist der Automatische Informationsaustausch (AIA) zwischen der Schweiz und der EU, aber auch mit Norwegen, Australien, Kanada oder dem Fürstentum Liechtenstein. 

Die ersten Datenlieferungen aus der EU würden in den kommenden Monaten erwartet, hiess es am Donnerstag an der traditionellen Medienorientierung des Steueramtes.

Die 1295 Selbstanzeigen (2016: 583) von 2017 summieren sich zur absoluten Rekordzahl, seit 2010 die Möglichkeit eingeführt wurde. Gemeldet wurden hinterzogene Vermögen in der Höhe von 307 Mio. Franken. Den höchsten Betrag meldete eine Person, die 34 Millionen angab.

Das nun offengelegte Schwarzgeld wirkt sich positiv auf die Staatskasse aus: 2017 konnten deswegen zusätzliche Steuereinnahmen von 10,5 Mio. Franken verbucht werden.

Die Entwicklung dürfte sich ungebremst fortsetzen. Felix Sager, Leiter des Steueramtes, sprach von einem «Jahresend-Rallye der Selbstanzeiger». Der Grund: Allein im letzten Dezember trafen 170 Anzeigen ein. Und in den ersten Januarwochen waren es bereits wieder 69.

Knapp 60 Prozent der im letzten Jahr gemeldeten Vermögen - nämlich 178 Mio. Franken - stammen aus dem Fürstentum Liechtenstein. Dort wird sich der Informationsaustausch ab 2019 auswirken. Zwei Drittel des Schwarzgelds war bei Banken und Vermögensverwaltern versteckt, der Rest bei Stiftungen.

Sager erinnerte daran, dass im Kanton St. Gallen eine straflose Selbstanzeige möglich ist, solange die Hinterziehung keiner Steuerbehörde bekannt ist. Aus dem Informationsaustausch ergibt sich aber kein konkreter Zeitpunkt. Die Datenlieferungen beginnen in den kommenden Monaten und sind je nach Land bis am 30. September abgeschlossen. «Wir raten, sich möglichst bald zu melden», so der Leiter des Steueramtes.

Aus dem Informationsaustausch erfahren die Behörden Namen, Adresse und die Anzahl der Konten im Ausland. Daraus lassen sich unter anderem Rückschlüsse ziehen, ob die Person im betreffenden Land ein Ferienhaus besitzt.

Die Meldungen von bisher in der Steuererklärung nicht angegebenen Liegenschaften hielten sich «noch sehr in Grenzen», kommentierte Sager. Im letzten Jahr wurde Grundbesitz im Wert von knapp 19 Mio. Franken offengelegt. Davon liegen 130 Liegenschaften - etwa die Hälfte - in Italien.

Neben Informationen über Selbstanzeigen gab es an der Medienorientierung Auskünfte über Neuerungen, die für das Ausfüllen der in diesen Tagen verschickten rund 310'000 Steuererklärungen wichtig sind. Einzige Änderung ist die Erhöhung des an den Preis eines GA der zweiten Klasse gekoppelten Fahrkostenabzugs von bisher 3655 auf neu 3860 Franken.

Wie jedes Jahr wurde dafür plädiert, die Steuererklärung elektronisch auszufüllen und einzureichen. Um die Quoten dafür zu steigern, wurde nun sogar ein Werbespot mit der Leichtathletin Selina Büchel gedreht. Besonders verbreitet ist eTaxes offenbar im Sarganserland. In Mels liegt die Quote bei fast 70 Prozent. Tiefer ist die Akzeptanz in Städten wie St. Gallen mit rund 50 Prozent.

Ausgebaut wurde der Service für Steuerpflichtige mit Sehbehinderung: Sie können sich mit einem Zusatzprogramm den Inhalt der Formulare vorlesen lassen. Das gilt inzwischen auch für die Wegleitung.

 

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