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Raiffeisen bald keine Genossenschaft mehr?

Die Aufsichtsbehörde Finma hat Raiffeisen neben anderen Auflagen dazu verpflichtet, ihre Gesellschaftsform zu überprüfen. Für die Genosssenschaftsbank ist das ein ganz heisses Eisen. Wirtschaftsexperten sind sich über das Vorgehen der Finma allerdings uneinig.

14.06.2018 / 11:50 / von: vbu/sda
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Wie geht es weiter mit der Raiffeisen-Gruppe? (Bild: raiffeisen.ch)

Wie geht es weiter mit der Raiffeisen-Gruppe? (Bild: raiffeisen.ch)

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«Es ist äusserst ungewöhnlich, dass sich die Finma in die Strukturen einer Bank einmischt», sagt Wirtschaftsexperte Martin Spieler. Natürlich seien Fehler passiert bei der Raiffeisen-Gruppe. Für Spieler liegen diese Probleme aber nicht zwingend in der Genossenschaftsstruktur begründet – im Gegenteil: «Die Genossenschaftsstruktur hat sich für die Gruppe als erfolgreich erwiesen.»

RADIO TOP-Beitrag über die heikle Finma-Forderung:

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Wirtschaftsrechtsexperte Peter V. Kunz demgegenüber begrüsst den Finma-Bericht. Bereits seit einem Jahrzehnt weise er immer wieder darauf hin, dass die Genossenschaft als Gesellschaftsform für eine so grosse Bank wie Raiffeisen ein Problem ist. «Für eine kleine Landwirtschaftsgenossenschaft funktioniert diese Gesellschaftsform, aber nicht für eine Bank», so Kunz im Interview mit RADIO TOP.  Kunz sieht zwei Hauptprobleme der heutigen Organisationsstruktur der drittgrössten Schweizer Bank. So funktioniere erstens die Kontrolle der Führungsgremien in einer Genossenschaft nur schlecht. Weil der Geschäftsleitung eine Vielzahl von nur mässig betroffenen Genossenschaftern gegenüberstehe und es keine disziplinierende Wirkung durch eine Börse gebe, könne der Verwaltungsrat und das Management fast nach Belieben Schalten und Walten. Zweitens verhindere die komplexe und stark verflechtete Genossenschaftsform, dass Raiffeisen in einem Krisenfall aufgelöst werden könne. Seit die Bankengruppe als systemrelevante Bank gilt, muss sie der Finma einen Plan vorlegen, wie die Bank abgewickelt werden kann. Diese Pläne sind jedoch für Dritte nicht einsehbar. Gemäss Kunz hat sich die Finma dazu auch nie geäussert.

Auch Peter Hody, Chefredaktor des Finanzportals «finews», ist wenig überrascht von der Forderung der Finma. Allerdings berge der Vorschlag Sprengkraft: «Ich kenne Genossenschafter der Raiffeisen, die auf die Barrikaden gehen würden.» Allerdings gelte es zu beachten, dass auch Mischformen möglich sind. Die Forderungen der Finma betreffen nur die Raiffeisen Schweiz, also die Zentrale in St.Gallen. Die kleineren Genossenschaftsverbände in den Regionen könnten weiter als Genossenschaften bestehen bleiben.


Mit der Aufforderung zur Überprüfung liege der Ball jetzt bei der Bank. Sie muss der Finma darlegen, wie sie die Probleme allenfalls auch als Genossenschaft lösen kann. 

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