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Horváth-Klassiker auf der Seebühne - Ballade der kleinen Leute

Das See-Burgtheater bringt in diesem Jahr den Horváth-Klassiker «Kasimir und Karoline» auf die Seebühne. Nicht nur Ort und Rahmen passen, auch die Darsteller und die Live-Band überzeugen in der bitteren Geschichte eines Liebespaars, das an der finanziellen Not zerbricht.

 

17.07.2017 / 12:50 / von: nsh
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Am Seeufer der Seeburg in Kreuzlingen findet das See-Burgtheater statt. (Bild: wikipedia.org / JoachimKohlerBremen)

Am Seeufer der Seeburg in Kreuzlingen findet das See-Burgtheater statt. (Bild: wikipedia.org / JoachimKohlerBremen)

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Im Mittelpunkt des 1932 in Leipzig uraufgeführten Volksstücks »Kasimir und Karoline« von Ödön von Horváth stehen der Chauffeur Kasimir, der plötzlich arbeitslos geworden ist, und seine Verlobte Karoline. Ort der Handlung ist das Oktoberfest in München an einem Abend zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, die 1929 ihren Anfang nahm.

Die Kulisse am Bodenseeufer bei der Seeburg in Kreuzlingen ist ideal: Über die Festwiese fliegt ein (imaginärer) Zeppelin, der die Besucher des Oktoberfests beeindruckt. Kasimir (Kaspar Locher) kann Karolines (Maria Lisa Huber) Begeisterung nicht teilen, zu heftig sind Wut und Trauer über seine Entlassung. Er fühlt sich von Karoline im Stich gelassen. Diese besteht auf ihrem Recht, sich zu vergnügen. Es kommt zum Streit und Karoline will die Möglichkeit einer Trennung nicht ausschliessen. Kasimir sieht den Grund dafür in seinem Jobverlust.

Um sie herum tummeln sich lauter gescheiterte Existenzen, die den letzten Rest Anstand im Schnapsglas versenken: Erst kommt das Saufen, dann die Moral. Rummelplatz-Ausrufer (Andrej Reimann) führt mit bissigem Humor durch die Talent Show der abgerutschten Horváth-Menschen. Goran Kovačević und das Baro Drom Orkestar untermalen aus einem Baucontainer heraus musikalisch den Trailerpark-Weltschmerz.

Noch ein zweites Paar streift über den Jahrmarkt: der Merkl Franz (Lennart Lemster) und seine Erna (Tatjana Sebben). Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit kleinen Diebstählen. Kasimir trifft sie und steht prompt bei einem Diebeszug Schmiere. Franz wird geschnappt und kommt ins Gefängnis, Kasimir kümmert sich um Erna.

Karoline bandelt derweil mit dem schüchternen Zuschneider Schürzinger (Florian Steiner) an und lernt durch ihn Kommerzienrat Rauch kennen. Denn Zukunft ist einen Beziehungsfrage, lässt Horváth die Zuschauer wissen. Bei einer Spritztour erleidet Rauch am Steuer seines schnittigen Sportwagens einen Herzanfall und Karoline rettet ihm das Leben. Doch danach will er nichts mehr von ihr wissen.

Zurück auf dem Rummel wollen Kasimir und Karoline sich versöhnen, doch vergebens. Das gegenseitige Vertrauen ist zerstört und zuletzt begnügen sich beide mit den Partnern, die die Umstände ihnen zugespielt haben: Karoline mit Schürzinger und Kasimir mit Erna.

Regisseurin Astrid Keller, die 1987 selbst als Karoline auf der Bühne stand, bringt die Ballade der kleinen Leute mit feiner Hand und einem überzeugenden Ensemble auf die Seebühne. Das Lustige, das Lächerliche und das Unerträgliche lösen sich spielerisch ab.

Die Inszenierung des See-Burgtheaters hält sich an die literarische Vorgabe. Das zeitlose Thema wird nur halbherzig in die Gegenwart transformiert. Das Premierenpublikum ist dankbar, dass Astrid Keller das Ensemble wirklich den Horváth spielen lässt, und spendet viel Applaus.

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Erich Peters
am 22.07.2017 um 00:42
langweilig, altmodisch inszeniert, nette Musik, ordentliche Schauspieler, aber schöne Seekulisse