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Uhren gehen wegen Streit auf Balkan nach

Kleinste Schwankungen im Stromnetz bringen derzeit viele Uhren in Europa aus dem Takt. Bis zu sechs Minuten gehen Radiowecker und Herd- und Mikrowellen-Uhren nach. Netzbetreiber vermuten: Die Ursache dafür liegt im Streit zwischen dem Kosovo und Serbien.

07.03.2018 / 14:40 / von: sap/sda
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Viele Uhren von Backöfen und Mikrowellen gehen derzeit sechs Minuten nach (Bild: RADIO TOP/Sandro Peter)

Viele Uhren von Backöfen und Mikrowellen gehen derzeit sechs Minuten nach (Bild: RADIO TOP/Sandro Peter)

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Betroffen seien 25 Länder in Europa, darunter die Schweiz, wie der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E angab. Eine politische Unstimmigkeit zwischen dem Kosovo und Serbien habe zu Frequenz-Abweichungen und einer Unterversorgung im Stromnetz geführt, hiess es.

ENTSO-E mahnte eine schnelle Lösung auch auf politischer Ebene an. Andernfalls könne ein Abweichungsrisiko bestehen bleiben.

Laut dem Technologie-Magazin «Heise» steht der Streit über die Unabhängigkeit des Kosovo hinter dem Problem. Die Leistungsabweichungen stammen laut ENTSO-E aus der Kontrollregion Serbien, Mazedonien und Montenegro (SMM), speziell aus dem Kosovo und Serbien. Eines der Länder ist demnach der Verpflichtung nicht nachgekommen, die Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.

Einfache Radiowecker und Küchenuhren sind in vielen Haushalten als Zeitmesser üblich. Solche Synchronuhren haben keine eigenen Taktgeber wie Quarzoszillatoren, sondern nutzen die konstante Netzfrequenz als Taktgeber für die Berechnung der Zeitanzeige.

Diese liegt in Europa traditionell bei fast genau 50 Hertz. Stärkere Frequenzabweichungen etwa durch höheren oder geringeren Stromverbrauch gleichen die Versorger durch höhere Einspeisung aus. So schwankt die Frequenz in der Regel nur um ein paar Hundertstel Hertz, was den Uhren als Taktgeber ausreicht.

Seit Mitte Januar ist das nun aber anders. Bis zu sechs Minuten gehen die Synchronuhren in Europa nach. Eine solche Frequenzabweichung habe es im Netz noch nie gegeben, heisst es beim Verband der Netzbetreiber.

Die durch die nicht erfolgte Korrektureinspeisung fehlende Energie betrage inzwischen 113 Gigawattstunden (GWh). Es müsse entschieden werden, wer diesen Verlust zu kompensieren habe.

Wer sich an den nachgehenden Uhren stört, könne sie einfach manuell auf die richtige Zeit vorstellen, riet der ENTSO-E-Verband. Allerdings bedürfe es dann noch einmal einer weiteren Korrektur, sobald das kontinentaleuropäische Stromnetz wieder auf seine normale Frequenz zurückgesetzt ist. Alternativ kehrten die Uhren automatisch in den Normalzustand zurück, sobald die Abweichungen aufhören.

Ende vergangener Woche hatte «Heise Online» bereits über die falschen Zeitanzeigen berichtet - und als Grund zunächst etwa den hohen Strompreis und die Kälte vermutet.

Laut Jutta Hanson, Professorin an der deutschen TU Darmstadt, sind die Differenzen der vergangenen zwei Monate nicht besorgniserregend: «Eine unangenehme, aber sicherlich nicht als kritisch einzuschätzende Erscheinung.» Da die Problematik aber wohl auch einen politischen Hintergrund hat, forderte die ENTSO-E nun die nationalen Regierungen auf, unverzüglich Massnahmen zu ergreifen.

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