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Kantonspolizei beschäftigte kriminellen Winterthurer Spitzel

Die Kantonspolizei Zürich hat einen Einbrecher aus Winterthur jahrelang als Spitzel engagiert. Während er für die Polizei tätig war, wurde er selber mehrfach straffällig. Die Polizei gerät in Erklärungsnot.

08.03.2018 / 06:08 / von: sfa/mle
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Die Kantonspolizei Zürich hat offenbar einen Einbrecher aus Winterthur jahrelang als Spitzel engagiert. (Symbolbild: facebook.com/Kantonspolizei Zürich)

Die Kantonspolizei Zürich hat offenbar einen Einbrecher aus Winterthur jahrelang als Spitzel engagiert. (Symbolbild: facebook.com/Kantonspolizei Zürich)

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Die Kantonspolizei Zürich hat offenbar während vier Jahren einen Spitzel aus dem Raum Winterthur beschäftigt. Dies berichtet der «Landbote». Der Mann lieferte den Fahndern unter anderem Informationen aus dem Drogenmilieu und zum organisierten Verbrechen. Der Spitzel hatte offenbar psychische Probleme und wurde während seiner Tätigkeit für die Polizei selber mehrfach straffällig. Unter anderem hat er sich als Fahrer an verschiedenen Einbrüchen betätigt.

Trotzdem beschäftigte die Kantonspolizei Zürich ihn offenbar weiter – und entlöhnte ihn für seine Arbeit mit mehreren tausend Franken, wie der Spitzel gegenüber dem «Landboten» angibt. Gemäss Angaben des Informanten stammt das Geld aus einer schwarzen Kasse der Kantonspolizei – diese Information lässt sich allerdings nicht unabhängig überprüfen, die Polizei selber bestreitet sie.

Offenbar hat die Kantonspolizei Zürich die Identität des Mannes nicht genug geschützt. Er ist bei mehreren Verbrechern, die aufgrund seiner Informationen in Haft waren, aufgeflogen. Er erhielt Drohungen. Trotzdem nahm die Polizei ihn danach nicht in ein Zeugenschutzprogramm auf. Der Mann fürchtete um sein und das Leben seiner Familie. Er wechselte innert weniger Jahre zehnmal die Wohnung.

In den Fall ist auch ein Kantonspolizist verstrickt, der für den Spitzel offenbar einen Hausdurchsuchungsbefehl gefälscht hat. Dafür ist er von der Staatsanwaltschaft verurteilt worden. Die Kantonspolizei beschäftigt den fehlbaren Polizisten weiter, hat ihn allerdings in den Innendienst versetzt.

Die gesetzlichen Grundlagen für das polizeiliche Spitzelwesen sind nur unklar geregelt. Mehrere Zürcher Kantonsräte haben aufgrund des aktuellen Falls deshalb Massnahmen angekündigt.

Am Donnerstag hat die Kantonspolizei Zürich auf ihrer Internetseite nun Stellung zum Fall genommen. Die Polizei rechtfertigt ihre Praxis damit, dass es weltweit normal sei, Informanten einzusetzen. 

Weiter schreibt die Polizei: «Zu Quellen besteht nie ein Angestelltenverhältnis, sondern es wird von beiden Seiten ein loser Kontakt gepflegt. Quellen werden darüber instruiert, dass sie keine Privilegien geniessen, und gegen sie ein Strafverfahren eingeleitet wird, wenn sie sich straffällig machen, sowie dass der Kontakt zu ihnen abgebrochen wird, wenn sie sich im Rahmen der Informationsbeschaffung strafbar machen.»

Jedoch sei jeder Fall einzeln zu beurteilen. So müsse entschieden werden, wie schwer die Straftat wiege, die verhindern werden könnte. «Verfügt zum Beispiel ein verurteilter Drogenkonsument über Informationen zu einem Gewaltverbrechen, wäre es widersinnig, der Polizei zu untersagen, diese Hinweise entgegenzunehmen», schreibt die Kantonspolizei Zürich weiter. 

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