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Winterthurer Extremismus-Fachstelle zieht positive Bilanz

Im ersten Jahr hat die Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention der Stadt Winterthur 48 Beratungen durchgeführt. Die Verantwortlichen sind zufrieden. Die Fachstelle ist neu auch via Chat erreichbar.

13.10.2017 / 11:03 / von: sfa/sda
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Die Verantwortlichen informieren an einer Medienkonferenz über das erste Jahr der Fachstelle. (Bild: RADIO TOP/Sandro Peter)

Die Verantwortlichen informieren an einer Medienkonferenz über das erste Jahr der Fachstelle. (Bild: RADIO TOP/Sandro Peter)

Die Extremismus-Fachstelle soll unter anderem verhindern, dass sich Jugendliche dem Islamischen Staat anschliessen. (Bild: twitter.com/AllAfrica)

Die Extremismus-Fachstelle soll unter anderem verhindern, dass sich Jugendliche dem Islamischen Staat anschliessen. (Bild: twitter.com/AllAfrica)

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Nachdem Winterthur immer wieder als «Jihadisten-Hotspot» in die Schlagzeilen geriet, schuf die Stadt im Oktober 2016 eine Extremismus-Fachstelle. Mehrere junge Frauen und Männer aus Winterthur waren davor in den Jihad nach Syrien oder in den Irak gereist oder hatten dies probiert, darunter ein Geschwisterpaar (damals 15 respektive 16 Jahre alt).

Seither hat die Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention (FSEG) 48 Beratungen und 38 Referate durchgeführt. 17 der Beratungen wurden in den ersten drei Monaten durchgeführt. Die Polizei musste nur in drei Fällen beigezogen werden, schreibt die Stadt Winterthur in einer Mitteilung. Die FSEG erreichte mit ihren Referaten im ersten Jahr eigenen Angaben zufolge über 800 Fachpersonen und Multiplikatoren.

TOP informiert Beitrag zur Extremismus Fachstelle in Winterthur:

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In zwei der drei Fälle, in denen die Polizei beigezogen wurde, handelte es sich allerdings nicht um radikalisierte Muslime, sondern um Muslime mit psychischen Krankheiten. Es waren Trittbrettfahrer, die sich aufgrund ihrer Störung auffällig verhielten und entsprechend behandelt wurden.

Wie Fachstellenleiter Urs Alleman am Freitag vor den Medien erklärte, gab es im ersten Jahr der Fachstelle nur einen Fall, bei dem eine echte Radikalisierung gemeldet wurde.

Ein Vater rief bei der Extremismus-Fachstelle an, weil er sich Sorgen um seinen Sohn machte. Er hatte bei ihm eine Notiz mit dem Satz «Jihad ist Pflicht» gefunden. Zudem habe sich der Sohn über Reisen nach Istanbul informiert. Die Fachstelle schaltete daraufhin die Polizei ein.

Die meisten Ratsuchenden, die bei der Fachstelle anrufen, sind aber nicht Eltern und andere Angehörige, sondern Fachpersonen. Etwa Lehrerinnen, die bei einem Schüler Veränderungen im Verhalten feststellen, oder Mitarbeitende aus der Jugend- und Sozialarbeit.

Fachstellenleiter Urs Allemann zieht eine positive Bilanz: Die Fachstelle habe sich als Ansprechpartnerin im Zusammenhang mit Extremismus und Gewalt etabliert, schreibt die Stadt Winterthur in einer Mitteilung. Die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten in Winterthur seien geklärt, was den Umgang mit Fragen zur Radikalisierung spürbar erleichtere.

Um Jugendliche in Zukunft noch direkter anzusprechen, ist die FSEG neu auch über die Jugend-App der Jugendinfo Winterthur erreichbar. Über eine Chatfunktion können sich Jugendliche anonym und niederschwellig mit Fragen rund um Gewalt oder Extremismus an die Fachstelle wenden.

Im Auftrag der Zentralschulpflege wurde zudem ein Leitfaden Radikalismus entwickelt. Dieser dient dazu, Schulleitungen, Lehrpersonen und Schulsozialarbeitende für Anzeichen von Radikalismus im schulischen Umfeld zu sensibilisieren und ihnen die Zuständigkeiten und das angemessene Vorgehen aufzuzeigen.

Die Arbeit der FSEG ist vorerst bis Ende 2018 befristet.

Die Art der terroristischen Bedrohung hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verändert. Die Zahl der europäischen Jugendlichen, die sich dem IS anschliessen wollen, nahm deutlich ab. Reisen ins Kalifat haben für Jugendliche deutlich an Attraktivität verloren.

Vermehrt in Erscheinung tritt hingegen der Typ des Einzeltäters, der beispielsweise mit Lastwagen oder Messern islamistische Anschläge verübt.

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