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Gefängnis-Ausbrecher Hassan K. schuldig gesprochen

Das Zürcher Obergericht bestätigt das Urteil seiner Vorinstanz: Hassan K. wird nach seiner filmreifen Flucht aus dem Gefängnis Limmattal schuldig gesprochen. Er hatte eine Gefängnisaufseherin dazu angestiftet, ihn freizulassen.

13.10.2017 / 16:23 / von: sfa
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Hassan K. sass wegen Vergewaltigung im Gefängnis. Er stiftete eine Aufseherin an, ihn freizulassen. (Bild: Screenshot SRF)

Hassan K. sass wegen Vergewaltigung im Gefängnis. Er stiftete eine Aufseherin an, ihn freizulassen. (Bild: Screenshot SRF)

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Das Zürcher Obergericht hat das Urteil seiner Vorinstanz, des Bezirksgerichts Dietikon, bestätigt. Hassan K. wird des Strafbestandes der «Anstiftung zum Entweichenlassen eines Gefangenen» schuldig gesprochen. Er muss sechs Monate ins Gefängnis - zusätzlich zur Strafe, die er für frühere Delikte bereits absitzt. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig, es kann angefochten werden.

K. hatte beim erstinstanzlichen Prozess am Bezirksgericht Dietikon eingeräumt, dass die Idee zur Flucht von ihm gekommen sei und er die Gefängnisaufseherin mehrmals um Hilfe gebeten habe. Er habe aber keinen Druck auf sie ausgeübt, betonte er: «Ich habe ja nichts, womit ich jemanden unter Druck setzen könnte.»

K.'s Anwalt sprach von einer «romantischen Flucht», die vom syrischen Häftling und der Aufseherin als eine Art «Bonnie und Clyde ohne Maschinengewehre» gemeinsam geplant worden sei.

Das Gericht verurteilte ihn trotzdem: K. erhielt wegen Anstiftung zum Entweichenlassen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten - zusätzlich zu den insgesamt fünfeinhalb Jahren, die er bereits wegen Vergewaltigung einer 15-Jährigen und eines früheren Delikts verbüssen muss. Er akzeptierte das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon nicht, weshalb der Fall vor dem Zürcher Obergericht neu verhandelt werden musste. Das Obergericht bestätigt das Urteil nun.

Die Aufseherin, die inzwischen seine Ehefrau ist und seinen Namen angenommen hat, wurde bereits im Januar wegen Entweichenlassens eines Gefangenen mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten bestraft. Dieses Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Die Ehefrau nahm nicht am Prozess teil. K. schilderte bei der Befragung kurz, wie sich ihr Eheleben gestaltet: Zeit alleine haben die beiden nie. Bei den wöchentlichen Besuchen in der Strafanstalt Lenzburg AG würden sie bewacht. Er ruft sie zudem drei Mal pro Woche an und schreibt ihr regelmässig.

Nach ihrer Flucht aus dem Gefängnis Dietikon setzten sich K. und seine Aufseherin mit dem Auto nach Norditalien ab. Wenige Wochen später wurden sie dort verhaftet.

Hat er seine Strafe abgesessen, will K. «arbeiten und eine Familie gründen». Bis es soweit ist, dürfte es allerdings noch Jahre dauern. Der Syrer ist dreifach vorbestraft - vor allem wegen Sexualdelikten - und muss gut sieben Jahre absitzen. Er selber hofft, dass ihm ein Teil der Strafe wegen guter Führung erlassen wird und er im Jahr 2020 freikommt.

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