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Initiative will Schiffsfünfliber auf dem Zürichsee abschaffen

Seit der Einführung des Zürcher Schiffszuschlages hat die Zahl der Passagiere auf dem Zürichsee und der Limmat um ein Drittel abgenommen. Ein Desaster, finden Politiker aus Seegemeinden. Sie lancieren deshalb eine Volksinitiative, die den Zuschlag abschaffen will.

14.02.2018 / 10:46 / von: vdi/sda
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(Archivbild: Screenshot TELE TOP)

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Das überparteiliche Komitee der Schiffsfünfliber-Initiative findet deutliche Worte, wenn es um den momentanen Zustand der Schifffahrt auf Zürichsee und Limmat geht: «Ein Desaster», sagte der Zürcher EVP-Kantonsrat Tobias Mani am Mittwoch vor den Medien.

Seit der Einführung des Zuschlages im Dezember 2016 habe die Zahl der Passagiere um ein Drittel abgenommen, das sind 1400 Personen weniger pro Tag. Vor allem Rentner, GA-Besitzer und Seeanwohner verzichten wegen der zusätzlichen Kosten auf die Fahrt über den See.

«Die Schiffe fahren halbleer herum.» Vom Passagierrückgang betroffen sind auch der Kanton St.Gallen und der Kanton Schwyz, wo die Zürichsee-Schiffe ebenfalls halbleer anlegen.

Zwar gibt es wegen des 5-Franken-Zuschlages zum ordentlichen ZVV-Ticket Mehreinnahmen von 2,4 Millionen Franken, weil die verbleibenden Passagiere mehr zahlen. Für das Komitee ist dies aber zu wenig - vor allem angesichts des grossen Ärgers, den die «blödsinnige Sparmassnahme» auslöste.

Welches Unternehmen könne schon in Kauf nehmen, mit einer einzigen Massnahme ein Drittel ihrer Kundschaft zu vergraulen, fragte Thomas Forrer (Grüne). Mit der Schiffsfünfliber-Initiative wolle man diesen Fehler der Zürcher Regierung rückgängig machen.

Der Beitrag von TELE TOP:


Der Initiativtext wird am Freitag im Amtsblatt publiziert. Dann hat das Komitee ein halbes Jahr Zeit, die nötigen 6000 Unterschriften zu sammeln. Dies dürfte gemäss Komitee kein Problem werden.

Neben dem Hauptanliegen - der Abschaffung des Schiffsfünflibers - will die Initiative auch künftige Sparübungen verhindern. Würde die Initiative vom Volk angenommen, dürfte die Schifffahrt nicht aus dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ausgelagert werden. Zudem würde die Initiative einen Abbau der Verbindungen verbieten.

Der umstrittene Schiffsfünfliber ist Teil des kantonalen Sparprogramms «Lü16». Ziel war es, das jährliche Defizit der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) zu senken. 12 Millionen Franken Defizit fährt die ZSG jedes Jahr ein.

Vor dem 5-Franken-Zuschlag war der Zürichsee der günstigste See im Land. Dies lag daran, dass die Kursschiffe in den ZVV und dessen Tarifsystem integriert sind und dieses auf Pendler ausgerichtet ist.

Für das Initiativkomitee ist das Tarifsystem aber genau der Grund, weshalb der Schiffszuschlag abgeschafft gehört. Auf unrentablen Postautostrecken führe man schliesslich auch keinen Zuschlag ein.

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Urs Heinz Aerni
am 21.02.2018 um 10:46
Warum der Fünfrankenzuschlag auf den Zürcher Schiffen ein Fehler war und ist:
1. Das Image der Tourismusregion Zürich wurde beschädigt, da es der einzige Schweizer See ist, auf dem eine solche Gebühr erhoben wird (abgesehen von den Seen mit Schiffgesellschaften, die vom Nachbarland betrieben werden).
2. Trotz Steigerung der Einnahmen ging die Passagierzahl zurück und löste einen Einbruch der Umsätze in der Gastronomie und Arbeitsstellenkürzungen aus.
3. Der mediale Effekt auf diesen Entscheid ist weder für den Kanton noch für die Stadt Zürich erfreulich und imagefördernd.
Die Verantwortlichen dieses Zuschlag-Entscheides müssen sich den folgenden Fragen stellen:
- Wie stehen die Verantwortlichen zu den Mehrausgaben und Investitionen bei der Beschaffung des Schiffes Panta Rhei mit all den anschließenden Pannen, Reparaturen und kostenintensiven Korrekturen?
- Könnte es sein, dass Fehlentscheidungen des Managements in der Vergangenheit mit dazu beitrugen, den Umsatz mit solchen Zuschlägen korrigieren zu müssen?
- Kann es sein, dass in diesem Fall Führungskräfte nicht zur Verantwortung gezogen werden, die solche Mehreinnahme-Übungen erforderlich gemacht haben? Siehe auch Artikel der ZÜRICHSEE-ZEITUNG vom 19.02.2018 zum Beispiel zum Treibstoff-Einkauf.
- Wer trägt die Verantwortung für die verpassten Kostenkontrollen, Optimierungsmöglichkeiten und Chancen für eine Neuausrichtung in Sachen Investitionen, Finanz-Sanierung und Erwägungen von flankierenden Sparpotenzialen?
- Wer ist verantwortlich für den Entscheid, die Schiffs-Gastronomie mit einer separater Buchhaltung und Gewinnerwirtschaftung auszulagern?
- Warum müssen Feriengäste, Besucher und steuerzahlende Bewohner im Großraum Zürich fünf Franken mehr bezahlen, wenn gemäß Geschäftsbericht der ZSG 2016 noch einen Betriebsgewinn von CHF 40'722.- auswies, was zwar nicht viel ist aber doch als Partner des ZVV nicht gerade in tiefrote Zahlen fallen ließ?
- Wieso wird in jedem öffentlichen Bereich und jeder Dienstleistung auf Rendite und Gewinn geachtet statt auf ein Gesamtlabel von Zürich, das durch viele Säulen und Querfinanzierungen eine Lebensqualität garantiert, die wiederum Besucher wie Einheimische zufrieden stellt und so die Letztgenannten mit mehr Goodwill für Steuern, Abonnemente und GA zum Portmonee greifen lassen?