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Wie ein Brief aus Dietikon den Bundesrat bewegte

Im August starten in 18 Kantonen insgesamt 3600 Flüchtlinge eine Integrationsvorlehre. Die Idee dazu stammt aus Dietikon. Ein Transportunternehmen bildet dort schon seit zwei Jahren Flüchtlinge zu Logistikern aus.

17.05.2018 / 17:34 / von: sfa
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Die Flüchtlinge absolvieren bei der Planzer Transport AG eine Vorlehre als Logistiker. (Bild: Planzer AG)

Die Flüchtlinge absolvieren bei der Planzer Transport AG eine Vorlehre als Logistiker. (Bild: Planzer AG)

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18 Kantone bieten ab August einjährige Integrationsvorlehren für Flüchtlinge an. Die jungen Frauen und Männer gehen an zwei Tagen pro Woche zur Schule. An den drei restlichen Tagen lernen sie in einem Betrieb die Arbeit als Gärtner, Sanitär oder Logistiker kennen.

Die Idee zum Arbeitsintegrationsprojekt stammt aus Dietikon: Es ist Sommer 2015. Der syrische Bürgerkrieg tobt seit mehr als vier Jahren. Hunderttausende Flüchtlinge strömen über das Mittelmeer nach Europa, auch in die Schweiz. Die Betroffenheit in der Öffentlichkeit ist gross in diesem Sommer 2015.

RADIO TOP Beitrag zu den Integrationslehrstellen bei Planzer AG:

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Auch bei den Mitarbeitenden des Transportunternehmens Planzer mit Standort in Dietikon ist die Betroffenheit über das Schicksal der Kriegsflüchtlinge gross, erinnert sich Jan Pfenninger von der Planzer AG: «Wir haben uns gedacht: ,Diese Leute wollen doch arbeiten!'. Wir haben dann einen Brief an den Bundesrat geschrieben, dass wir bei uns zusätzliche Stellen für diese Flüchtlinge schaffen könnten.»

Der Brief stösst beim Bundesrat auf offene Ohren. Es gibt Planungs- und Koordinationssitzungen mit dem Staatssekretariat für Migration und den kantonalen Berufsbildungsbehörden. Im Sommer 2016 trägt die Solidarität der Planzer Mitarbeitenden erste Früchte: Neun junge Frauen und Männer aus Syrien, Eritrea und anderen Ländern starten in Dietikon eine Vorlehre. Sie räumen zum Beispiel Lastwagen ein und aus, lernen also die typischen Arbeiten eines Lernenden in der Logistik kennen.

Die Erfahrungen mit den ersten neun Vorlehrlingen seien von Anfang an durchwegs positiv gewesen, erzählt Jan Pfenninger: «Sie waren immer pünktlich und hochmotiviert. Es war auch schön zu sehen, wie gut sie aufgenommen wurden und wie sie Spass hatten an der Arbeit.»

Trotz allen Lobes gibt Jan Pfenninger aber auch zu: Der Aufwand für die Integrationsvorlehren ist gross. Die Lernenden haben zum Teil nur Grundkenntnisse in Deutsch und haben in ihren Heimatländern noch keine Ausbildung absolviert. Und trotzdem: Im August starten wieder sieben oder acht Flüchtlinge eine Vorlehre bei der Planzer AG.

Der Bund unterstützt Firmen wie die Planzer AG mit 13'000 Franken pro Ausbildungsplatz. Er hofft, dass er so langfristig bei der Sozialhilfe sparen kann, indem die Flüchtlinge finanziell auf eigenen Beinen stehen.

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