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Rubrik:  TOP NEWS | Schweiz
Publiziert:  03.10.2005, 12:40 Uhr
Autor:  Sulamith Ehrensperger (sulamith.ehrensperger@radiotop.ch)


Tierquäler kommen oft mit einem blauen Auge davon
 
Die Schweizer Stiftung fürs Tier im Recht hat eine Statistik über Tierquälerei veröffentlicht. Diese zeigt, wie sich die Fälle von Tierquälereien in den letzten 10 Jahren entwickelt und verändert haben. Das Grundproblem ist immer noch, dass Tierquäler in der Regel mit einem blauen Auge davon kommen.

Weitere Infos unter:
http://www.tierschutz.org/   

Die aktuellen Fälle von Tiermisshandlungen in der Nordwestschweiz geben dem Thema eine besondere Brisanz. Dass auch bei diesen Fällen die Behörden nicht von Anfang an richtig vorgegangen sind, kritisiert Jurist und Verfasser der Statistik, Gieri Bolliger. «Jetzt wird die Strafuntersuchung sehr ernsthaft durchgeführt. Probleme haben am Anfang bestanden, als man die Untersuchung zu wenig ernst genommen hat. Zum Teil ist man mit Beweismitteln fahrlässig umgegangen. Tote Tierkörper wurden verbrannt, statt sie als Beweismittel sicherzustellen. Erst als sich die Fälle von Tierquälereien gehäuft haben, hat man angefangen über Zusammenhänge zu studieren».

Über 3000 Fälle hat Bolliger zusammen mit seiner Assistentin Michelle Richner untersucht. Die meisten Fälle von Tierquälereien hat es in den Kantonen Zürich und St. Gallen gegeben. Dennoch bleibt die Dunkelziffer hoch. Und die Tierquälerfälle haben in den letzten Jahren keineswegs abgenommen, sagt Michelle Richner gegenüber RADIO TOP: «Die Hemmschwelle ist nicht gesunken. Es gibt immer noch brutale Fälle, zum Beispiel Leute, die Katzen verschiessen, wenn sie in den eigenen Garten kommen. Oder einen Hund, der im WC gehalten wird und in seinem eigenen Kot leben muss. Der Besitzer wird gerade mal mit 200 Franken bestraft - dann fragt man sich, wo die abschreckende Wirkung ist und wie das weitergehen soll».

Dass ausgerechnet Zürich und St. Gallen die Kantone mit den meisten Tierquälerfällen sind, ist kein Zufall: Die beiden Kantone gelten als Vorreiter in Sachen Tierschutz und Bestrafung von Tierquälern. Darum finden auch mehr Fälle den Weg vor Gericht, erklärt Gieri Bolliger im Interview mit RADIO TOP. Für andere Kantone wünscht sich Bolliger auch dringend mehr Massnahmen. Ein grundlegendes Problem sieht er bei den Bussen: Im Schnitt bezahlt ein Tierquäler gerade einmal 200 Franken für seine Taten.