11.01.2017

Neues Ausbildungsangebot für schulisch schwache Thurgauer

11.01.2017 12:41 - von: nha/sda

Nach der Oberstufe gibt es im Kanton Thurgau verschiedene Möglichkeiten in die Berufswelt einzusteigen. In diesem System gibt es aber, gemäss des Grossen Rates, eine Lücke für schwächere Schüler. Aus diesem Grund hat der Rat über eine Gesetzesänderung diskutiert und eine einfache Ausbildung eingeführt.

  • Der Rat machte den Weg frei für eine noch einfachere Ausbildung. (Bild: RADIO TOP/Andrea Nötzli)

    Der Rat machte den Weg frei für eine noch einfachere Ausbildung. (Bild: RADIO TOP/Andrea Nötzli)

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«Tragisch ist wenn Jugendliche in der zweijährigen Anlehre intellektuell nicht mithalten können und zwischen die Stühle fallen», sagt Hans-Jörg Haller, Sprecher von der EVP und CVP. Deshalb sei es sehr wichtig, auch diesen Jugendlichen einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Und Haller war im Grossen Rat Thurgau nicht alleine mit dieser Meinung. Denn: Der Rat machte den Weg frei für eine einfache Ausbildung. 

Alle Fraktionen befürworteten das neue Ausbildungsangebot. Die Idee basiert auf einer SP-Motion, die das Kantonsparlament vor zwei Jahren guthiess. Eine erste Vorlage der Regierung hatte das Parlament zurückgewiesen, weil das Modell als zu starr bewertet wurde.

RADIO TOP war im Grossen Rat Thurgau dabei:


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Die Arbeitswelt sei im Umbruch, die intellektuellen und psychischen Anforderungen an Angestellte seien stark gestiegen. Menschen mit Beeinträchtigungen, die praktisch begabt, schulisch jedoch schwach seien, fielen seit der Streichung der eidgenössischen Anlehre durch die Maschen, waren sich die Befürworter einig.

Der Kanton Thurgau plant deshalb ein eigenes, niederschwelliges Ausbildungsangebot für Jugendliche, die die schulischen Anforderungen für eine Eidgenössische Berufsattest Ausbildung (EBA) nicht erfüllen, deren Intelligenzquotient (IQ) aber über der von der Invalidenversicherung (IV) festgelegten Schwelle von 70 Punkten liegt.

TELE TOP-Beitrag zum Thema:

Ziel ist, die jungen Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, damit sie nicht von der Invalidenversicherung (IV) oder der Sozialhilfe abhängig werden.

Das neue Angebot sei für arbeits- und ausbildungswillige Jugendliche mit Defiziten gedacht, nicht für auffällige Jugendliche, die platziert werden müssten, sagte Erziehungsdirektorin Monika Knill (SVP).

Der Kanton rechne mit 20 Jugendlichen und Kosten von rund 128'000 Franken pro Jahr. Das Angebot werde gestoppt, sobald der Bund eine Lösung präsentiere, um die bestehende Ausbildungslücke zu schliessen, sagte die Regierungsrätin.