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BAG zeigt sich bezüglich Corona-Fallzahlen vorsichtig optimistisch

Experten des BAG informierten an einer Medienkonferenz am Dienstag zur Lage in der Schweiz. Thematisiert wurden jedoch nicht nur die aktuellen Corona-Fallzahlen, sondern beispielsweise auch die Maskenpflicht bei Menschen mit Behinderung.

10.11.2020 / 13:06 / von: sda/asl
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Experten informieren zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie. (Screenshot: youtube.com/Der Schweizerische Bundesrat)

Experten informieren zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie. (Screenshot: youtube.com/Der Schweizerische Bundesrat)

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5'980 Coronavirus-Ansteckungen hat das Bundesamt für Gesundheit BAG am Dienstag vermeldet, leicht weniger als vor einer Woche. Es spricht von einer Verlangsamung des Anstiegs der Fallzahlen. Das sei kein Anlass für eine Entwarnung, aber für vorsichtigen Optimismus.

Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten beim BAG, sagte am Dienstag vor den Medien: «Die Signale zeigen in die richtige Richtung, wir müssen aber die Fallzahlen noch deutlich senken, um die Spitäler zu entlasten.» Es gebe noch immer viele Spital-Einweisungen, die Lage bleibe besorgniserregend bezüglich der Auslastung des Gesundheitssystems.

Man sehe aber eine Verlangsamung des Anstiegs der Fallzahlen. Die Tendenz zur Abflachung zeige sich im ganzen Land, auch in der besonders betroffenen Westschweiz. Auch bei den Spital-Einweisungen sei eine leichte Abschwächung zu erkennen. Die Reproduktionsrate liege so tief wie seit Monaten nicht mehr, nämlich bei 1,05. Das heisst 20 Infizierte stecken 21 Personen an.

Zahlen nach wie vor sehr, sehr hoch

Es gebe aber noch keine Entwarnung, betonte Kuster. Es sei zu früh, um zu beurteilen, ob die Massnahmen des Bundesrates von Ende Oktober dauerhaft griffen. Die Schweizer Zahlen seien im internationalen Vergleich «nach wie vor sehr, sehr hoch».

Bei aller Besorgnis um eine Überlastung der Spitäler: Zurzeit sind noch genügend freie Spitalbetten vorhanden, wie Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst, an der Medienkonferenz sagte.

Stand Dienstagvormittag seien auf den Akutstationen 6'637 freie Betten gewesen und auf den Intensivstationen 328 Betten. Auf den Intensivstationen betrage der Anteil der Covid-19-Patienten knapp 60 Prozent.

Das Universitätsspital Zürich hat festgestellt, dass die Mortalität, die Anzahl der Todesfälle, bei den Covid-19-Patienten deutlich tiefer ist als im Frühling. Derzeit liege sie unter 10 Prozent, hiess es am Dienstag. Ein Grund sei wohl der höhere Anteil jüngerer Patienten als im Frühling.

Beispielloses Tempo

Der Corona-Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer weckt in einer düsteren Zeit grosse Hoffnungen. Das solle die Schweiz aber nicht sorglos machen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie, erklärte Samia Hurst, die Vizepräsidentin der wissenschaftlichen Task Force, am Dienstag vor den Medien in Bern.

Das Tempo bei der Entwicklung des Impfstoffes sei beispiellos, sagte die Genfer Medizinerin und Ethikerin. Vorsicht sei aber ein Gebot der Stunde. Die klinischen Daten aus den Studien für den Impfstoff seien noch nicht veröffentlicht worden. Diese Daten müsse man vor einer Zulassung prüfen. Die wissenschaftliche Task Force werde sich die Sache anschauen.

Masken besonders für Menschen mit Behinderung schwieriges Thema

Das Maskentragen stellt für Menschen mit Behinderung eine besondere Einschränkung dar. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB appelliert daran, dass Menschen mit Behinderungen vor Benachteiligungen geschützt und das nötige Verständnis aufgebracht wird.

Es komme immer wieder vor, dass Menschen mit Behinderungen aus einem Restaurant, Laden, einer Universität oder Schule verwiesen werden, wenn sie keine Maske tragen - trotz ärztlicher Bescheinigung, welche die Person von der Maskentragpflicht befreit. Das sagte Urs Germann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des EBGB am Dienstag am Point de Presse der Fachbehörden vor den Medien in Bern.

Es gebe Menschen, die keine Maske tragen könnten, sagte Germann. Die Gründe seien vielfältig und oft nicht auf den ersten Blick sichtbar. Einige könnten aus motorischen Gründen keine Maske anziehen; Menschen mit Autismus könnten in Panik geraten; Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz verstünden nicht, wieso sie eine Maske tragen müssen.

Auch für Menschen mit Hörbehinderung stelle die Maskentragpflicht ein Problem dar, wenn sie nicht mehr Lippenlesen könnte. Das könne zu Missverständnisse und Problemen führen. «Ein Lösungsansatz wären transparente Masken», sagte Germann. Im Moment sei es aber nicht möglich, genügend solche Masken zu beschaffen.

«Um so wichtiger ist gegenseitiges Verständnis», sagte Germann. Wenn der Abstand eingehalten werde, könnten die Menschen vis-à-vis die Masken abziehen. Die hörbehinderte Person könne die Maske anbehalten und das Gegenüber schützen.

Im öffentlichen Verkehr habe sich das bereits bewährt. Dies könne auch in der Schule, in Restaurants oder in Läden angewandt werden. «Das Tragen von Gesichtsmasken ist für niemanden angenehm», sagte Germann. Für die genannten Personen werde das Leben aber massiv eingeschränkt. Dafür brauche es das Verständnis von allen.

Am Arbeitsplatz sind alle zur Befolgung der Massnahmen verpflichtet

Am Arbeitsplatz sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermassen verpflichtet, sich strikt an die Schutzmassnahmen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie zu halten. Daran erinnerte Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit im Seco am Dienstag vor den Bundeshausmedien.

Nicht nur das Arbeitsgesetz sondern auch das Epidemiegesetz verpflichte jeden und jede am Arbeitsplatz, sich an die Regeln zu halten. Arbeitgeber müssten Homeoffice ermöglichen. Die Arbeit zuhause verhindere schon einmal Ansteckungen auf dem Arbeitsweg und bei der Arbeit.

Wo Homeoffice nicht möglich ist, müssten die notwendigen Massnahmen wie Trennwände, Maskentragen im Inneren, Lüften, Desinfizieren und die Hygieneregeln eingehalten werden. Zürcher verwies dazu auf ein einschlägiges Merkblatt.

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