Pull down to refresh...
zurück

Bund warnt vor neuerlichen Belastung der Spitäler

Am Mittwoch informierten Expertinnen und Experten vom Bund über die aktuelle Corona-Lage in der Schweiz. Thema dabei waren die Impfungen, die aktuellen Fallzahlen und auch die ab Mittwoch erhältlichen Selbsttests.

07.04.2021 / 14:41 / von: sda/asl
Seite drucken Kommentare
0
Am Mittwoch informierten Expertinnen und Experten von Bund und BAG über die Corona-Situation in der Schweiz. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Am Mittwoch informierten Expertinnen und Experten von Bund und BAG über die Corona-Situation in der Schweiz. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

Weil sich der ansteigende Trend bei den Corona-Fallzahlen fortsetzt, warnt der Bund vor einer neuerlichen Belastung der Spitäler. Insbesondere die noch nicht durchgeimpfte Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen bereite den Behörden Sorgen. Das sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Es gebe «noch keinen statistisch signifikanten Impfeffekt auf die Belastung der Intensivbetten». Umso wichtiger sei es nun, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden.

Zwar stiegen die Fallzahlen nicht so stark, wie es der R-Wert in den vergangenen Wochen habe erwarten lassen, sagte Mathys. Bei den Spitaleinweisungen und den Todesfällen gebe es aber einen «leicht zunehmenden Trend». 20 Prozent der Intensivpflegebetten seien derzeit von Covid-19-Patienten belegt. Das sei deutlich mehr als noch vor wenigen Wochen. Zudem habe das Durchschnittsalter der Patienten abgenommen.

Generell gelte es aber, die aktuellen Zahlen mit Vorsicht zu geniessen, hielt Mathys fest. Aufgrund des zurückliegenden Osterwochenendes würden erst gegen Ende Woche belastbarere Zahlen vorliegen. Klar sei jedoch, dass die Virusvariante aus Grossbritannien inzwischen über 90 Prozent der Fälle in der Schweiz ausmache.

Auf eine Journalistenfrage, ob eine dritte Welle die Spitäler an die Grenzen bringen würde, sagte Mathys, die Betten seien nicht das Problem. Das Problem sei das Personal in den Spitälern. Sollte es zu einer starken Zunahme der Fälle kommen, werde das Gesundheitspersonal wohl erneut überlastet sein.

Die Intensivstationen seien immer noch stark ausgelastet, namentlich auch, weil fast 20'000 verschobene Eingriffe nachgeholt würden, sagte Mathys.

Keine weitere Lieferverzögerungen bei Impfstoffen erwartet

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht davon aus, dass die Schweiz die restlichen Impfstoffe termingerecht erhalten wird. Es rechnet nicht mit weiteren Verzögerungen wie in anderen Ländern. Dies sagte Patrick Mathys am Mittwoch vor den Medien. Wann der Astrazeneca-Impfstoff in der Schweiz zugelassen werde, sei noch unklar. Das Heilmittelinstitut Swissmedic sei unabhängig und werde den Entscheid alleine fällen.

Auf die Frage, wann die Herdenimmunität in der Schweiz erreicht sein werde, antwortete Mathys, dass eine solche die Voraussetzung für die Normalisierung des Lebens sei. Er gehe davon aus, dass es mit den Corona-Mutanten schwieriger werde, eine Herdenimmunität zu erreichen.

Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes, ergänzte: «Je näher wir bei der Herdenimmunität sind, desto weniger Leute werden sich mit dem Virus anstecken.»

Entscheid über technische Lösung für Impf-Zertifikat in 14 Tagen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will in den nächsten zwei Wochen den Entscheid fällen, welche technische Lösung für die Umsetzung des Covid-Zertifikats zur Anwendung gelangen soll. Bis im Sommer will der Bund ein international anerkanntes Impf-Zertifikat zur Verfügung stellen.

Man sei derzeit mit verschiedenen Produkteanbietern in der Evaluationsphase für eine technische Lösung, sagte Patrick Mathys. Der Entscheid werde voraussichtlich in den kommenden zwei Wochen fallen.

Bis es soweit sei, bleibe eine Impfbestätigung gültig, die jede Impfstelle ausstelle. Zum Teil würden die Impfungen ins bestehende Impfbüchlein eingetragen, bis das Impfzertifikat verfügbar sei.

Von den über 75-jährigen Personen in der Schweiz sind laut Mathys rund die Hälfte vollständig geschützt, bei den über 65-Jährigen schätzungsweise rund ein Drittel.

Selbsttest befreit nicht von Quarantäne

Im Bezug auf die am Mittwoch angelaufene Abgabe von Gratisselbsttests in den Apotheken sagte Mathys, vor Treffen mit Freunden oder wenn man an eine Sitzung müsse, sei ein Schnelltest sinnvoll, allerdings nur, wenn man keine Symptome aufweise. Nicht empfohlen seien Schnelltests vor Kontakten mit Risikopersonen, etwa den Grosseltern, wenn sie Vorerkrankungen haben.

Selbsttests können nicht beigezogen werden, um von einer Quarantäne oder einer Isolation entbunden zu werden. Dies betonte am Mittwoch Linda Nartey, Berner Kantonsärztin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, in Bern vor den Medien.

Ackermann: «Die Ziellinie ist nahe»

Laut Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes, lohnt es sich, die Fallzahlen bis zum Ende der Impfkampagne tief zu halten. «Die Ziellinie ist nahe.» Es lohne sich, in den nächsten drei Monaten noch einmal einen Effort zu leisten.

«Es gibt viele Gründe, noch etwas durchzuhalten», sagte Ackermann am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Studien zeigten, dass sich die Situation deutlich und spürbar entspanne, sobald rund die Hälfte der Menschen einer Bevölkerungsgruppe geimpft sei.

Bis alle geimpft seien, die dies wollen, gelte es, die Fallzahlen unter Kontrolle zu halten, sagte Ackermann. Damit seien zahlreiche Vorteile verbunden - wie etwa die Entlastung des medizinischen Personals oder die Sicherstellung einer lückenlosen Kontaktverfolgung.

«Tiefere Fallzahlen reduzieren auch die wirtschaftlichen Risiken, weil sonst drastische Massnahmen notwendig würden», sagte Ackermann. Aus Sicht der Experten der Taskforce sei deshalb klar: Eine erfolgreiche und fortlaufende Eindämmung des Virus sei besonders lohnenswert.

Zudem ist es laut Ackermann wichtig, dass der Bund verschiedene Datenlücken schliesse. So sollte etwa klar werden, wie viele Personen trotz Impfung positiv getestet würden, und wie viele Personen von welcher Altersgruppe genau geimpft seien.

Beitrag erfassen

Keine Kommentare