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Bundesrat wagt grossen Öffnungsschritt - Restaurants können Terrassen öffnen

Der Bundesrat folgt dem Ruf grosser Teile der Wirtschaft und der Mehrheit im Parlament und wagt den nächsten Öffnungsschritt - trotz «fragiler Situation», wie er selbst schreibt. Am Montag können etwa Restaurantterrassen, Kinos und Fitnesszentren wieder öffnen. Verfolge die Medienkonferenz hier live.

14.04.2021 / 16:30 / von: sda/asl
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Der Bundesrat hat entschieden, die Restaurantterrassen trotz fragiler Corona-Lage wieder zu öffnen. (Archivbild von vergangenem Sommer: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Der Bundesrat hat entschieden, die Restaurantterrassen trotz fragiler Corona-Lage wieder zu öffnen. (Archivbild von vergangenem Sommer: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

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Der Bundesrat hat am Mittwoch den zweiten Corona-Öffnungsschritt beschlossen. Ab Montag, 19. April, sind verschiedene zurzeit verbotene Aktivitäten wieder erlaubt - mit Einschränkungen bei der Teilnehmerzahl und Regeln wie Abstandhalten und Maskentragen.

Ein Überblick:

- Restaurants können ihre Terrassen wieder öffnen. Es gilt eine Sitzpflicht. Die Maske darf nur während der Konsumation abgelegt werden. Pro Tisch sind maximal vier Personen erlaubt, von allen müssen die Kontaktdaten erhoben werden.

Öffentlich zugängliche Freizeit- und Unterhaltungsbetriebe können wieder öffnen. Zoos und botanische Gärten sind wieder vollständig zugänglich. In Innenräumen muss eine Maske getragen und der erforderliche Abstand eingehalten werden.

- Veranstaltungen mit Publikum sind wieder möglich. Die maximale Anzahl Besucherinnen und Besucher ist beschränkt auf hundert Personen draussen und fünfzig Personen drinnen. Zusätzlich gilt eine Beschränkung auf maximal ein Drittel der Kapazität des Veranstaltungsorts. Es gilt eine Sitzpflicht und die Maske muss immer getragen und der Abstand eingehalten werden. Konsumation ist verboten und von Pausen ist abzusehen.

- Veranstaltungen mit bis zu 15 Personen sind wieder erlaubt. Dies betrifft beispielsweise Führungen in Museen, Treffen von Vereinsmitgliedern oder andere Veranstaltungen im Unterhaltungs- und Freizeitbereich. Auch hier gilt Masken- und Abstandspflicht. Zudem sind Gruppenaktivitäten mit bis zu 15 Personen wieder möglich. Draussen muss dabei entweder eine Maske getragen oder der erforderliche Abstand von anderthalb Metern eingehalten werden. In Innenräumen muss grundsätzlich sowohl die Maske getragen als auch der Abstand eingehalten werden. Es sind jedoch Ausnahmeregelungen vorgesehen für Aktivitäten, bei welchen keine Maske getragen werden kann, etwa beim Ausdauertraining in Fitnesszentren oder beim Singen im Chor. Sportarten mit Körperkontakt sind in Innenräumen weiterhin nicht erlaubt, im Aussenbereich weiterhin nur, wenn eine Maske getragen wird. Auch Wettkämpfe sind unter diesen Voraussetzungen wieder erlaubt.

- Präsenzunterricht ausserhalb der obligatorischen Schule eingeschränkt wieder möglich: Es gilt eine Beschränkung auf maximal fünfzig Personen und eine Kapazitätsbegrenzung auf ein Drittel der Räumlichkeit, ebenso Masken- und Abstandspflicht.

RADIO TOP hat die Gründe für den Öffnungsschritt zusammengefasst:

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Bis auf weiteres geschlossen bleiben müssen die Innenbereiche von Restaurants, Wellnessanlagen und Freizeitbädern sowie Diskotheken und Tanzlokale. Sportarten mit Körperkontakt sind in Innenräumen weiterhin nicht erlaubt. Auch die Homeoffice-Pflicht hat der Bundesrat vorderhand belassen.

Berset warnt vor Falschinterpretation

«Wir können ein gewisses Risiko in Kauf nehmen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern. Vor einem Monat hatte der Bundesrat noch auf einen solchen Schritt verzichtet, obwohl die Mehrheit der Kantone schon damals dafür votierte.

«Nun sind wir einen Monat weiter», sagte Berset. Es könnten mehr Tätigkeiten im Freien stattfinden, die Impfung zeige positive Wirkungen, ältere Menschen würden sich weniger anstecken und würden weniger häufig und schwer krank. Zudem sei die Lage in den Spitälern und den Intensivstationen relativ stabil und es gebe keine massive Zunahme bei den Fallzahlen.

Berset warnte jedoch eindringlich vor einer Falschinterpretation der Öffnungsschritte. Den Schlendrian vertrage es nach wie vor nicht. Wenn die Menschen jetzt die Zügel fahren liessen, werde es nicht gut gehen. Wenn jedoch sämtliche Schutzmassnahmen und -konzepte konsequent umgesetzt würden, sei es möglich, trotz steigenden Fallzahlen Öffnungen vorzusehen. Das biete den Menschen auch eine Perspektive, vor allem den Jungen.

«Stabiler Ausstieg aus der Krise»

Wichtigstes Ziel für alle Beschlüsse des Bundesrates sei der «stabile Ausstieg aus der Krise», um einen Jojo-Effekt zu verhindern. Der Bundesrat wolle die Krise nicht verlängern, nach 14 Monaten seien bei vielen Menschen gewisse Grenzen erreicht. Aber ohne die strikte Einhaltung der Schutzmassnahmen und Schutzkonzepte gehe es weiterhin nicht.

Ein Datum für mögliche weitere Öffnungsschritte nannte Berset nicht. Der Bundesrat wolle zuerst drei oder vier Wochen warten und beobachten, welchen Effekt die nun angekündigten Lockerungen zeitigten. Dann könne man die nächste Etappe ins Auge fassen.

Die weitere Zukunft betreffend meinte Berset, bevor nicht allen, die wollten, eine Impfung angeboten werden könne, sei es schwierig, alle Massnahmen aufzuheben. Maskenpflicht und Handhygiene könnten noch länger nötig sein. Aber harte Restriktionen wären laut Berset auf jeden Fall nicht mehr zu rechtfertigen.

Von «zu langsam» über «vernünftig» bis «unverantwortlich» reichten die Reaktionen der grossen Parteien auf die Entscheide des Bundesrates vom Mittwoch. Auch die Verbände sind nicht alle der gleichen Meinung. Die meisten fordern jedoch mehr Tempo beim Impfen.

Effort bei Medikamentenherstellung

Der Bundesrat gab am Mittwoch weiter bekannt, dass er von der Verwaltung prüfen lässt, in welcher Form der Bund die Herstellung und Entwicklung von Covid-19-relevanten Arzneimitteln und Impfstoffen stärken kann. Für die vorläufige Kostenübernahme für vielversprechende Präparate sie etwa sogenannten Monoklonalen Antikörper-Kombinationstherapien hat die Landesregierung 100 Millionen Franken freigeben.

Angepasst hat der Bund seine Empfehlungen für die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna. Covid-Erkrankte sollen demnach grundsätzlich nur noch mit einer Dosis geimpft werden, und dies erst sechs Monate nach einer Infektion.

Am Tag des zweiten grossen Öffnungsschrittes meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 2'601 Neuansteckungen innerhalb von 24 Stunden, dazu 89 neue Spitaleinweisungen und 14 neue Todesfälle. Die Inzidenz pro 100'000 Einwohner lag in den letzten zwei Wochen knapp über 300 Fällen.

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