Pull down to refresh...
zurück

Erneut Rekordzahl beim Menschenhandel in der Schweiz

2020 zählte die Fachstelle Frauenhandel und Migration (FIZ) zum ersten Mal mehr als 300 Fälle in einem Jahr. Die Mehrheit der Betroffenen ist weiblich aber auch trans Menschen und männliche Opfer wurden unterstützt.

17.05.2021 / 11:28 / von: sda/kpa
Seite drucken Kommentare
0
2020 zählte die Fachstelle Frauenhandel und Migration (FIZ) zum ersten Mal mehr als 300 Fälle in einem Jahr. (Symbolbild: Keystone/AP Photo/Salvatore Cavalli)

2020 zählte die Fachstelle Frauenhandel und Migration (FIZ) zum ersten Mal mehr als 300 Fälle in einem Jahr. (Symbolbild: Keystone/AP Photo/Salvatore Cavalli)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

So viele Fälle von Menschenhandel gab es noch nie in der Schweiz. Die Opfer stammten aus mehr als 60 verschiedenen Ländern, wie die FIZ in ihrem am Montag veröffentlichten Jahresbericht schreibt. Die Fachstelle führt zwei Angebote: das spezialisierte Opferschutzprogramm für Betroffene von Menschenhandel und die Beratung für Migrantinnen. Insgesamt unterstützte die Fachstelle im vergangenen Jahr mehr als 1000 Menschen.

Viele Betroffene wurden im Pandemiejahr durch die soziale Isolation, den Wegfall von Deutschkursen und Arbeitsmöglichkeiten sowie den Mangel an Tagesstrukturen verunsichert. Die notwendige psychosoziale Unterstützung und die psychologische Begleitung nahmen daher deutlich zu, wie es im Jahresbericht heisst. Der Bedarf an Unterstützung für asylsuchende Opfer war 2020 besonders gross, da die meisten anderen Angebote wegfielen.

Wegen der Coronapandemie erhöhte die FIZ die Bettenzahl in den Schutzunterkünften und organisierte zusätzliche Unterbringungen, um Ansteckungen zu verhindern. Die Aufnahme ist an 365 Tagen im Jahr möglich. Eine der Unterkünfte bietet eine sehr engmaschige Betreuung für Betroffene in einer akuten Krise, in anderen gibt es begleitetes Wohnen für bereits stabilisierte Personen.

Kein Geld für Essen und Miete

Auch für die Klientinnen der Beratungsstelle für Migrantinnen bedeutete die Coronapandemie eine grosse Verunsicherung. So explodierte ihre Zahl geradezu von 377 im Vorjahr auf 705. Fast 60 Prozent davon waren Sexarbeiterinnen, meist aus Lateinamerika oder Osteuropa.

Durch die Coronapandemie standen die meisten über Nacht ohne Einkünfte da und konnten ihre Krankenkassenbeiträge, die Miete oder Lebensmittel nicht mehr bezahlen. Als erste Massnahme zahlte die FIZ im April niederschwellig Nothilfe aus. Ab Mai wurden die Zahlungen in eine Beratung eingebunden.

Beitrag erfassen

Keine Kommentare