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Covid-Impfung für Schwangere - Keine dritte Impfung für alle

Der Bund empfiehlt Schwangeren ab der zwölften Woche, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Vorteile überwiegen gemäss den BAG-Experten die Risiken einer Erkrankung bei weitem. Eine dritte Impfdosis gibt es ausser für Immunsupprimierte etwa nach einer Organtransplantation vorerst nicht.

14.09.2021 / 15:41 / von: mle/sda
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(Archivbild: KEYSTONE/CHRISTIAN MERZ)

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Die Impfempfehlung gilt auch für Stillende, wie Christoph Berger, der Präsident der Eidgenössische Kommission für Impffragen (Ekif) am Dienstag vor den Bundeshausmedien sagte. Zudem sollten sich auch Frauen, die eine Schwangerschaft planen, impfen lassen.

Eine steigende Anzahl von Daten zeige, dass die Vorteile der Impfung für Schwangere die Risiken einer Erkrankung überwiegen würden, begründete Berger den Entscheid. Schwangere haben seinen Angaben zufolge ein erhöhtes Risiko, mit einer Covid-19-Erkrankung im Spital und sogar auf der Intensivstation zu landen. Auch bestehe die Gefahr einer Fehlgeburt.

Dass die Impfempfehlung ab der zwölften Schwangerschaftswoche gilt, begründete Berger mit der Unreife des Embryos. Es gebe bis zu diesem Zeitpunkt ungeachtet einer Impfung oder nicht noch viele Fehlbildungen und Aborte. Man wolle keine Koinzidenz schaffen.

Keine Auffrischungsimpfung

Eine Auffrischungsimpfung gibt es in der Schweiz mit Ausnahmen vorerst nicht, wie Berger weiter erklärte. Der Impfschutz reiche gegen einen schweren Krankheitsverlauf. Die Antikörper in den Schleimhäuten würden zwar im zeitlichen Verlauf abnehmen. Eine leichtere Infektion sei so möglich.

In den tieferen Körperzellen wie etwa in der Lunge wehre das Immungedächtnis Coronaviren aber weiterhin ab und verhindere schwere Infektionen. Wenn die Impfung nicht mehr ausreichend wirken würde, könnte man immer noch mit einer dritten Dosis reagieren.

Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte (VKS), erklärte, die Kontaktverfolgung der Kantone stosse derzeit an ihre Grenzen. Die Lage sei noch nicht unter Kontrolle.

Zur Situation in den Schulen sagte Hauri, dass auch dort nicht jede Ansteckung verhindert werden könne. «Ziel ist es, eine zügellose Virusverbreitung zu verhindern.» Dazu dienten etwa repetitive Reihentests, die Maskentragpflicht und regelmässiges Lüften.

Die Genfer Virologin Isabelle Eckerle kritisierte in den Zeitungen von Tamedia die Kantone wegen den Schulen heftig. Sie erinnerte daran, dass zwei bis 14 Prozent der Kinder Long Covid davon tragen könnten. Hinzu komme die Immunüberreaktion Pims.

Höhere Durchimpfung nötig

Bevor die Schweiz über eine Aufhebung der Corona-Schutzmassnahmen wie in Dänemark überhaupt reden kann, muss die Durchimpfungsrate steigen, sagte Patrick Mathys, der Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Insbesondere Jüngere müssten sich nun impfen lassen.

Sie hätten lange verzichten und auf eine Impfung - auf ihren Schutz - warten müssten. Jetzt könnten und sollten sie sich impfen lassen. Unter den Jungen kursiere das Virus derzeit stark.

Aktuell sind nach BAG-Angaben 27 Prozent der 12- bis 19-Jährigen vollständig geimpft, 40,6 Prozent einmal. Bei den jungen Erwachsenen von 20 bis 29 sind 46 Prozent voll geimpft, 56 Prozent einmal.

Mit unterhaltsamen Video auf sozialen Medien macht das BAG seit Dienstag bei der Jugend für das Impfen mobil. Die selbstironischen Clips, bei denen einiges schief läuft, sollen jungen Menschen die Ängste vor der Impfung nehmen.

Verhandlungen für Vektorimpfstoff

Der Bund intensiviert seine Verhandlungen für den Kauf des Vektorimpfstoffs des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson (Janssen). Er soll bei Personen eingesetzt werden, die aus medizinischen Gründen nicht mit den bisher verabreichten mRNA-Impfstoffen geimpft werden können.

Das BAG bestätigte die Verhandlungen, nachdem das Newsportal blick.ch über einen Kauf berichtet hatte. Das Heilmittelinstitut Swissmedic liess die Impfung im März zu. Sie wurde mangels Vertrag aber nicht verabreicht.

Angespannte Lage

Die epidemiologische Situation bleibt gemäss dem BAG «bis zu einem gewissen Grad besorgniserregend». Weiterhin «sehr angespannt» ist die Lage auf den Intensivstationen.

Am meisten von neuen Corona-Ansteckungen betroffen sind die 0- bis 39-Jährigen. Sie machen demnach rund drei Viertel der Ansteckungen aus. Insbesondere bei den 0- bis 9-Jährigen zirkuliert derzeit das Virus.

Am Dienstag wurden dem BAG in der Schweiz und in Liechtenstein innerhalb von 24 Stunden 1992 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Gleichzeitig registrierte das Amt elf neue Todesfälle und 65 Spitaleinweisungen.

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