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Von «ungenügend» bis «vernünftig»: Reaktionen auf Lockerungsplan des Bundesrats

Der Bundesrat hält an seinem zögerlichen Lockerungsplan fest: Am 1. März öffnen vorerst nur Museen, Läden und Outdoor-Sportanlagen. Gastronomen müssen sich gedulden Das kommt nicht überall gut an.

25.02.2021 / 06:32 / von: sfa/sda
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Jogging bleibt hoch im Kurs - denn die meisten Sportanlagen bleiben noch geschlossen. (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

Jogging bleibt hoch im Kurs - denn die meisten Sportanlagen bleiben noch geschlossen. (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

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Der Bundesrat hat am Mittwoch seinen

definitiven Lockerungsfahrplan

festgelegt: Per 1. März dürfen Einkaufsläden, Museen, die Aussenanlagen von Zoos und botanischen Gärten sowie Sportanlagen im Freien (etwa Fussballplätze) wieder öffnen. Ausserdem sind draussen spontane Treffen mit bis zu 15 Personen erlaubt, drinnen bleibt die Obergrenze von fünf bestehen. Gastronomen hingegen müssen sich weiter gedulden. Allerdings will der Bundesrat eine Öffnung der Aussenterrassen bereits per 22. März, statt wie ursprünglich angekündigt per 1. April, prüfen.

Vielen geht das weiterhin zu langsam. Gastrosuisse, der Verband für Hotellerie und Restauration, hält den Bundesratsentscheid für «nicht nachvollziehbar». Auch vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und vom Gewerbeverband gibt es die Note «ungenügend». Letzterer unterstrich seine Forderung nach einem sofortigen Ende des Shutdown. Economiesuisse hätte sich ausserdem gewünscht, dass die Homeoffice-Pflicht in eine Homeoffice-Empfehlung abgeschwächt werde, um den Leuten eine Perspektive zu geben.

«Der Bundesrat hat kein klares Konzept»

Ins gleiche Horn stossen SVP und FDP. Sie wollen Öffnungsdaten für Gastronomiebetriebe, Kultur- und Freizeitstätten am 22. März im Covid-19-Gesetz festschreiben. Das Parlament berät das Gesetz in der Frühlingssession. Der Ausserrhoder FDP-Ständerat Andrea Caroni kann die Unterscheidung zwischen Indoor- und Outdoor-Sportanlagen nicht nachvollziehen, wie er gegenüber RADIO TOP sagt: «Klar kann man draussen noch schneller lockern als drinnen – aber das bedeutet nicht, dass man drinnen so streng sein muss. Man stelle sich einmal eine Tennis- oder Badminton-Halle vor – warum sollten diese nicht wiedereröffnet werden? Gleiches gilt auch für ein Fitnesszentrum mit gutem Schutzkonzept.»

Ähnlich klingt es beim Verband der Schweizer Fitness- und Gesundheitszentren. Dessen Präsident Claude Ammann sagt gegenüber RADIO TOP: «Es ist einmal mehr enttäuschend. Die Jungen werden hervorgehoben, dabei könnten sich diese ja schon heute auf dem Vitaparcours bewegen. Man vergisst dabei die Menschen mittleren Alters sowie die Senioren, welche unbedingt ein gesundheits-orientiertes Krafttraining bräuchten. Der Bundesrat hat kein klares Konzept.»

Ammann spielt mit seinen Äusserungen darauf an, dass ab de 1. März für junge Leute bis Jahrgang 2001 besondere Lockerungen gelten. Sie dürfen sich wieder in grösseren Gruppen zum Sport treffen und dabei auch Wettkämpfe durchführen – das bleibt für Erwachsene verboten.

SP, Grüne, GLP und Die Mitte hingegen begrüssen dagegen den «vernünftigen Kurs» des Bundesrats. Die Situation sei noch nicht so gut, als dass schnellere Öffnungen angezeigt wären. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete am Mittwoch 1343 neue Coronavirus-Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden, mehr als in den Tagen davor.

GLP-Präsident Jürg Grossen etwa lobt, dass immerhin Outdoor-Sport wieder erweitert möglich sei: «Die Leute haben den Corona-Blues. Sie brauchen Bewegung, frische Luft, Spiel und Spass. Das muss aber im geordneten Rahmen sein, wie es der Bundesrat angeordnet hat. Ich finde es gut, dass insbesondere die Jungen wieder mehr Möglichkeiten erhalten.»

SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer lobt, dass die Lockerung nicht überstürzt werde: «Der Bundesrat geht vorsichtig und Schritt für Schritt voran. Im 4-Wochen-Rhythmus sieht man auch tatsächlich, ob die Lockerungen möglich sind, ohne, dass die Fallzahlen steigen. Das macht Sinn.»

Zusammenhalt notwendig

Nicht ein geteiltes Land, sondern ein geeintes Land werde diese Epidemie letztlich überwinden, sagte Bundespräsident Guy Parmelin mit Blick auf die unterschiedlichen Meinungen in der Bevölkerung. Der Bundesrat erwarte, dass die Massnahmen weiter von allen eingehalten und umgesetzt würden.

«Wir sind auch sehr müde in dieser Situation. Wir können auch nicht mehr», hielt Berset gegen Ende der Medienkonferenz des Bundesrats fest. Man befinde sich aber noch mitten in der Krise. Es brauche weiterhin die Disziplin von allen.

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