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Türstehermord: Prozess wird auf kommende Woche vertagt

Am Bezirksgericht Zürich hat der Prozess des «Türstehermordes» begonnen. Die Verteidiger des Hauptbeschuldigten beantragten eine ganze Reihe Beweisergänzungen. Um die Anträge zu beraten, unterbrach das Gericht die Verhandlung für eine Woche.

15.01.2020 / 15:32 / von: mco/nst/sda
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Die Privatklägerschaft wirft der Verteidigung Verzögerungstaktik vor. (Screenshot: TELE TOP)

Die Privatklägerschaft wirft der Verteidigung Verzögerungstaktik vor. (Screenshot: TELE TOP)

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Der Prozess um den «Türstehermord» ist um eine Woche verschoben worden. Kommenden Mittwoch werde er die Ergebnisse der Beratungen bekanntgeben, sagte der Gerichtsvorsitzende. Folge das Gericht den Anträgen, so werde der Prozess abgebrochen, bis die offenen Fragen geklärt seien. Weise es die Anträge ab, so könne die Verhandlung weitergehen. Diese ist zurzeit auf vier Tage angelegt - ob diese Zeit ausreicht, ist noch unklar.

Jahrelange Feindschaft

Bei dem Prozess geht es um Vorfälle vom 1. März 2015. In den frühen Morgenstunden trafen sich in Zürich-Affoltern zwei seit Jahren verfeindete Männer - der Hauptbeschuldigte und das damalige Opfer -, um ihren Konflikt zu klären. Begleitet wurden sie von zwei beziehungsweise drei Kollegen.

Es kam zum Handgemenge, dann feuerte einer der jetzt Mitbeschuldigten einen Schuss in die Luft ab, worauf die gegnerische Gruppe davonrannte. Daraufhin griff sich laut Anklage der Hauptbeschuldigte die Waffe und feuerte hinter seinen Gegnern her. Sein Feind wurde tödlich getroffen, ein neben ihm rennender Kumpel kam unverletzt davon.

Angeklagt ist der heute 36-jährige Schweizer wegen Mordes und Mordversuchs. Seine beiden Kollegen, ein 25-jähriger Türke und ein 35-jähriger Tschetschene, sind der Gehilfenschaft beschuldigte. Dazu kommen bei allen dreien noch diverse weitere Delikte. Die Strafanträge sind noch nicht bekannt.

Facebook-Posts aus der Zelle

Im Rahmen der jeweils üblichen Vorfragen und Beweisanträge wurde bekannt, dass der 36-Jährige, der im vorzeitigen Strafvollzug sitzt, aus dem Gefängnis heraus aktiv auf Facebook ist. Er habe per Handy Aufnahmen von sich gemacht, bei denen er einen Gewalt verherrlichenden Rap-Song mitsinge, erklärte der Vertreter der Opferfamilie.

Damit zeige er, dass er sich nach wie vor nicht an geltende Regeln halte. Die Vollzugsanstalt klärt ab, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Laut dem Staatsanwalt stellt das Vorgehen des Mannes «eine Verhöhnung des Gerichts und der Justizbehörden» dar.

Reihenweise Beweisanträge

Der ganze Vormittag verging mit den Ausführungen der beiden Anwälten des Hauptbeschuldigten. Dieser war mit einem amtlichen und einem erbetenen Verteidiger erschienen. Sie verlangten unter anderem eine dreidimensionale Rekonstruktion des damaligen Tatablaufs. Eine solche könnte klar machen, dass vielleicht gar nicht ihr Mandant die tödlichen Schüsse abgegeben habe.

Im weiteren müsse im konkreten Versuch getestet werden, ob der Hauptbeschuldigte unter dem Einfluss von Pfefferspray - wie er damals von beiden Gruppen versprüht wurde - überhaupt in der Lage gewesen sei, gezielte Schüsse abzugeben. Der 36-Jährige hat in der Untersuchung die Schüsse zugegeben, aber Notwehr geltend gemacht.

Faires Verfahren

Und schliesslich seien zusätzliche Personen zu befragen, namentlich die damals anwesenden Kumpels des Opfers. Nur so könne das Gericht deren Glaubwürdigkeit beurteilen.

Mit ihren Ergänzungsanträgen solle dem Hauptbeschuldigten ein faires, ausgewogenes und würdiges Verfahren ermöglicht werden, sagte der erbetene Anwalt. Dies sei ein Menschenrecht, auf das jeder Beschuldigte Anrecht habe.

Verzögerungstaktik

Laut dem Staatsanwalt bringt eine Rekonstruktion nach so langer Zeit allerdings nichts mehr. Und auch zusätzliche Zeugenbefragungen seien abzulehnen. Schon während der Untersuchungen sei es zu massiven Zeugenbeeinflussungen durch die Familie des Hauptbeschuldigten gekommen. Nun liegt der Ball beim Gericht.

Und der Vertreter der Privatklägerschaft warf der Verteidigung vor, ihre Anträge hätten alle schon früher im Verfahren gestellt werden können. Mit ihrem Vorgehen habe sie einzig Verzögerungen im Sinn. Man wolle «den Prozess platzen lassen».

Im Beitrag von RADIO TOP wird der erste Prozesstag nochmals rekapituliert:

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