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Nur wer gewinnt, hat alles richtig gemacht

Das Potential des Calcio ist so gut, dass Italien nach Rückschlägen immer an die Spitze des Weltfussballs zurückkehren kann. Roberto Mancini und seiner Spieler haben es an den 31 EM-Tagen vorgemacht.

12.07.2021 / 11:05 / von: sda
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Eine Torhüter-Parade hier, ein Pfostenschuss dort. Im Penaltyschiessen entscheiden die Nerven des Einzelkämpfers und Kleinigkeiten, auch Zentimeter, Glück und Pech. Die grausame Entscheidung lässt Freudentränen hier, Tränen der Trauer dort zurück.

Am wenigsten können die Trainer in diesen Minuten etwas beitragen. Dennoch gilt jetzt Gareth Southgate als der erneut und ewig Scheiternde, während Roberto Mancini als der Held gefeiert wird, der die Squadra Azzurra knapp vier Jahre nach dem schmählichen Scheitern in der Barrage der WM-Qualifikation zu neuem Ruhm geführt hat. Mancini hat das Palmarès mit vier WM-Titeln um den zweiten EM-Triumph angereichert. Grande Italia mehr denn je.

Alle schwärmen von vielen

Vor dem EM-Turnier hatten Italiens Spieler in allen Mannschaftsteilen nicht annähernd so wohlklingende Namen wie beispielsweise die Franzosen. Jetzt schwärmen alle von der Turnierentdeckung Leonardo Spinazzola, dessen Ausfall von Emerson aufgefangen wurde, oder von Federico Chiesa. Der Umschwärmte aus den Reihen des Champions-League-Siegers Chelsea ist nicht N'Golo Kanté, auch nicht Mason Mount, sondern eindeutig Jorginho.

Nicht jeder Trainer hätte ein fixes Innenverteidiger-Tandem mit dem Durchschnittsalter von 35 Jahren nominiert - und erst noch aus einer Mannschaft wie Juventus Turin, die eine für ihre Ansprüche enttäuschende Saison absolviert hat. Aber Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci dankten es. Auch wenn eine gute Defensive von allen Mannschaftsteilen abhängt, verrichteten die beide Alten erstklassige Arbeit. Aus den drei Gruppenspielen, unter anderem jenem gegen die Schweiz (3:0), gingen die Italiener ohne Gegentor hervor, ab den Achtelfinals traf der jeweilige Gegner einmal. Dies ergibt den Durchschnitt von 0,57 Gegentoren - eine mehr als solide Basis.

Ein Kontrapunkt des Catenaccio

Dennoch wird man "Italia Ventuno" vor allem für den Offensivfussball in Erinnerung behalten, für den Kontrapunkt des weit zurückliegenden Catenaccio, der Italiens Fussball jahrzehntelang mit Vorurteilen eingedeckt hat.

Roberto Mancini hat alles unter einen Hut gebracht. Nach dem Sieg im Penaltyschiessen ist er der Mann, der alles richtig gemacht hat. Nicht Gareth Southgate, und schon gar nicht Didier Deschamps.