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Iffland-Ring für «würdigsten» Schauspieler geht an Jens Harzer

Der Iffland-Ring gebührt dem «Würdigsten» unter den Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Der im Februar gestorbene Bruno Ganz trug ihn rund 20 Jahre. Er hat testamentarisch einen Nachfolger bestimmt.

22.03.2019 / 13:10 / von: mma/sda
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Jens Harzer ist der neue Träger des Iffland-Rings.(Bild: Wikimedia/JCS under Creative Commons)

Jens Harzer ist der neue Träger des Iffland-Rings.(Bild: Wikimedia/JCS under Creative Commons)

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Der neue Träger des höchst renommierten Iffland-Rings ist der deutsche Schauspieler Jens Harzer. Das gab Österreichs Kulturminister Gernot Blümel bekannt. Der im Februar gestorbene Schweizer Schauspieler Bruno Ganz habe den 47-Jährigen aus Wiesbaden testamentarisch zu seinem Nachfolger als «würdigstem» Schauspieler im deutschsprachigen Raum bestimmt.

Harzer bereits hoch dekoriert

Harzer sei ein Schauspieler, der durch sein facettenreiches Schaffen auffalle, meinte Blümel. Jens Harzer, am 14. März 1972 in Wiesbaden geboren, machte seine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Ab 1993 arbeitete er 16 Jahre lang in den Münchner Kammerspielen und am Bayerischen Staatsschauspiel. 2009 wurde er Ensemblemitglied am Thalia Theater Hamburg. Er war wiederholt bei den Salzburger Festspielen zu sehen, zuletzt 2018 in «Penthesilea».

Bekannt ist Harzer auch aus dem Fernsehen, wo er unter anderem im «Tatort» oder «Babylon Berlin» zu sehen war. Harzer ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und wurde zwei mal von der Zeitschrift «Theater heute» zum «Schauspieler des Jahres» gewählt. «Dieses Talent erfährt mit der Auszeichnung durch den Iffland-Ring nun eine weitere Würdigung,» so Gernot Blümel.

Erbe von Bruno Ganz

Bruno Ganz hatte gemäss der Statuten ein versiegeltes Kuvert hinterlassen, in dem die Nachfolge des Ringträgers geregelt wurde. Am Tag nach der Beisetzung, bei der Harzer einen Brief des Dramatikers Botho Strauss verlesen hatte, wurde das bei der österreichischen Bundestheaterverwaltung hinterlegte Kuvert geöffnet.

Ganz, der im Februar einer Krebserkrankung erlegen war, hatte den Ring einst vom österreichischen Schauspieler Josef Meinrad (1913-1996) erhalten. Bruno Ganz soll zunächst seinen fast gleichaltrigen Bühnenkollegen Gert Voss als Nachfolger bestimmt haben, der schon bei Meinrads Tod als Kandidat gehandelt worden war. Voss starb aber 2014.

Wer den Iffland-Ring bekommt, muss sich innerhalb von drei Monaten bereits für einen Nachfolger entscheiden und den Namen in einem versiegelten Kuvert im österreichischen Kunstministerium deponieren. Meinrad, Ringträger seit 1959, hatte seine letzte Verfügung 1984 geändert: «Mein Wunsch ist es, dass nach meinem Tode Bruno Ganz den Iffland-Ring erhält», hiess es in dem Brief ohne nähere Begründung.

Traditionell nur an Männer Die Auszeichnung wird traditionell bisher nur an Männer weitergegeben. Diesen Umstand hatte jüngst das Fachmagazin «Theater heute» kritisiert. Der Preis solle endlich auch für Frauen geöffnet werden, forderte die Redaktion. Für Schauspielerinnen gibt es den (weitaus weniger bekannten) Alma-Seidler-Ring; er wurde 1978 von der österreichischen Bundesregierung als weibliches Gegenstück zum traditionsreichen Iffland-Ring gestiftet.

Der Iffland-Ring hat eine lange Tradition: Laut Überlieferung wurde er von Goethe dem Schauspieler, Dramatiker und Theaterleiter August Wilhelm Iffland (1759-1814) übergeben und ist dem jeweils bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler weiterzugeben. Der Ring aus Eisen trägt einen grossen, blauvioletten Halbedelstein, den der Kopf des Künstlers ziert, umgeben von achtundzwanzig kleinen Diamanten.

Zum Kreis der Kandidaten waren auch Schauspieler wie Martin Wuttke, Nicholas Ofczarek, Ulrich Matthes, Klaus Maria Brandauer, Lars Eidinger, Joachim Meyerhoff und Ulrich Tukur gezählt worden.

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