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«Als würde ein Teil der Erinnerung ausgelöscht werden»

Die Notre-Dame-Kathedrale in Paris gehört zu den bedeutendsten Bauwerken Europas - kulturell, historisch und architektonisch. Für Experten ist der Brand der Notre Dame ein riesiger Verlust.

16.04.2019 / 11:54 / von: abl/sda
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Das Dach der Kathedrale wurde praktisch vollständig zerstört. (Bild: twitter.com/@Parshajyoti1)

Das Dach der Kathedrale wurde praktisch vollständig zerstört. (Bild: twitter.com/@Parshajyoti1)

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Die ganze Nacht hat die Notre-Dame-Kathedrale im Herzen von Paris gebrannt. Erst vor Kurzem kam die Entwarnung, das Feuer sei vollständig gelöscht. Das Ausmass der Zerstörung wird erst nach und nach deutlich. 

Klar ist bereits jetzt: Das Dach ist praktisch vollständig zerstört, ein Spitzturm stürzte ein. Der Sakralbau wurde ausserdem von den Flammen verwüstet. Gerade dass das Holzdach zerstört wurde, sei aus architektonischer Sicht ein Verlust, erklärt Stefan Holzer, Architekturprofessor an der ETH Zürich. «Wir sind alle geschockt. Das ist dem Laien vielleicht nicht bewusst, aber die Dachkonstruktion war original. Gerade im Dach können wir viel über die Baugeschichte herausfinden», führt Holzer aus. So könne man beispielsweise anhand der Jahrringe im Holz das Alter der Konstruktion bestimmen. Ausserdem deute die Grösse und Stabilität einer derartigen Dachkonstruktion auf grosse Bauwerkskunst hin. 

Aktuell läuft eine Analyse, um genau zu bestimmen, welche Teile der Notre Dame gerettet werden können, und welche nach wie vor einsturzgefährdet sind. Die Fassade und die Grundmauern sollten aber unversehrt geblieben sein.

Ebenfalls gerettet werden konnten Reliquien aus der Kathedrale, darunter der Dornenkranz, den Jesus Christus getragen haben soll. «Diese Reliquien sind natürlich sehr bedeutend», sagt Werner Ibig, Direktor des Klostervereins Fischingen, «aber sie alleine haben nie die Bedeutung, die das Gesamtkunstwerk hatte. Das tut wirklich weh. Es ist, als würde ein Teil der Erinnerung ausgelöscht», so Ibig im Beitrag von RADIO TOP:

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Susan Marti ist Kunsthistorikerin und Kuratorin am Bernischen Historischen Museum in Bern. Für sie hatten die Bilder vom Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris etwas Sureales und sie konnte es zuerst nicht glauben:

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Auch aus kultureller Sicht ist der Brand der Notre Dame ein schwerer Schlag. «Es ist ein Stück Identität, das verloren geht», bedauert Suzanne Mennel vom Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen. Man überlege sich, im Rahmen einer Ausstellung eine Sammlung für die Notre Dame zu starten. Denn das Schicksal der Kathedrale weise Parallelen zum Schicksal des Museums zu Allerheiligen auf. Dieses wurde vor 75 Jahren bei einem Bombenangriff auf Schaffhausen teilweise zerstört und konnte nur dank Spenden aus der Bevölkerung wieder aufgebaut werden. 

Schaffhausen könnte also möglicherweise einen kleinen Beitrag an den Wiederaufbau leisten. Zudem soll eine internationale Geberkonferenz für die Pariser Kathedrale Geld sammeln. Einen entsprechenden Vorschlag verkündete die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, über ihren Twitter-Account.

 

Je vais proposer que nous organisions dans les prochaines semaines une grande conférence internationale des donateurs, que je suis prête à accueillir à l'Hôtel de Ville, avec des mécènes du monde entier, afin de lever les fonds nécessaires à la restauration. #le79inter #NotreDame

— Anne Hidalgo (@Anne_Hidalgo) 16. April 2019

 

Sie wolle die Spenderkonferenz im Rathaus von Paris veranstalten, um die notwendigen Mittel für den Wiederaufbau der Kathedrale zusammenzubekommen. Die Region Île-de-France will zehn Millionen Euro bereitstellen.

Auch erste Grossspender haben bereits ihre Bereitschaft an der Mitfinanzierung bekräftigt. Die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault kündigte über Arnaults Luxuslabel LVMH an, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen.

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