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Der Ex-Finanzchef von Rimuss gesteht Verfehlungen

Die Anträge liegen weit auseinander: Im Fall des ehemaligen Finanzchefs der Getränkefirma Rimuss hat der Staatsanwalt am Mittwoch eine unbedingte Freiheitsstrafe von 3,5 Jahre gefordert. Der Verteidiger plädierte für zwei Jahre bedingt. Das Urteil wird am Freitag eröffnet.

06.11.2019 / 11:38 / von: sda/mma
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Der ehemalige Finanzchef der Getränkefirma Rimuss gab zu, das Geld abgezweigt zu haben.(Symbolbild: wikipedia.de/JoachimKohlerBremen unter creative commons)

Der ehemalige Finanzchef der Getränkefirma Rimuss gab zu, das Geld abgezweigt zu haben.(Symbolbild: wikipedia.de/JoachimKohlerBremen unter creative commons)

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Zwei Millionen Franken fehlen der Rimuss bis heute. Verantwortlich für das Finanzloch ist der ehemalige Finanzchef der Firma. Er hat von einem Kontokorrent-Konto der Firma über sechs Jahre lang Gelder abgezweigt. Damit unterstützte der 58-Jährige die Frauenequipe des FC Neunkirch. Ebenfalls angeklagt ist eine 32-jährige Mitarbeiterin von Rimuss, die ihm dabei geholfen haben soll.

Der Staatsanwalt forderte für den ehemaligen Finanzchef eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahre. Für die Gehilfin des Angeklagten forderte er 12 Monate bedingt.

«Kopflos und plump gehandelt»

Der Verteidiger des ex-Finanzchefs plädierte auf 2 Jahre bedingt. Sein Mandant habe das Geld nicht in seine eigenen Taschen gesteckt. In einer ersten Einvernahme hätte sich der Mandant bereit gezeigt, die hohe Schuld von 2 Millionen Franken zurückzuzahlen.

Dafür habe er sogar in Erwägung gezogen, sein BVG-Altersguthaben aufzulösen, so der Verteidiger. Zu entschuldigen sei sein Handeln aber nicht. Der Angeklagte habe mit seinen Taten kriminelle Energie bewiesen, häufig aber «kopflos und plump» gehandelt.

Der Verteidiger zitierte daraufhin aus einem Brief des Rimuss-Patrons Robert Rahm, der dem Angeklagten verzieh und sich ebenfalls eine bedingte Strafe aussprach.

Auch der Anwalt der beschuldigten Rimuss-Mitarbeiterin ist mit dem Strafmass der Staatsanwaltschaft nicht einverstanden. Er forderte einen vollumfänglichen Freispruch für seine Mandantin. Ihr sei nie bewusst gewesen, dass der ehemalige Finanzchef die Firma mit seinen Taten schaden könnte.

Nur ausgeführt, was verlangt wurde

Ihr Verteidiger versuchte vor Gericht aufzuzeigen, dass seine Mandantin nicht die Komplizin des Angeklagten gewesen sei. Sie habe vielmehr ausführen müssen, was ihr aufgetragen worden sei.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung, Anstiftung zu Gehilfenschaft und mehrfache Urkundenfälschung vor. Der 32-Jährigen wirft sie Gehilfenschaft und mehrfache Urkundenfälschung vor. Das Urteil wird am Freitagmorgen eröffnet.

Putzfrau auf Geschäftskosten

Als Grund, weshalb er überhaupt das Geld abgezweigt hatte, gab der Angeklagte während der Verhandlung an, dass er die «Anerkennung der Medien und Sponsoren» suchte. Die sportlichen Erfolge des Frauenteams des FC Neunkirch hätten ihm hingegen nichts bedeutet. «Emotional war ich nicht mehr da.»

Die Fragen des Richters zu seinen unerlaubten Umbuchungen und Abzweigungen beantwortete er präzise und offen. Mit dem Geld aus der Rimuss-Firmenkasse beglich er nebst den Löhnen auch die Mieten und Krankenkassenprämien der Spielerinnen.

Aber auch seine eigene Putzfrau buchte er übers Geschäft ab. Sie kostete über die Jahre etwa 25'000 Franken.

Zu Geld kam er vor allem durch einen Kontokorrent-Kredit. Rimuss gewährte ihm eine Limite von maximal 100'000 Franken. Zwischen 2011 und 2017 war das Konto allerdings stets überzogen. Um bei der Revisionsstelle nicht aufzufallen, fälschte er gemäss Anklage unter anderem einen neuen Kredit und schaukelte der Prüfungsstelle vor, dass die Kreditlimite bei 200'000 Franken liege.


Falsche Zahlungen an eigenen Sohn

Da der Beschuldigte das Konto aber immer weiter überzog, bewirkte er, dass Rimuss seinem eigenen Sohn gefälschte Lohnansprüche auszahlte. Das Geld landete aber nicht bei seinem Sohn, sondern im Kontokorrent-Konto, um die Schuld zu begleichen.

Er habe ohne genaue Strategie gehandelt, sagte er vor Gericht. Als er dann mit einer Selbstanzeige der Revision zuvorkam, sei bei ihm eine Welt zusammengebrochen. Er habe damals an Selbstmord gedacht.




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