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«Ein Ausflug nach Winterthur fühlt sich an wie Ferien»

RADIO TOP stellt die sechs Kandidatinnen und Kandidaten für die Schaffhauser Regierungsratswahl Ende August vor. Walter Vogelsanger (SP), Vorsteher des Innendepartements und damit auch des Gesundheitsamts, zieht im Interview eine Zwischenbilanz zur Coronakrise – und erzählt, warum er sich bei einem Ausflug nach Winterthur in den Ferien wähnt.

29.07.2020 / 17:30 / von: sfa/mle
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Walter Vogelsanger (SP) will im Schaffhauser Regierungsrat bleiben. (Bild: waltervogelsanger.ch)

Walter Vogelsanger (SP) will im Schaffhauser Regierungsrat bleiben. (Bild: waltervogelsanger.ch)

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Im Kanton Schaffhausen wird am 30. August die Regierung neu gewählt. Fünf Sitze stehen zur Verfügung, sechs Kandidaten stellen sich zur Wahl – darunter die vier ehemaligen Christian Amsler (FDP), Martin Kessler (FDP), Walter Vogelsanger (SP) und Cornelia Stamm Hurter (SVP). Ernst Landolt (SVP) tritt nicht mehr zur Wiederwahl an. Die SVP hat den Unternehmer und Neuhauser Gemeinderat Dino Tamagni aufgestellt, um Landolts Sitz zu verteidigen. Die SP greift ausserdem mit dem früheren Kantonsrat Patrick Strasser den Sitz von Christian Amsler (FDP) an. RADIO TOP stellt die sechs Kandidatinnen und Kandidaten vor.

Walter Vogelsanger ist 57 Jahre alt und amtet seit Anfang 2017 für die SP im Schaffhauser Regierungsrat, wo er das Innendepartement leitet. Zu diesem gehören unter anderem das Gesundheitsamt, das Sozialamt, das Veterinäramt sowie das Amt für Jagd und Fischerei. Walter Vogelsanger war vor seinem Amt als Regierungsrat bereits für die SP im Schaffhauser Kantonsrat tätig. Bevor die Politik zum Beruf wurde, arbeitete er als Physiklehrer, unter anderem an der Kantonsschule Schaffhausen. Als Bauernsohn aufgewachsen, lebt er mittlerweile in Beggingen. Walter Vogelsanger ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

Walter Vogelsanger im Interview mit RADIO TOP:

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RADIO TOP: Herr Vogelsanger, Sie leiten das Schaffhauser Innendepartement, zu dem auch das Gesundheitsamt gehört – gehe ich richtig in der Annahme, dass die letzten Monate aufgrund der Coronakrise eine ziemliche Herausforderung waren?

Ja, es war eine Herausforderung – und es bleibt eine Herausforderung! Zu Beginn, als es losging, hatten wir am Montag immer einen Riesenberg Arbeit, wenn übers Wochenende irgendetwas Neues passiert ist… Zum Glück hatten wir in der kritischen Phase der Pandemie Unterstützung durch die kantonale Führungsorganisation. Und die Coronakrise beschäftigt uns weiterhin und wird uns in nächster Zeit bestimmt nicht loslassen.

Die Pandemie ist nicht vorüber, die kritischste Phase aber schon. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie?

Ich würde sagen, wir haben es gut gemacht: Wir sind gut durch die Krise gekommen. Wir hatten auch gute Unterstützung, gute Mitarbeiter. Man muss auch sehen, dass wir immer einen gewissen Vorlauf hatten. Im Tessin passierte immer alles 14 Tage früher – so hatten wir Zeit, uns vorzubereiten. Ich möchte auch ein Lob aussprechen an die Heime, die sehr professionell agieren. Auch die Spitäler und Hausärzte haben gut gehandelt. Man hat Hand in Hand zusammengearbeitet – genau deshalb, haben wir die Krise gut überstanden.

Zum Innendepartement gehört nicht nur das Gesundheitsamt, sondern beispielsweise auch das Veterinäramt oder das Sozialamt – sind diese während den letzten Monaten auf der Strecke geblieben, weil die Coronakrise alles überschattet hat?

Auf der Strecke geblieben würde ich nicht sagen. Das Veterinäramt hat uns personell zum Beispiel stark unterstützt. Wir waren sehr froh, dass wir hier intern personelle Ressourcen verschieben konnten. Auf dem Sozialamt ist es vielleicht zwischenzeitlich etwas ruhiger geworden. Hier hatte man ja befürchtet, dass wegen der Krise die häusliche Gewalt zunehmen wird – das ist ausgeblieben. Aber aktuell ist zum Beispiel die Maskenabgabe für sozial Schwächere ein Thema. Das heisst, auch diese Bereiche rücken wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Ich habe im Vorfeld des Interviews Ihre Webseite durchstöbert. Anders als andere Politiker stellen Sie in Ihrer Bildergalerie nicht nur Fotos von sich selber zum Download bereit, sondern etwa auch ein Bild einer Katze und eines Bibers – was hat es damit auf sich?

(lacht) Hoppla, die Bilder sind wohl schon etwas älter… Aber wenn Sie den Biber ansprechen: Der ist ein aktuelles Thema, weil er sich in Schaffhausen vermehrt. Dasselbe übrigens auch in den Kantonen Zürich und Thurgau. Hier besteht ein gewisser Handlungsbedarf.

Apropos Biber: Sie verantworten auch das Amt für Jagd und Fischerei. Wir erinnern uns an die Bilder der letzten beiden Sommer, als diverse Flüsse wegen Hitze und Trockenheit abgefischt werden mussten. 2020 ist es nicht ganz so heiss wie in den letzten Jahren. Heisst das auch, dass diese Thematik nicht mehr gleich viel Aufmerksamkeit erfordert wie noch vor ein oder zwei Jahren?

Nein, absolut nicht. Voraussagen sind schwierig. Wir hatten einen sehr trockenen April und wussten damals nicht, wie der Sommer wird. Aktuell haben wir viel Wasser im Rhein, insofern werden wir hoffentlich glimpflich durch den Sommer kommen. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt! Und wir bereiten uns entsprechend vor: Wir haben im Kanton Schaffhausen eine Klimastrategie in Auftrag gegeben, die bis im Herbst fertig sein soll. Der Kantonsrat hat hierfür auch die finanziellen Mittel gesprochen. Wenn wir die Strategie und die Gelder dieses Jahr noch nicht brauchen – dann bestimmt nächstes Jahr. Wir sind in diesem Bereich jedenfalls gut aufgestellt.

Ich habe nun noch einige Ja-/Nein-Fragen für Sie: Mehr unangemeldete Tierschutzkontrollen auf Bauernhöfen?

Nein. Unsere Kontrollen finden risikobasiert statt. Wir kennen unsere Pappenheimer! Wer schlecht unterwegs ist, wird auch ab und zu unangemeldet überprüft.

Auch im Kanton Thurgau war der Tierhalter aus Hefenhofen bekannt – dennoch eskalierte die Lage, wir erinnern uns alle an die Bilder von abgemagerten und verstorbenen Pferden, welche die Öffentlichkeit aufrüttelten. Sie sagen also, ein solcher Fall wäre in Schaffhausen nicht möglich?

Wir haben dem Veterinäramt den Auftrag gegeben, den Untersuchungsbericht aus dem Kanton Thurgau zu studieren und auch Schlüsse daraus für den Kanton Schaffhausen zu ziehen. Es geht vor allem um die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Veterinäramt, damit die Zuständigkeiten klar sind. Wir ziehen unsere Lehren aus dem Fall Hefenhofen – und ich hoffe, dass ein solcher Fall bei uns nicht vorkommen wird.

Braucht es aufgrund der Coronakrise zusätzlich Unterstützung für sozial Schwächere, zum Beispiel in Form von höheren Prämienverbilligungen?

Man sollte jetzt nicht überreagieren. Wir haben im Kanton Schaffhausen ein austariertes Prämienverbilligungssystem. In diesem Bereich würde ich nicht voreilig behandeln.

In anderen Bereichen aber schon?

Ich wäre einfach vorsichtig… Man muss jetzt erst einmal schauen, wie sich das Ganze entwickelt. Natürlich, wenn mehr Leute in die Arbeitslosigkeit abrutschen, dann landen auch mehr Leute in der Sozialhilfe. Man muss sich also bewusst sein, dass die Kosten im Sozialbereich allenfalls steigen werden. Aber mit Blick auf Einzelfälle mehr Geld zu sprechen, wäre der falsche Ansatz.

Maskenpflicht im ÖV beibehalten – ja oder nein?

Ich finde schon, ja. Man sollte die Maskenpflicht beibehalten, um den Leuten zu demonstrieren, dass wir uns in einer Pandemie befinden. Man muss ihnen immer wieder vor Augen führen, dass wir die Pandemie noch nicht überstanden haben.

Sollte man die Maskenpflicht also auch ausweiten, beispielsweise auf Geschäfte oder den gesamten öffentlichen Raum?

Ich war kürzlich in Deutschland, in unserem Nachbardorf Stühlingen – und habe dort festgestellt, dass man in den Geschäften eine Maske tragen muss. Ich war zum ersten Mal seit der Krise in Deutschland – ich fand die Maskenpflicht schon aussergewöhnlich. Ich finde, in den Geschäften in der Schweiz braucht es vorerst keine Maskenpflicht. Aber man muss die Situation weiter beobachten.

Auch die Kulturschaffende haben stark unter der Krise gelitten. Wäre es nun an der Zeit, die Einschränkungen bei Veranstaltungen aufzuheben?

Ich habe bei Kulturschaffenden immer das Bild, dass sie die Coronakrise kreativ verarbeiten sollten. Ich will ihnen natürlich nichts vorschreiben – aber ich warte eigentlich darauf, dass aus der Kultur etwas Neues kommt! Vielleicht nur noch Konzerte, die nicht elektronisch verstärkt sind, rein mit der Akustik der Instrumente? Ich denke eher, man sollte hier nicht wieder ins alte Fahrwasser geraten. Ich erwarte von der Kultur kreative neue Ideen.

Für einen Shoppingtrip nach Deutschland?

Nein

Für einen Shoppingtrip nach Zürich?

(lacht) Wenn ich nach Zürich oder Winterthur gehe, um einzukaufen, fühlt sich das an wie Ferien! Aber generell gehört Shopping aktuell nicht zu meinen Hauptbeschäftigungen…


RADIO TOP porträtiert die ganze Woche lang alle sechs Schaffhauser Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten. Die weiteren Interviews werden im Verlauf der Woche ausgestrahlt sowie 
online gestellt.

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