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«Es sind keine einfachen Zeiten»

RADIO TOP stellt die sechs Kandidatinnen und Kandidaten für die Schaffhauser Regierungsratswahl Ende August vor. Christian Amsler (FDP) ist der «Dinosaurier» unter den Kandidierenden: Mit fast elf Jahren im Amt ist er der dienstälteste Regierungsrat, der noch einmal vier Jahre weiterregieren will.

28.07.2020 / 17:00 / von: sfa/mle
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Mit fast elf Jahren im Amt ist Christian Amsler der dienstälteste Regierungsrat, der noch einmal vier Jahre weiterregieren will. (Bild: christianamsler.ch)

Mit fast elf Jahren im Amt ist Christian Amsler der dienstälteste Regierungsrat, der noch einmal vier Jahre weiterregieren will. (Bild: christianamsler.ch)

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Der Schaffhauser Regierungsrat besteht aus fünf Sitzen. Vier der amtierenden Regierungsräte treten bei der Gesamterneuerungswahl am 30. August zur Wiederwahl an: Christian Amsler (FDP), Martin Kessler (FDP), Walter Vogelsanger (SP) und Cornelia Stamm Hurter (SVP). Ein Sitz wird frei, weil Ernst Landolt (SVP) sich nicht zur Wiederwahl stellt. Die SVP will seinen Sitz mit dem Neuhauser Gemeinderat und Unternehmer Dino Tamagni verteidigen.

Aufgemischt wird der Wahlkampf ausserdem durch eine Kampfkandidatur seitens der SP: Sie hat zusätzlich zum bisherigen Walter Vogelsanger den früheren Kantonsrat Patrick Strasser aufgestellt. Dieser greift aber nicht etwa den freiwerdenden SVP-Sitz an – sondern den FDP-Sitz von Christian Amsler. Amsler hat gemäss Strasser den schlechtesten Leistungsausweis der bisherigen Regierungsräte.

Christian Amsler ist 56 Jahre alt und wurde vor fast elf Jahren in die Regierung des Kantons Schaffhausen gewählt. Er leitet dort die Erziehungsdirektion – passend zu seiner Karriere vor der Politik: Christian Amsler arbeitete früher als Lehrer und später als Prorektor an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen. Schon damals war Amsler aber in der Politik engagiert, unter anderem im Schaffhauser Kantonsrat sowie als Gemeindepräsident in Stetten.

Nationale Bekanntheit erlangte Christian Amsler, als er 2018 FDP-intern für die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann kandidierte. Karin Keller-Sutter stach ihn letztlich aber aus. Bei den letzten eidgenössischen Wahlen im Herbst 2019 kandidierte Amsler ausserdem für einen Ständeratssitz, musste aber eine krachende Niederlage einstecken. Amsler ist Vater von drei erwachsenen Kindern und frischgebackener Grossvater. RADIO TOP hat ihn zum Interview getroffen.

Christian Amsler (FDP) im Interview mit RADIO TOP:

Audio

 

RADIO TOP: Grüezi, Herr Amsler.

Christian Amsler: Grüeziwohl.

Sie haben auf Ihrer Webseite ein persönliches «ABC» aufgeschaltet – es beginnt allerdings nicht mit «A», sondern eben mit «G» wie «Grüezi». Wieso?

Nun, manchmal muss man die Normen etwas durchbrechen. Ich fand, man muss nicht von «A» bis «Z» gehen wie die Kinder das klassisch in der Schule lernen. Ich wollte zuerst «Grüezi» sagen.

Sie haben bereits über zehn Jahre als Regierungsrat auf dem Buckel und kandidieren für vier weitere Jahre. Sie haben aber keine einfachen Zeiten hinter sich: Einerseits aufgrund der Affäre rund um die Schulzahnklinik, andererseits aufgrund der Coronakrise, die Sie als Erziehungsdirektor besonders gefordert hat. Haben Sie wirklich noch Energie für vier weitere Jahre?

Ja selbstverständlich! Ich bin ja immer noch im besten Alter. Ich bin zwar gerade Grossvater geworden – das ist ein Meilenstein im Leben – aber ich bin ein sehr junger Grossvater: Ich werde ja im November 57 Jahre alt. Ich bin also hochmotiviert, dieses spannende aber auch anspruchsvolle Amt noch einmal für vier Jahre auszuüben. Aber Sie haben recht: Es sind keine einfachen Zeiten. Wir sind mit Corona mehr als gefordert, gerade im Schulbereich, aber auch in der Kultur, im Sport und wir als Grenzkanton auch in den Aussenbeziehungen. Auch die PUK zur Schulzahnklinik trübt den Wahlkampf ein, das muss ich zugeben. Aber man kann sich als Politiker die Umstände nicht immer genau aussuchen – sowas muss man aushalten können.

Sie haben letzten Herbst für den Ständerat kandidiert. Heisst das nicht, dass Sie lieber von Schaffhausen nach Bern wechseln wollten?

Es gab in verschiedenen Kantonen Regierungsräte, die letzten Herbst kandidiert haben… Ich finde nach fast elf Jahren sehr engagierter Exekutivtätigkeit, darf man durchaus einmal schauen, ob ein Berner Mandat in Frage käme. In meinem Fall hat das nicht geklappt. Auch das muss man aushalten können. Und deshalb habe ich auch klar gesagt: Das Berner Kapitel ist für mich abgeschlossen. Ich will weiter als Bildungsdirektor im schönen Schaffhausen tätig sein.

Die SP greift Sie bei dieser Wahl frontal an: Sie will einen weiteren Sitz erobern, und zwar nicht auf Kosten der SVP, bei der durch den Rücktritt von Ernst Landolt ein Sitz frei wird, sondern auf Ihre Kosten. Zittern Sie um die Wiederwahl?

Sie sehen es ja: Ich habe sehr breite Schultern. Zittern wäre bestimmt nicht gut. Natürlich, ich habe einen gesunden Respekt. Niemand hat die Wahl auf sicher. Die SP rasselt tatsächlich mit dem Säbel. Aber das hat Tradition: Sie versucht seit vielen Jahren die bürgerliche Phalanx zu durchbrechen.

Noch einmal zurück zur Coronakrise, die Sie als Erziehungsdirektor besonders herausgefordert hat: Welche Lehren ziehen Sie aus dieser Krise?

Grundsätzlich fällt die Bilanz positiv aus – auch wenn die ausserordentliche Lage natürlich nicht das ist, was wir uns wünschen. Aber es war eine Chance für die Schulen, um den Fernunterricht zu testen. Das hat einen eigentlichen Digitalisierungsschub ausgelöst. Aber klar: Mir ist der Courant Normal lieber, wenn die Kinder ohne Belastung in den Schulzimmern sitzen können. Es war eine hektische Zeit. Wir sind gerüstet für das neue Schuljahr – aber wir sind auch mit gesundem Respekt unterwegs. Ich bin gespannt, wie die Selbstdeklaration und die Quarantänepflicht eingehalten werden, wenn Familien ihre Ferien in einem Risikoland verbracht haben…

Neben Erziehungsdirektor sind Sie auch «Aussenminister» des Kantons Schaffhausens. Die Beziehungen der Schweiz zu Europa sind im Zuge der Abstimmung vom 27. September über die SVP-Begrenzungsinitiative gerade ein heisses Eisen. Bereitet Ihnen die Abstimmung Sorgen?

Ich bin ein dezidierter Gegner der Begrenzungsinitiative. Nicht zuletzt Corona hat uns gezeigt, dass wir als Grenzkanton sehr eng mit den Nachbarn zusammenarbeiten müssen. Als Grenzkanton sind wir auf einen intensiven internationalen Austausch angewiesen.

Wir haben nun noch einige Ja-/Nein-Fragen vorbereitet: Maskenpflicht an weiterführenden Schulen, zum Beispiel an Berufsschulen – ja oder nein?

Nein. Ich halte das bei Kindern und Jugendlichen nicht für eine gute Idee und hoffe daher, dass dieser Fall nicht eintreten wird. Aber wenn der Bundesrat die Pflicht erlässt, oder wenn die Erziehungsdirektorenkonferenz eine klare Empfehlung in diese Richtung abgibt, werden wir das selbstverständlich umsetzen.

Soll der Fernunterricht auch nach der Coronakrise in den regulären Unterricht aufgenommen werden?

Nein. Die Digitalisierung wird schon im Courant Normal in den Unterricht eingebaut. Aber die Schule lebt von der sozialen Interaktion, vom Zusammenkommen von Lehrpersonen und Kindern. Man kann gewisse Fernlern-Elemente in den Unterricht aufnehmen. Aber das soll nicht der Normalfall werden.

Sollten die Schaffhauser Lehrerinnen und Lehrer mehr verdienen?

Wir befinden uns tatsächlich in einem Konkurrenzkampf mit dem Kanton Zürich – und das Schaffhauser Lohnsystem hinkt seit Jahren hinterher. Die Regierung will Schritte unternehmen, nun muss aber auch der Kantonsrat mitziehen. Jedenfalls ein klares Ja auf Ihre Frage!

Diesen Sommer Ferien im Ausland – ja oder nein?

Klar nein. Ich bin im Sommer ein Bergfan, die Schweizer Alpen sind wunderbar. Ich war im Berner Oberland in den Ferien, dort herrschte aber ziemlich Dichtestress (lacht). Aber wir kennen uns gut genug aus, damit wir den Menschenmassen auf Geheimtipp-Wanderungen ziemlich gut ausweichen konnten. Auch die Zeltplätze waren total voll und in Interlaken gab es für einmal keine indischen und arabischen Touristen.

Sollen Schulkinder den Schulstart nach den Sommerferien verpassen, wenn sie mit der Familie in einem Risikoland in den Ferien waren?

Das muss man mit Ja beantworten: In Schaffhausen gilt die Deklarationspflicht. Wer in einem der Risikoländer auf der BAG-Liste war, der gehört in Quarantäne.


RADIO TOP porträtiert die ganze Woche lang alle sechs Schaffhauser Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten. Die weiteren Interviews werden im Verlauf der Woche ausgestrahlt sowie online gestellt.

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