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«Geben Sie mir eine Kristallkugel»

RADIO TOP stellt die sechs Kandidatinnen und Kandidaten für die Schaffhauser Regierungsratswahl Ende August vor. Dino Tamagni (SVP) steht bei der Wahl in der Pole Position: Er soll für die SVP den Sitz des zurücktretenden Ernst Landolt verteidigen.

30.07.2020 / 17:11 / von: sfa/mma
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Dino Tamagni kandidiert für die SVP bei den Schaffhauser Regierungsratswahlen. (Archivbild: SVP Kanton Schaffhausen)

Dino Tamagni kandidiert für die SVP bei den Schaffhauser Regierungsratswahlen. (Archivbild: SVP Kanton Schaffhausen)

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Im Kanton Schaffhausen wird am 30. August die Regierung neu gewählt. Fünf Sitze stehen zur Verfügung, sechs Kandidaten stellen sich zur Wahl – darunter die vier ehemaligen Christian Amsler (FDP)Martin Kessler (FDP), Walter Vogelsanger (SP) und Cornelia Stamm Hurter (SVP). Ernst Landolt (SVP) tritt nicht mehr zur Wiederwahl an.

Die SVP hat Dino Tamagni aufgestellt, um Landolts Sitz zu verteidigen. Die SP greift ausserdem mit dem früheren Kantonsrat Patrick Strasser den Sitz von Christian Amsler (FDP) an. RADIO TOP stellt die sechs Kandidatinnen und Kandidaten vor.

Dino Tamagni ist 52 Jahre alt und wohnt in Neuhausen am Rheinfall, wo er seit fast 20 Jahren als Gemeinderat tätig ist. Neben der kommunalen war Tamagni auch jahrelang in der kantonalen Politik aktiv: Er sass von 2008 bis 2016 für die SVP im Schaffhauser Kantonsrat. Hauptberuflich ist Tamagni als Unternehmer tätig, unter anderem als Geschäftsleiter der Tamagni Getränke AG, sowie als Geschäftsleitungsmitglied der Brauerei Falken.

Dino Tamagni im Interview mit RADIO TOP:

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RADIO TOP: Herr Tamagni, Sie wollen Ihren SVP-Parteikollegen Ernst Landolt beerben, der nach zehn Jahren in der Schaffhauser Regierung nicht zur Wiederwahl antritt. Wenn Sie die Wahl schaffen – bleibt dann alles beim Alten, oder wird alles neu?

Dino Tamagni: Es wird bestimmt nicht alles neu. Der bürgerliche Gedanke im Regierungsrat wird weiterleben, durch mich vielleicht sogar noch etwas verstärkt. Für mich ist es wichtig, dass ich im Regierungsrat im Zweierteam mit meiner bürgerlichen Kollegin Cornelia Stamm Hurter zusammenarbeiten kann. Insbesondere im Bereich Finanzen und Volkswirtschaft wäre das bestimmt eine ideale Lösung – wenn ich das Volkswirtschaftsdepartement denn übernehmen darf.

Sie sprechen das Volkswirtschaftsdepartement an, das derzeit unter Führung von Ernst Landolt steht. Wenn Sie wählen könnten, würden Sie also gerne ins Volkswirtschaftsdepartement einziehen?

Finanzen oder Volkswirtschaft wären für mich am naheliegendsten. Als Betriebsökonom bin ich bei den Themen im Volkswirtschaftsdepartement sattelfest und kann bestimmt guten Input bringen, gute Diskussionen mit den Amtsleitern führen. Ich könnte auch von meinem Netzwerk zur Industrie, zur Wirtschaft, zu den KMU, zum Gewerbe – schlicht zu allen Unternehmen – profitieren.

Wo drückt den Schaffhauser Unternehmen denn in Ihren Augen der Schuh?

Es geht um Themen wie Steuern oder darum, die Dienstleistungen von Seiten des Kantons gegenüber den Unternehmen zu verbessern und zu beschleunigen. Nur so kann die Wirtschaft agieren und am Markt bestehen. Es gilt hier, die Gesuche und formalistischen Angelegenheiten zu vereinfachen und zu beschleunigen. So können wir garantieren, dass der Standort Schaffhausen auch in Zukunft Bestand hat, wir können die Arbeitsplätze sichern und auch Neuansiedlungen und Zuzüger anlocken.

Sie wollen also die Bürokratie abbauen und aufs Tempo drücken – aber Hand aufs Herz, hat Schaffhausen überhaupt eine Chance, mit Zürich mitzuhalten, oder steht man ständig im Schatten?

Punkto Unternehmenssteuern sind wir sehr gut unterwegs, wir gehören schweizweit zu den besten. Das ist natürlich eine Motivation für Unternehmen, ihren Standort nach Schaffhausen zu verlegen. Je mehr solche Unternehmen wir anlocken, desto tiefer liegt auch die Gesamtsteuerbelastung für natürliche Personen. Das lockt dann also auch Private an. Wenn wir das gut und sauber machen, dann müssen wir uns in Zukunft nicht mehr hinter Zürich anstellen, sondern sind ganz im Gegenteil sogar das Vorzeigemodell.

Welche Themen wollen Sie neben der Wirtschaft in den Regierungsrat einbringen?

Mein oberstes Anliegen ist es, dass die Regierung, die Politik und die Verwaltung für die Schaffhauserinnen und Schaffhauser da sind. Unsere Kunden – und damit meine ich unsere Einwohner – müssen an erster Stelle stehen. Sie sollen auf Gesuche schnelle und präzise Antworten erhalten. Und wenn die Leute zufrieden sind, dann gibt es auch eine positive Aussenwirkung. Und wenn das erfüllt ist, kommt alles andere wie von alleine.

Sie erwähnen in Ihrem Wahlkampfprogramm auch alternative Energien, die Sie fördern möchten. Bedeutet das auch, dass es im Kanton Schaffhausen Platz hat für Windräder?

Meine Aussage lautet: Alternative Energien dort fördern, wo es wirtschaftlich auch Sinn macht. Ein einzelnes Windrad ist wirtschaftlich vermutlich nicht sinnvoll: Der Aufbau ist teuer, das Windrad bringt wenig Energie. In einem solchen Fall sollte man das Geld vielleicht besser in einen Wärmeverbund stecken, der mehr bringt. Das Geld soll also gezielt eingesetzt werden und – wirtschaftlich betrachtet – mit einem hohen Wirkungsgrad.

Wir kommen jetzt noch zu einigen Ja-/Nein-Fragen – und wir bleiben beim Thema alternative Energien: Sollte die Elektromobilität im Kanton Schaffhausen ausgebaut werden?

Das ist dem Markt überlassen. Jeder hat das Recht, sich ein Elektroauto zu kaufen. Er soll das aber selber entscheiden – es ist nicht die Aufgabe des Staates, sich einzumischen.

Die Coronakrise hat gezeigt, wie essentiell das Pflegepersonal ist. Sollen nun, nach der Krise, die Löhne des Pflegepersonals erhöht werden?

Das kann man so nicht sagen. Die Löhne sind ja von den Leistungen abhängig, die täglich erbracht werden. Wenn man jetzt die Löhne erhöht, dann sagt das aus, das Pflegepersonal hat jetzt einfach eine Extraleistung erbracht. Dabei arbeiten sie ja jeden Tag im Spital oder in Pflegeheimen – und das ist jeden Tag ein harter Job. Sie werden aber auch entsprechenden entlöhnt. Das Lohnniveau ist gerechtfertigt.

Auch die Lehrpersonen waren wegen Corona extrem gefordert, etwa aufgrund des Fernunterrichts. Sollte man bei Ihnen die Löhne erhöhen?

Die Lehrpersonen haben einen super Job gemacht. Aber auch hier gilt: Das Lohnniveau ist gerechtfertigt. Die Arbeit blieb ja dieselbe, es gab einfach neue Herausforderungen. Andere Abteilungen in der Verwaltung haben bestimmt auch einen hervorragenden Job gemacht – man muss immer den gesamten Kontext anschauen. Ich finde es falsch, aufgrund einer ausserordentlichen Situation eine Lohnerhöhung zu erwägen. Man könnte stattdessen vielleicht eine Prämie diskutieren.

Soll man die Maskenpflicht im ÖV beibehalten?

In meinen Augen hätte man sie von Beginn weg einführen sollen. Mit der Maskenpflicht kann man mit wenig Aufwand viel erreichen. Deshalb gehört sie für mich aktuell dazu.

Sollte man die Maskenpflicht also ausweiten, etwa auf Einkaufsgeschäfte?

Ich finde es braucht die Maskenpflicht überall dort, wo man sich nahekommt. Aufgrund der steigenden Fallzahlen wäre es nun wohl angesagt, die Maskenpflicht auf den Detailhandel auszuweiten, ja.

Sollte man im Herbst gewisse Massnahmen bei Grossveranstaltungen lockern, indem etwa wieder mehr Publikum in die Fussballstadien gelassen wird?

Geben Sie mir eine Kristallkugel – dann kann ich Ihnen das beantworten.

Schaffhausen ist als Grenzkanton extrem international geprägt: Der Kanton ist finanziell von internationalen Grosskonzernen und deren Steuern abhängig. Der grösste Teil der Schaffhauser Grenze verläuft mit Deutschland, nicht mit anderen Schweizer Kantonen. SVP-Begrenzungsinitiative Ja oder Nein?

Ich bin für die Begrenzungsinitiative. Ich bin für ein gesundes, qualitatives Wachstum der Schweiz. Die Unterstützung aus dem Ausland brauchen wir weiterhin – aber an einem Ort, wo wir qualitativ wachsen können. Wir sollten Arbeitskräfte anlocken, die uns qualitativ weiterbringen – nicht solche, die hier einfach mal ihr Glück probieren, obwohl sie gar keine gute Ausbildung haben.

RADIO TOP porträtiert die ganze Woche lang alle sechs Schaffhauser Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten. Die weiteren Interviews werden im Verlauf der Woche ausgestrahlt sowie online gestellt.

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