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Sind die Wiffen schuld – oder die betrunkenen Bootsführer?

Der Schaffhauser Kantonsrat hat sich am Montagmorgen einen emotionalen Schlagabtausch über die umstrittenen Wiffen auf dem Rhein geliefert. Linke Politiker betrachten die Wiffen als Todesfallen. Bürgerliche hingegen appellieren an die Eigenverantwortung der Böötler.

29.06.2020 / 12:07 / von: sfa
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Die Wiffen auf dem Rhein zeigen an, wo Kursschiffe verkehren dürfen und wo Hobbykapitäne: Die Kursschiffe verkehren auf der grünen Seite, Gummi-, Ruder-, Motor- und andere Freizeitboote auf der weissen. (Bild: TELE TOP)

Die Wiffen auf dem Rhein zeigen an, wo Kursschiffe verkehren dürfen und wo Hobbykapitäne: Die Kursschiffe verkehren auf der grünen Seite, Gummi-, Ruder-, Motor- und andere Freizeitboote auf der weissen. (Bild: TELE TOP)

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Auf dem Rhein kommt es regelmässig zu schweren Bootsunglücken. Dabei krachen häufig Ruder-, Motor- oder Gummiboote gegen eine sogenannte Wiffe: Einen Holzpfahl im Fluss, der anzeigt, auf welcher Seite die Kursschiffe und auf welcher kleinere Freizeitboote verkehren. Gerade Gummiboote lassen sich aber häufig nicht leicht navigieren – und krachen gegen die Wiffe, statt sie zu umschiffen. Dabei zerschellen die Boote oder kentern. Im schlimmsten Fall kommen die Insassen ums Leben, wie letzten September.

Die Wiffen sind eine Eigenheit des Rheins, auf anderen Schweizer Flüssen existieren sie nicht. Der Schaffhauser SP-Kantonsrat Kurt Zubler hat daher ein Postulat verfasst, in welchem er den Regierungsrat dazu auffordert, Alternativen zu den Wiffen zu prüfen. Er argumentiert: «Wenn ein gefährlicher Fussgängerstreifen erkannt wird, wo regelmässig Unfälle geschehen, oder eine Todesstrecke auf einer Autostrasse, dann kommt der Moment, an dem man sagt: ‹Jetzt muss man handeln›.»

RADIO TOP fasst die Debatte im Schaffhauser Kantonsrat zusammen:

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Und bei den Wiffen auf dem Rhein sei dieser Moment gekommen, ist Kurt Zubler überzeugt. In Frage käme etwa ein System, bei welchem die Schiffe via GPS navigieren, statt mit Hilfe der Wiffen. Zubler stellte in seinem Votum klar: «Es ist kein parteipolitisches Anliegen. Es geht einzig darum, tragische Unfälle und den Verlust von Menschenleben zu verhindern.»

«Wer im Boot einen Jass klopfen will, muss den Anker setzen»

Sein Appell stiess allerdings nicht auf fruchtbaren Boden: Ausser von der eigenen Fraktion wurde sein Vorstoss nämlich breit kritisiert. Etwa vom Schaffhauser FDP-Kantonsrat Thomas Hauser. Die Wiffen kämen schliesslich nicht den Booten zu nahe, sondern anders rum: «Wer sich auf dem Rhein aufhält, ob als Bootsfahrer oder Schwimmer, muss sich aufmerksam verhalten. Wer im Privatboot einen Jass klopfen will, oder sich dösend erholen möchte, der muss sich in ein stehendes Gewässer verschieben oder den Anker setzen. Der Rhein eignet sich dafür in keiner Weise.»

Ins gleiche Horn bliess SVP-Kantonsrat Thomas Stamm: «Sprechen wir die Gummiboot-Plage an: Wir sind uns wahrscheinlich alle einig, dass ein Gummiboot das völlig falsche Verkehrsmittel auf diesem Fluss ist. Strömungs- und Windanfälligkeit, gepaart mit ignoranten Bootsführern, machen den Kursschiffen und den Wiffen das Leben schwer. Die Gummifraktion hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt – und dementsprechend hat sich auch die Unfallzahl angepasst.»

Er warf gerade den Gummibootkapitänen ausserdem vor, häufig betrunken auf dem Fluss unterwegs zu sein. Eine Argumentation, die SP-Kantonsrat Andreas Frei sauer aufstiess: «Diese Wiffen sind gefährlich – Punkt! Ich bin selber schon in eine gefährliche Situation gekommen, als ich rudernd nach Diessenhofen unterwegs war. Es war Niedrigwasser und ich habe die Situation falsch eingeschätzt und bin der Wiffe nur knapp entgangen. Ich war am Rudern und wach – nicht besoffen. Solche Sprüche finde ich hier völlig deplatziert.»

Bojen als untaugliche Alternative

Auch die Schaffhauser Regierung stellte sich allerdings gegen das Postulat aus den Reihen der SP. Bauvorsteher Martin Kessler (FDP) argumentierte, dass es derzeit schlicht keine taugliche Alternative zu den Wiffen gebe. So seien in der Vergangenheit etwa Versuche mit Bojen durchgeführt worden. Diese hätten sich aber je nach Wasserstand verschoben, was wiederum zu gefährlichen Situationen für die Kursschiffe führt, die sodann auf Grund auflaufen könnten. Kessler betonte allerdings die Rolle der Prävention, um Hobbykapitäne dafür zu sensibilisieren, dass sie die Wiffen grossräumig umfahren sollen.

Das Verdikt des Schaffhauser Kantonsrats fiel schliesslich deutlich aus: Er lehnte das Postulat mit 37 Nein- zu 19 Ja-Stimmen ab.

Der Beitrag über die Debatte und die Einschätzung der Polizei von TELE TOP:

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