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Bedrohungsgefühl bei Schweizer Bevölkerung etwas geschwunden

Knapp vier Monate nach dem russischen Überfall auf die Ukraine fühlt sich die Bevölkerung in der Schweiz etwas weniger bedroht als noch bei Kriegsausbruch. Eine Mehrheit ist weiterhin bereit, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland mitzutragen und sogar weiterführende Massnahmen zu unterstützen. Militärische Massnahmen werden dagegen klar abgelehnt.

23.06.2022 / 07:07 / von: sda/evo
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In der Schweiz bleibt die Besorgnis über eine weitere Eskalation des Ukraine-Krieges hoch. (Symbolbild: Keystone/ZUMA Press Wire/Michal Burza)

In der Schweiz bleibt die Besorgnis über eine weitere Eskalation des Ukraine-Krieges hoch. (Symbolbild: Keystone/ZUMA Press Wire/Michal Burza)

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Das zeigt eine Umfrage, die das Forschungsinstitut Link am Donnerstag veröffentlichte. Eine grosse Mehrheit der vom 3. bis 10. Juni befragten 2422 Personen befürwortet die Politik des Bundesrates und unterstützt dessen kooperative Auslegung der Schweizer Neutralitätspolitik. Allerdings ist ein zunehmender politischer Graben zu beobachten, wie es in einer Mitteilung von Link heisst.

In der Schweiz bleibt die Besorgnis über eine weitere Eskalation des Ukraine-Krieges hoch. So äussert eine grosse Mehrheit der Befragten die Sorge, dass Russland Chemiewaffen (81 Prozent) oder Atomwaffen (73 Prozent) einsetzen könnte.

Furcht vor drittem Weltkrieg

Etwa zwei von drei Befragten (63 Prozent) fürchten sich, dass der Konflikt zu einem dritten Weltkrieg führen könnte, und fast jede zweite Person (48 Prozent) zeigt sich besorgt von einer Ausweitung des Konfliktes zu einem grösseren Krieg, von dem auch die Schweiz betroffen sein könnte.

Dass die Besorgnis trotz dieser hohen Zahlen im Vergleich zu einer ersten Umfrage Mitte März teilweise deutlich zurückgegangen ist, lässt laut Link auf einen gewissen Gewöhnungseffekt schliessen. Konfrontiert mit täglichen Schreckensbildern vom Krieg sei den Befragten die Bedrohung zwar weiterhin bewusst, sie mache ihnen aber weniger Angst.

Zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) stimmten in der Juni-Befragung auch der Aussage zu, dass sich die Schweiz klar zur Ukraine bekennen und die Sanktionen der EU gegen Russland vollumfänglich umsetzen sollte. Neutralität und wirtschaftliche Sanktionen stehen für die Mehrheit der Befragten also nicht im Widerspruch.

Neutralität rechts - Sanktionen links

Gleichzeitig werde die Neutralität an sich von der Bevölkerung weiterhin sehr geschätzt, wie das Forschungsinstitut Link schreibt. 59 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Schweiz gegenüber Russland und der Ukraine neutral verhalten sollte, und eine grosse Mehrheit von 78 Prozent findet, dass die Schweiz in diesem Konflikt eine Vermittlerrolle einnehmen sollte.

Auch eine Nato-Mitgliedschaft lehnte im Juni die Hälfte der Befragten ab. Diese Ablehnung sei zwar seit März - kurz nach dem russischen Angriff am 24. Februar - gesunken, sei jedoch noch immer mehr als doppelt so hoch wie die Zustimmung zu einem Nato-Beitritt der Schweiz (23 Prozent). Eine engere Kooperation der Schweiz mit der Nato findet dagegen mit 55 Prozent bei den Befragten breite Zustimmung.

Während es bezüglich der Unterstützung von Sanktionen und der Frage nach einer Vermittlerrolle für die Schweiz eine überparteiliche Mehrheit gibt, hat sich der politische Graben in Bezug auf grundsätzliche Fragen der Neutralität in der vergangenen drei Monaten vergrössert.

Während Befragte des rechten Spektrums und aus der Mitte mehrheitlich die Neutralität gegenüber Russland und der Ukraine bewahren wollen, fand dies keine Mehrheit unter den politisch eher links Orientierten. Die Gruppe der Befürworter der Neutralität nahm dabei seit März rechts und in der Mitte zu.

Zudem findet sich rechts nun knapp keine Mehrheit mehr, die Sanktionen der EU vollumfänglich zu unterstützen. Bezüglich der Nato zeigt sich laut Link ein ähnliches Bild: Personen, die sich eher dem rechten politischen Spektrum zuordnen, lehnen einen Nato-Beitritt eher ab als Personen des linken Spektrums

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