Pull down to refresh...
zurück

Bundesrat setzt umstrittene Kernenergieverordnung in Kraft

Der Bundesrat hat präzisiert, für welche Naturkatastrophen Atomkraftwerke gerüstet sein müssen. Er hat am Freitag die revidierte Kernenergieverordnung genehmigt und auf den 1. Februar 2019 in Kraft gesetzt.

07.12.2018 / 14:43 / von: eob/sda
Seite drucken Kommentare
0
Atomkraftwerke, wie das AWK Beznau, müssen mit der Kernenergieverordnung auch im Katastrophenfall geschützt sein. (Bild: wikipedia.org/Roland Zumbühl)

Atomkraftwerke, wie das AWK Beznau, müssen mit der Kernenergieverordnung auch im Katastrophenfall geschützt sein. (Bild: wikipedia.org/Roland Zumbühl)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

In der Vernehmlassung war die Revision auf Kritik gestossen, vor allem die Bestimmungen zur Störfallanalyse. Die Ablehnung beruhe auf einem Missverständnis, schreibt der Bundesrat im Bericht zur Verordnungsänderung.

Es treffe nicht zu, dass mit der Revision die Sicherheitsvorgaben an die Kernkraftwerke gesenkt würden. Materiell gebe es bezüglich Störfallanalysen keine Änderungen zur heutigen Praxis. Der Schutz bleibe auf demselben Niveau. Der Wortlaut sei nun aber unmissverständlich festgelegt worden.

AKW-Betreiber müssen ihre Anlagen so schützen, dass bei einem Störfall nicht mit einer grösseren Freisetzung radioaktiver Stoffe zu rechnen ist. Umstritten ist, welchen Katastrophen die AKW auf Basis des geltenden Rechts standhalten müssen.

Anwohner des Atomkraftwerks Beznau und Umweltorganisationen stellen sich auf den Standpunkt, dass die heutigen Regeln zu lasch ausgelegt werden. Aus ihrer Sicht müssten AKW so nachgerüstet werden, dass sie auch seltensten, schwersten Katastrophen Stand halten. In der Vernehmlassung wurde moniert, der Bundesrat unterwandere mit seinen Vorschlägen das Rechtsverfahren dazu. Für den Bundesrat zeigt das Verfahren dagegen, dass die Bestimmungen unklar formuliert sind.

Grundlage für Störfallanalysen bilden die Bau- und Anlagenpläne des AKW. Der Betreiber muss anhand dieser Pläne Berechnungen machen, ob und wie viel Radioaktivität bei einem schweren Ereignis austreten würde. Das Resultat dieser Berechnungen ist ein Sicherheitsnachweis. Festgelegt wird, wie viel Radioaktivität ein AKW bei einem solchen Störfall maximal freisetzen darf.

Für den rechnerischen Nachweis der Sicherheit eines Kernkraftwerks bei einem 10'000-jährlichen Erdbeben gilt ein Dosiswert von maximal 100 Millisievert. Gelingt dieser Nachweis nicht, muss das AKW vorläufig ausser Betrieb genommen und nachgerüstet werden.

Für die Sicherheitsnachweise für naturbedingte Störfälle müssen Ereignisse mit einer Häufigkeit von einmal pro 1000 Jahren und einmal pro 10'000 Jahren analysiert werden. Dabei ist die Einhaltung einer Dosis von 1 beziehungsweise 100 Millisiervert rechnerisch nachzuweisen.

Neben den Präzisierungen zu den Störfallanalysen hat der Bundesrat auch neue Regelungen für die Abklinglagerung von schwach radioaktive Abfällen aus der Stilllegung von Kernkraftwerken erlassen. Damit wird die Abklinglagerung auch ausserhalb von Kernanlagen möglich.

Beitrag erfassen

Keine Kommentare