Pull down to refresh...
zurück

Dow-Jones-Absturz gemäss Börsenexperten «überfällig»

Der New Yorker Aktienmarkt hat am Mittwoch einen seiner bisher schlimmsten Tage im Jahr 2018 hinter sich gebracht. Er brach um über 800 Punkte ein - für Börsenexperten kaum überraschend.

11.10.2018 / 11:26 / von: abl/sda
Seite drucken Kommentare
0
Der Dow Jones hat gestern den drittgrössten Einbruch seiner Geschichte erlebt. (Bild: Screenshot cash.ch)

Der Dow Jones hat gestern den drittgrössten Einbruch seiner Geschichte erlebt. (Bild: Screenshot cash.ch)

0
Schreiben Sie einen Kommentar

Die Gründe für den Einbruch des Dow Jones sind vielfältig: Neben dem Handelsstreit zwischen den USA und China und einem US-Präsidenten, der die eigene Notenbank als verrückt bezeichnet, spielen auch steigende Zinsen, Warnungen des IWF vor einer Eintrübung der Konjunkturlage, Sorgen um Italien und die Schwellenländer eine Rolle.

Allerdings sei die Lage an den Börsen auch viel zu lange viel zu ruhig gewesen, argumentiert beispielsweise Jörn Spillmann, Leiter Aktienstrategie der Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Wir sind in den letzten Jahren verwöhnt worden, was die Marktschwankungen anbelangt», erklärt er im Beitrag vom RADIO TOP:

audio

Grössere Schwankungen an der Börsen gehören eigentlich zur Regel und dürften in den nächsten Jahren auch wieder häufiger werden, glaubt er. Ähnlich sieht das auch Philipp Grüebler, Portfolio-Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung. Seit der Finanzkrise seien die Zinsen ungewöhnlich tief gewesen. Dass die Zentralbanken diese nun langsam wieder erhöhen, schade der Börse natürlich. Allerdings handle es sich um eine Normalisierung der Situation. Von Panik oder einem länger anhaltenden Abwärtstrend will er deshalb nicht sprechen. 

TELE TOP Beitrag zum Tauchgang der Börsen:

video

 

«Der Anstieg bei den US-Renditen hat eine Bewertungskorrektur ausgelöst, aber die konjunkturelle Lage in den USA und anderswo bleibt positiv und die Gewinne wachsen weiterhin», heisst es beispielsweise auch von Pictet. Dem schliesst sich J. Safra Sarasin-Chefökonom Karsten Junius an. «Bei allen Gefahren für die Weltwirtschaft gehen wir weiterhin von einer wirtschaftlichen Expansion aus, die ausreichend stark ist, um die Finanzmärkte zu stützen», so seine Einschätzung.

Auch Thomas Stucki, CIO der St. Galler Kantonalbank, geht noch nicht von einer Trendwende am Aktienmarkt aus. «Nach dem seit April herrschenden Aufwärtstrend mit neuen Höchstkursen waren die US-Aktien reif für eine Korrektur», meint er. Die Gründe wie Handelsstreit oder steigende Zinsen seien eigentlich seit Monaten bekannt, wurden aber von den Börsen ignoriert. «Wir gehen von einer Bereinigung aus, wie sie an den Börsen immer wieder vorkommt. Die Märkte in Asien und Europa folgen dabei dem Leithammel Wall Street.»

Etwas unruhiger geben sich derweil die Marktexperten von CMC Markets. Ein Hurrikan sei über die Wall Street gefegt, einiges kam an schlechten Nachrichten zusammen. Erste Zahlen eines Autozulieferes hätten Befürchtungen ausgelöst, dass in der anlaufenden Berichtssaison weitere Hiobsbotschaften folgen könnten. «Ein Problem in einem Markt, in dem die Bewertungen bis zum Anschlag aufgedreht sind», erklären sie.

Das nächste brandgefährliche Thema, dass sich vielleicht bald zurückmelden könnte, sei die Inflation. Sollte die in den USA demnächst deutlicher steigen, müsste die Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen noch schneller anheben. US-Präsident Donald Trump gibt derweil der Fed die Schuld am Absturz des Dow Jones. Die Fed sei «verrückt geworden», sagte er.

Mit Blick auf den schwelenden Handelsstreit rückt die jüngste Abwertung des Yuan wieder in den Fokus. Sollten die USA China als Währungsmanipulator brandmarken, sei der «Handelskonflikt, den wir bis jetzt gesehen haben, nur Geplänkel».

Einige Börsianer gerieten angesichts der Vorgaben fast in Panik, ein technischer Analyst sprach sogar von einem Crash-Modus. Nach einem bodenlosen Fall sieht es derzeit aber nicht aus. Der SMI verliert zuletzt 1,8 Prozent und liegt damit knapp 10 Punkte über seinem bisherigen Tagestief. Der DAX fällt um 1,1 Prozent und damit auch nicht mehr so stark wie zu Handelsbeginn.

Beitrag erfassen

Keine Kommentare