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Entführter Impf-Chef Berger meldet sich zu Wort: Täter wollte Geld

Christoph Berger outet sich als Entführungsopfer. Sein Entführer wurde bei der Verhaftung erschossen. In einem Statement gab der Präsident der Eidgenössischen Impfkommission bekannt, sein Kidnapper habe von ihm Geld verlangt und ihn bedroht.

11.04.2022 / 07:25 / von: sda/yho/evo
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Outet sich als Entführungsopfer: Der Kinderarzt und Präsident der Eidgenössischen Impfkommission Christoph Berger. (Archivbild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Outet sich als Entführungsopfer: Der Kinderarzt und Präsident der Eidgenössischen Impfkommission Christoph Berger. (Archivbild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

In seiner «persönlichen Mitteilung» gab sich Berger offiziell als Opfer der Entführung zu erkennen. Den Publikationen der Tamedia hatte das Bezirksgericht Zürich die Namensnennung in einer superprovisorischen Verfügung verboten. Die Tamedia-Zeitungen hatten Berger als Entführungsopfer ermittelt.

Die Tamedia-Publikationen brachten Bergers Entführung auch mit dessen Rolle als Impf-Chef während der Covid-19-Pandemie in Zusammenhang. Wie Berger schreibt, widerspricht «dieses Narrativ meinem persönlichen Erleben während der Entführung». Gleichzeitig seien ihm die «grossen emotionalen und gesellschaftlichen Spannungen bewusst, die Impffragen in den letzten beiden Jahren erhalten haben».

«Gerne» mache er einige Angaben zum Tatablauf, schreibt Berger weiter. Auf Anraten von Polizei und Staatsanwaltschaft lasse er einige Details weg, auch wenn diese «vielleicht interessant sein könnten».

Wirtschaftliche Interessen

Gemäss Bergers Stellungnahme hatte ihn der ihm bis dahin unbekannte 38-jährige Täter eine gute Stunde in seiner Gewalt. «Er hat mich in dieser Zeit mit der Forderung eines substanziellen Geldbetrags konfrontiert». Dazu stiess der Entführer gemäss Berger Drohungen aus, was er mit ihm anstellen werde, sollte der Geldforderung nicht innert einer gesetzten Frist entsprochen werden.

«Es standen also einzig wirtschaftliche Interessen des Täters im Vordergrund», erklärt Berger in seinem Schreiben. Bezüge zur Rolle als Präsident der Impfkommission machte der Täter demnach nicht. Nachdem Berger dem Entführer zugesichert hatte, die Forderungen zu erfüllen, liess dieser ihn laufen.

Danach setzte sich Berger unverzüglich mit der Kantonspolizei in Verbindung. Diese betreute ihn und die «verängstigte Familie» seither. «Der Schutz meiner Familie stand in dieser Phase und selbstverständlich auch jetzt noch für mich an erster Stelle», hält Berger fest.

Recherchen zeichen unklares Bild

Bergers Darstellung, wonach es dem Täter um Geld gegangen sie, deckt sich mit Recherchen von SRF Investigativ, wonach der Entführer noch wenige Stunden vor seinem Tod nach Investoren gesucht habe.

Ob Corona und das Thema «Impfen» doch eine Rolle bei der Wahl des Entführungsopfers gespielt hat, ist noch unklar.

Einige Zeugen beschreiben den Entführer Coronakritisch und Impfskeptisch, andere betonen, der Täter habe auf die Einhaltung der Coronamassnahem – Maske und Abstand – grossen Wert gelegt. Ein mittlerweile ebenfalls verhafteter Geschäftspartner des Entführers postulierte im Internet die Theorie, dass die Erde eine Scheibe sei.

Bitte um Respekt für die Privatsphäre

Im weiteren teilte Berger mit, er werde sich zu der Entführung mindestens bis zum Abschluss des Strafverfahrens nur noch gegenüber den Strafverfolgungsbehörden äussern. Medien gebe er auch dann keine Auskunft, wenn er ihnen im privaten Rahmen oder bei Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit begegne. Er bitte darum, seine und die Privatsphäre seiner Familie zu respektieren.

Mit der Bitte verbunden sei, dass Medien seinen Namen und sein Bild nur zurückhaltend verwenden, «auch ohne, dass ich dafür die Gerichte bemühen müsste». Die Reaktion der Tamedia-Verantwortlichen auf die superprovisorische Verfügung bestärke ihn in dieser Hoffnung.

Der 38-jährige Täter hatte am Mittwochabend in Wallisellen seine 28-jährige Begleiterin erschossen, bevor ihn die Polizei bei der Verhaftungsaktion tötete. Das ergab eine Untersuchung des Instituts für Rechtmedizin und des Forensischen Instituts. Der 38-Jährige besass diverse Waffen.

Am Donnerstag verhaftete die Polizei in einem Nachbarkanton Zürichs in dem Zusammenhang einen 34-Jährigen. Die Ermittlungen laufen weiter. Die Schussabgabe durch die Polizei wird ebenfalls untersucht. Das ist in solchen Fällen üblich.