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Es bleibt dabei: Ordentliche Verwahrung für Vierfachmörder von Rupperswil

Das Aargauer Obergericht bestätigt das Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg: Der Vierfachmörder von Rupperswil wird ordentlich verwahrt. Für lebenslänglich fehlen zentrale Voraussetzungen.

13.12.2018 / 11:48 / von: tvo/vsu/sda
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Das Obergericht Aargau hat entschieden: Der Vierfachmörder von Rupperswil wird ordentlich verwahrt. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

Das Obergericht Aargau hat entschieden: Der Vierfachmörder von Rupperswil wird ordentlich verwahrt. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

Staatsanwältin Barbara Loppacher äussert sich vor dem Obergericht Aargau in den Medien. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

Staatsanwältin Barbara Loppacher äussert sich vor dem Obergericht Aargau in den Medien. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

Auch Verteidigerin Renate Senn stellt sich vor dem Obergericht Aargau den Medien. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

Auch Verteidigerin Renate Senn stellt sich vor dem Obergericht Aargau den Medien. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

Der Prozess vor dem aargauer Obergericht stösst auf grosses Interesse. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

Der Prozess vor dem aargauer Obergericht stösst auf grosses Interesse. (Bild: RADIO TOP / Sandro Peter)

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Der Täter im Vierfachmord von Rupperswil wird ordentlich verwahrt. Das hat das Aargauer Obergericht entschieden. Es bestätigt damit das Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg: Am 16. März sprach dieses den heute 35-jährigen Schweizer zahlreicher Delikte schuldig, fast alle mehrfach begangen: Mord, räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, Geiselnahme, sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung, Pornografie, Urkundenfälschung, Brandstiftung sowie strafbare Vorbereitungshandlungen zu Mord und weiteren Delikten. Das Gericht verhängte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe, die – je nach Risiko-Beurteilung von Experten – ein Leben lang dauern kann. Es ordnete auch eine ordentliche Verwahrung an. Zudem hat der Mann während des Strafvollzugs ein ambulante Therapie zu absolvieren.

Vierfachmörder will nicht verwahrt werden

Der Verurteilte akzeptierte Schuldspruch und Freiheitsstrafe. Er wehrte sich aber gegen die Verwahrung. Seine Verteidigerin ging in die Berufung. Die Staatsanwältin, die anfangs auf einen Weiterzug verzichtet hatte, legte daraufhin Anschlussberufung ein. In der zweitinstanzlichen Verhandlung ging es nun um die Verwahrung. Die Verteidigung forderte deren ersatzlose Aufhebung. Die Staatsanwältin dagegen verlangte, wie schon vor Bezirksgericht, eine lebenslängliche Verwahrung des Mörders. Zudem solle das Gericht ein lebenslanges Verbot jeglicher Tätigkeit mit Minderjährigen aussprechen. Die angeordnete Therapie sei aufzuheben.

Dauerhafte Untherapierbarkeit Voraussetzung für lebenslängliche Verwahrung

Der Beschuldigte war nicht persönlich an der Verhandlung anwesend. Das Obergericht hiess sein Gesuch um Dispensierung im Voraus gut. Zu Wort kamen die Vertreterinnen von Anklage und Verteidigung sowie zwei Sachverständige. Das Obergericht befragte nochmals die beiden psychiatrischen Gutachter – anerkannte Kapazitäten auf ihrem Gebiet. Beide diagnostizierten beim Beschuldigten eine Pädophilie sowie verschiedene Persönlichkeitsstörungen. Der eine hob die narzisstische Störung hervor, der andere die zwanghafte Störung. Beide Gutachter waren sich einig, dass die Störungen behandelbar sind und der Täter auch therapiewillig sei. Es sei aber klar, dass ein deutlicher Behandlungserfolg erst nach vielen Jahren – nicht weniger als zehn bis 15 Jahren – eintreten dürfte. Auf die klare Frage des Gerichtspräsidenten, ob der Beschuldigte als nicht therapierbar zu gelten habe, antworteten beide Gutachter mit einem klaren Nein.

Eine dauerhafte Untherapierbarkeit wäre aber Voraussetzung für die Anordnung einer lebenslangen Verwahrung gewesen. Für den Vierfachmörder gilt damit die bereits rechtskräftige lebenslängliche Freiheitsstrafe und daran anschliessend die ordentliche Verwahrung. 

RADIO TOP erklärt, was die ordentliche Verwahrung für den Vierfachmörder genau bedeutet:

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Zweck der Verwahrung ist der Schutz der Gesellschaft vor einem gefährlichen Täter. Im Unterschied zur lebenslänglichen wird bei einer ordentlichen Verwahrung regelmässig überprüft, ob sie noch gerechtfertigt ist. Für den Verwahrten gibt es so eine kleine Chance, irgendwann auf freien Fuss zu kommen. Die allermeisten ordentlich Verwahrten bleiben aber eingesperrt.

Das sagt die Verteidigerin Renate Senn zum Urteil:

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Auch die Staatsanwältin Barbara Loppacher äussert sich zum Urteil:

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Genau durchdachte Tat

Seine Tat hatte der damals 32-jährige Vierfachmörder im Voraus genau durchdacht und vorbereitet. Mit einem gefälschten Schreiben, das ihn als Schulpsychologen auswies, verschaffte er sich am Morgen des 21. Dezember 2015 Einlass in ein Einfamilienhaus in seiner Nachbarschaft in Rupperswil. Der pädophile Mann hatte es vor allem auf den dort lebenden 13-jährigen Jungen abgesehen.

Unter Messerdrohung brachte er den Buben, dessen Mutter, den noch schlafenden älteren Bruder und dessen Freundin in seine Gewalt. Er fesselte sie, verklebte ihnen die Münder und nahm ihnen die Handys weg. Die Mutter zwang er, Geld abheben zu gehen. Dann verging er sich aufs Übelste an dem 13-Jährigen.

Anschliessend tötete er alle vier Personen, zündete das Haus an und ging weg. Kurz danach suchte er im Internet nach weiteren Knaben, spähte deren Familien aus und bereitete eine erneute Tat vor. Im Mai 2016 wurde der Mann in Aarau verhaftet.

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