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Es hagelt Kritik für die Notfall-Gebühr für Bagatellfälle

Der Nationalrat hat sich für einen Vorstoss ausgesprochen, der eine Gebühr von 50 Franken vorsieht, wenn Patientinnen oder Patienten mit einer Bagatelle in die Notaufnahme eines Spitals kommen. So sollen die Gesundheitskosten gesenkt werden. Sowohl Patientenschützer als auch Gesundheitsökonomen halten jedoch nicht viel von der Idee.

03.12.2019 / 17:44 / von: pwa
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Die Gebühr von 50 Franken für Bagatellfälle in der Notaufnahme kommt bei Experten nicht gut an. (Bild: pixelio.de/cameraobscura)

Die Gebühr von 50 Franken für Bagatellfälle in der Notaufnahme kommt bei Experten nicht gut an. (Bild: pixelio.de/cameraobscura)

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Immer mehr Menschen gehen wegen Bagatellfällen gleich in die Notaufnahme von Spitälern, anstatt zu ihrem Hausarzt oder einer Apotheke. Dies trage zu den steigenden Gesundheitskosten bei, argumentiert die GLP. Die Partei hat deswegen einen Vorstoss eingereicht: Für Bagatellfälle in der Notaufnahme sollen die Kantone eine Gebühr von 50 Franken einführen können. Eine Mehrheit des Nationalrats hat sich für den Vorschlag ausgesprochen.

Gesundheitsökonomen halten nicht viel vom Vorschlag – wie sie im Beitrag von RADIO TOP erklären:

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Für Gesundheitsökonom Willy Oggier ist die Vorlage jedoch ein «politischer Rohrkrepierer». Er führt gleich mehrere Argumente ins Feld: Einerseits ist er der Überzeugung, dass durch die Benachteiligung der Spitäler in erster Linie die grösseren Ärztezentren profitieren. Viele Leute ziehen diese nämlich einem Besuch beim Hausarzt vor, weil sie auch zu Randzeiten geöffnet haben und einfach zu erreichen sind. Problematisch dabei ist, dass eine Behandlung in einem Ärztezentrum gar nicht günstiger ist als in einem Spital, sagt Gesundheitsökonom Oggier. Die Gesundheitskosten würden so also gar nicht sinken.

Die Gebühr von 50 Franken für Bagatellfälle hält er jedoch noch aus einem anderen Grund für keine gute Idee. Für die Spitäler sei der administrative Aufwand enorm und übersteige rasch die Höhe der Gebühr von 50 Franken. Die Spitäler müssen nämlich jeweils entscheiden, ob ein Fall ein Bagatellfall ist oder nicht und gegebenenfalls eine Rechnung stellen.

Kritik kommt auch von Seiten der Patientenschützer, wenn auch aus anderen Gründen. Barbara Gassmann von der Schweizerischen Patientenschutzorganisation SPO warnt vor negativen Auswirkungen. Beispielsweise würden sich ärmere Leute nicht trauen in die Notaufnahme zu gehen, obwohl dies aus medizinischer Sicht nötig wäre. So könnten die Gesundheitskosten noch weiter steigen, weil eine spätere Behandlung aufwändiger und teurer ist.

Umstritten auch in der Politik

Dieselbe Befürchtung hat auch die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi. Patientenschützerin Gassmann hält Aufklärung für eine bessere Massnahme als eine Gebühr für Bagatellfälle. Denn viele Leute wüssten gar nicht, dass sie auch bei einem Hausarzt oder einer Apotheke Hilfe erhalten. Einen anderen Vorschlag macht SP-Nationalrätin Barbara Gysi. Sie will Modelle fördern, wonach einem Spital jeweils gleich eine Ärztepraxis vorgelagert ist.

Trotz der Kritik von Experten und linken Politikern: Im Nationalrat fand der Vorschlag einer Gebühr von 50 Franken für Bagatellfälle eine Mehrheit. Beispielsweise für die Zürcher FDP-Nationalrätin Regine Sauter ist klar: «Durch die Gebühr werden weniger Leute in die Notfallstationen kommen. So sinken die Gesundheitskosten und es wird sich auch für die Spitäler lohnen.»

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