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Marcel Salathé verlässt Taskforce und gründet neue Organisation

Der Epidemiologe Marcel Salathé hat die Covid-19-Taskforce verlassen. Er ist beteiligt an der Gründung einer neuen Organisation, die die wissenschaftlichen und technologischen Kompetenzen von Politik, Behörden und Gesellschaft stärken will.

21.02.2021 / 09:04 / von: rme/sda
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Der Epidemiologe Marcel Salathé hat die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes verlassen. Er gründet eine neue Organisation, die die wissenschaftliche und technologische Kompetenz in Politik und Behörden fördern soll. (Archivbild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Der Epidemiologe Marcel Salathé hat die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes verlassen. Er gründet eine neue Organisation, die die wissenschaftliche und technologische Kompetenz in Politik und Behörden fördern soll. (Archivbild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Die Pandemie habe ihm aufgezeigt, wie rückständig die Schweiz in vielen technologischen Bereichen sei - insbesondere in der Digitalisierung, sagte Salathé in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». «Wir sind im Daten-Blindflug; statt mit schnellen IT-Systemen versuchen wir, rasanten Entwicklungen mit Fax-Übermittlung beizukommen», sagte der Epidemiologe der ETH Lausanne.

Dem will Salathé mit der neuen Organisation entgegenwirken: «Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, technisches Know-how überall dort zu fördern, wo es der Gesellschaft als Ganzes nützt». Die neue Organisation mit dem Namen CH++ solle zudem aufzeigen, wo öffentliche Institution technologisch im Rückstand seien.

Scheitern «des Landes der Ingenieurskunst»

Der Verein soll kommende Woche offiziell gegründet werden, nehme die Arbeiten aber sofort auf, wie Hannes Gassert Vorstandsmitglied und Stiftungsrat der Kulturstiftung von Pro Helvetia, auf Anfrage von Keystone-SDA sagte. In der Mitteilung zur Gründung der Organisation zeigte sich Gassert enttäuscht darüber, «dass das Land der Ingenieurskunst und der Zuverlässigkeit die Pandemie nicht besser meistern konnte.» CH++ wolle sich einsetzen für eine Schweiz, die wieder handlungsfähiger werde.

Im Fokus des Vereins steht auch das Parlament. Als konkretes Beispiel für zukünftige Arbeiten nannte Gassert ein transparentes Rating der technologischen und wissenschaftlichen Kompetenz der Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Zudem soll gemäss Website etwa ein Monitoring über die «relevanten» parlamentarischen Aktivitäten gemacht werden und aktive Einfluss genommen werden.

Finanziert durch Spenden und Beiträge

Die Organisation soll politisch, ideologisch und finanziell unabhängig sein. Sie will sich über Mitgliederbeiträge und Spenden finanzieren, um vollständig unabhängig von wirtschaftlicher oder staatlicher Finanzierung zu bleiben. Es seien bereits Beiträge gesprochen worden, geflossen sei noch nichts, sagte Gassert.

Neben Salathé und Gassert sind im Vorstand Esther-Mirjam de Boer (Getdiversity-Geschäftsführerin), Olga Baranova (Leiterin der Kampagne «Ehe für alle»), Nathalie Stübi, Muriel Staub und Serge Bignens.

Salathé hatte bereits am vergangenen Freitag den letzten Arbeitstag in der Taskforce. «Es war ein Privileg, hochspannend und extrem intensiv», schrieb er dazu am Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter. Er sei bis zuletzt zufrieden gewesen mit der Arbeit in der Taskforce, sagte er auch im Interview. «Ich verlasse sie, damit ich beim Aufbau unserer neuen Organisation wirklich unabhängig bin.»