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Maurer: «Nicht ausgeschlossen, dass wir Kredit noch einmal erhöhen»

Finanzminister Ueli Maurer ist überzeugt, dass die kleinen und mittleren Unternehmen von den Hilfsmassnahmen des Bundes profitieren können. Sollte die Krise in zwei bis drei Monaten nicht ausgestanden sein, sei aber klar, dass es mehr Mittel brauche, sagte er am Wochenende in Interviews.

29.03.2020 / 10:51 / von: nst/sda
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Ueli Maurer ist überzeugt, dass die KMU von den Hilfsmassnahmen des Bundes profitieren können. (Bild: KEYSTONE/ ALESSANDRO DELLA VALLE)

Ueli Maurer ist überzeugt, dass die KMU von den Hilfsmassnahmen des Bundes profitieren können. (Bild: KEYSTONE/ ALESSANDRO DELLA VALLE)

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«Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir den Kredit noch einmal erhöhen müssen», sagte Ueli Maurer in der Sendung «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Gemeint ist das 20 Milliarden-Hilfspaket, mit dem der Bund Kredite absichert, welche die Banken von der Krise betroffenen Unternehmen gewähren.

«Sehen ob das aufgeht»
Die 20 Milliarden Franken Garantie des Bundes seien eine Schätzung für die sofortigen Bedürfnisse der Wirtschaft gewesen. «Jetzt werden wir sehen, ob das aufgeht», sagte Maurer.

Die Hilfsmassnahmen hätten am Donnerstag gestartet, zog Maurer im Interview mit dem «SonntagsBlick» eine vorläufige Bilanz. Über 30'000 Anträge seien eingegangen. Am Donnerstag und Freitag habe der Bund Bürgschaften von 4 Milliarden Franken garantiert. «Wenn es so weitergeht, sind wir in spätestens zehn Tagen ausgeschossen.»

Es gehe vor allem darum, Arbeitsplätze zu erhalten, sagte Maurer im Radiointerview. Dafür brauche es ein Gleichgewicht zwischen der Wirtschaft und den Banken. Es könne in einer solchen Krise aber nicht die Lösung sein, einfach Steuergelder zu verteilen.

«Desto mehr Schulden wir haben, desto höhere Steuern müssen wir danach wieder eintreiben», sagte Maurer dazu. Gegenüber dem «SonntagsBlick» sagte er: «Geht man von 50 Milliarden Franken zusätzlichen Schulden aus, dauert es 25 Jahre oder eine Generation, bis wir diesen Betrag wieder abbezahlt haben.»

Rückzahlbare Darlehen
Ein Sparpaket nachschieben werde er «nicht unmittelbar», sagte Maurer zur entsprechenden Frage. Nach der Krise brauchten alle etwas Luft. «Da darf man die sich erholende Wirtschaft nicht gleich wieder abwürgen.»

Für Maurer ist klar, dass es sich bei den Beiträgen um Darlehen handelt, welche die Unternehmen zurückzahlen müssen, wie er im Radiointerview sagte. «In einem normalen Betrieb ist es jetzt eine vernünftige Lösung, dass man sich verschuldet», so Maurer.

Der Bund habe dazu Rahmenbedingungen geschaffen, welche die Kreditaufnahme für den grössten Teil der kleinen Unternehmen ermöglichten. Bei einer Rückzahlfrist von fünf bis sieben Jahren müssten die Unternehmen pro Jahr demnach nur einen guten halben Monat der Kosten einsparen, um den Kredit zurückzuzahlen.

Notverordnung
Am Mittwoch hatte der Bundesrat die Details der Notverordnung bekannt gegeben, die es kleinen und mittleren Unternehmen ab Donnerstag ermöglichen, unkompliziert an Kredite zu kommen. Damit sollen laufende Fixkosten gedeckt werden können.

Bis 500'000 Franken bürgt der Bund komplett, Zins muss nicht bezahlt werden. Bei höheren Krediten, bis 20 Millionen Franken, bürgt der Bund zu 85 Prozent, die Bank beteiligt sich mit 15 Prozent, der Zins beträgt 0,5 Prozent. Nicht von Überbrückungshilfen profitieren Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Franken.

Betriebe können vom Bund verbürgte und von der Nationalbank abgesicherte Kredite in fünf bis sieben Jahren zurückzahlen. Banken haben einen Ermessensspielraum bei der Vergabe.

Maurer äusserte sich im «SonntagsBlick» auch zum Wiederanfahren der Wirtschaft. Mit der Planung von Lockerungen müsse jetzt begonnen werden, forderte er. «Die Wirtschaft muss möglichst schnell wieder in den Normalzustand kommen.» Hinzu komme der menschliche Aspekt: «Man kann die Leute nicht ewig drinnen einsperren.»

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