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Milchverarbeiter Hochdorf vor schicksalshafter Generalversammlung

Beim angeschlagenen Milchverarbeiter Hochdorf steht am Mittwoch eine wegweisende Generalversammlung ins Haus. Der neue italienische Grossaktionär Newlat will den ganzen Verwaltungsrat austauschen. Die Innerschweizer Milchbauern sind dagegen.

14.05.2024 / 11:36 / von: sda/msc
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Der neue italienische Grossaktionär Newlat will den ganzen Verwaltungsrat des Milchverarbeiters Hochdorf austauschen. (Symbolbild: KEYSTONE/ARNO BALZARINI)

Der neue italienische Grossaktionär Newlat will den ganzen Verwaltungsrat des Milchverarbeiters Hochdorf austauschen. (Symbolbild: KEYSTONE/ARNO BALZARINI)

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Was zunächst nach einer normalen Generalversammlung aussah, entpuppt sich mit einem Antrag des erst kürzlich eingestiegenen italienischen Newlat-Konzerns in letzter Minute doch noch als ein regelrechter Krimi.

Denn Newlat will nichts weniger, als den gesamten Verwaltungsrat mit eigenen Kandidaten zu ersetzen. Diese sollen dann einen «radikalen Umbau» bei Hochdorf durchsetzen und die Wende zum Besseren bringen.

Hochdorf geht es schon länger schlecht. Vor allem lasten hohe Schulden in Folge von Fehlinvestitionen auf dem Unternehmen. Zuletzt hatte Hochdorf daher den Verkauf der operativen Tochtergesellschaft Swiss Nutrition (HSN) angepeilt, da eine Veräusserung der ganzen Gruppe inklusive Schulden als unwahrscheinlich erachtet wurde.

Im Fall eines solchen Verkaufs droht den bestehenden Aktionären jedoch ein Totalverlust. Insbesondere dieser Plan wird von Newlat mit Nachdruck abgelehnt.

Fast nur Italiener vorgeschlagen

Konkret schlägt Newlat vier in der Schweiz noch unbekannte italienische Staatsbürger zur Wahl in den Verwaltungsrat vor. Einzig der schweiz-brasilianische Doppelbürger Helmut Bösiger verfügt über ausgewiesene Kenntnisse des Schweizer Marktes. Zudem soll Angelo Mastrolia, der auch als exekutiver Präsident von Newlat amtet, zum Verwaltungsratspräsidenten von Hochdorf gewählt werden.

Im Gegensatz dazu hatte Hochdorf die Wiederwahl aller bisherigen Verwaltungsräte traktandiert. Jürg Oleas soll dabei erneut zum Präsidenten gewählt werden.

Abstimmung noch offen

Für den Erfolg seines Antrags ist Newlat auf eine breite Unterstützung der bestehenden Aktionäre angewiesen, denn aktuell hält Newlat nur knapp 10 Prozent der Stimmrechte.

Zudem hat Grossaktionär ZMP dem bisherigen Verwaltungsrat bereits sein Vertrauen ausgesprochen und damit stehen schon 18 Prozent Gegenstimmen fest. ZMP vertritt als Produzentenorganisationen die Interessen der Zentralschweizer Milchbauern.

Der tunesische Unternehmer Amir Mechria, der zuletzt einen Anteil von um die 20 Prozent gemeldet hatte, wollte sich auf Anfrage nicht zu seinem Abstimmungsverhalten äussern. Die Entscheidung wird daher erst an der GV selber fallen.

Dann will Newlat auch sein sogenanntes «Revitalisierungsprogramm» vorstellen. Dieses sieht Investitionen von bis zu 80 Millionen Franken vor, wie Newlat-Chef Mastrolia der Nachrichtenagentur AWP sagte. Er machte jedoch keine Angaben dazu, woher dieses Geld kommen soll.

Newlat-Pläne noch unklar

Was Newlat danach mit Hochdorf vorhat, ist bis jetzt unklar. Newlat strebe jedoch ein langfristiges Engagement bei Hochdorf an, betonte Mastrolia noch vor gut einer Woche. Gleichzeitig zeigte er sich gegenüber verschiedenen Optionen bezüglich der zukünftigen Beteiligung von Newlat an Hochdorf offen, was auch eine komplette Übernahme beinhalte.

Von der Ausrichtung her würde Hochdorf gut in das bestehende Portfolio von Newlat passen. So macht Newlat etwa ein Drittel seines Jahresumsatzes von knapp 800 Millionen Euro mit Milchprodukten. In der Schweiz ist das Unternehmen bisher aber nicht operativ aktiv. Jedoch lebt Newlat-Chef Mastrolia nach eigenen Angaben schon mehr als 20 Jahre im Tessin. Dort ist auch die Newlat Group ansässig, über die er das Unternehmen mehrheitlich kontrolliert.

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