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Pro Juventute schlägt Alarm: Fast doppelt so viele Interventionen

Die Corona-Krise belastet die Psyche von jungen Menschen, vor allem in Familien mit sozial oder wirtschaftlich prekären Verhältnissen. Bei Pro Juventute hat sich die Anzahl Kriseneinsätze letztes Jahr fast verdoppelt.

25.02.2021 / 12:18 / von: mle/sda
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In der Corona-Pandemie fehlt den Jugendlichen vor allem der soziale Kontakt. (Symbolbild: Pixabay.com/Jeshoots-com)

In der Corona-Pandemie fehlt den Jugendlichen vor allem der soziale Kontakt. (Symbolbild: Pixabay.com/Jeshoots-com)

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Waren es im Jahr 2019 noch 57 Interventionen, so gab es im Jahr 2020 fast hundert Fälle, wo Pro Juventute bei einer Beratung Notfallorganisationen beiziehen musste, wie der am Donnerstag von Pro Juventute veröffentlichte Corona-Report zeigt.

Täglich wenden sich rund 700 Jugendliche und Kinder (Vorjahr 600) an die Beratungsstelle 147.ch. Beratungen zu den Themen «Konflikte mit den Eltern» (+60 Prozent) und «Konflikte mit Geschwistern» (+100 Prozent) hätten stark zugenommen.

Während der Schulschliessungen im ersten Lockdown mussten 70 Prozent mehr Beratungen zu häuslicher Gewalt durchgeführten werden. In rund hundert Fällen musste gar die Polizei oder der Rettungsdienst gerufen werden. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 57 Fälle.

Während der zweiten Welle von Oktober bis Dezember 2020 hätten sich 40 Prozent mehr Jugendliche mit Fragen zur psychischen Gesundheit ans Beratungsteam als im Vorjahreszeitraum gewandt. Zeitgleich melden Kinder- und Jugendpsychiatrien eine starke Auslastung und eine verstärkte Suizidalität, wie es weiter hiess.

Soziale Einschränkungen schlimmer als Corona 

«In der Beratung sehen wir, dass Corona an sich, nicht ein grosses Thema ist. Die Massnahmen werden von den Jugendlichen mehrheitlich mitgetragen», sagt Lulzana Musliu von Pro Juventute gegenüber RADIO TOP. Trotzdem würden die Jugendlichen vor grossen Herausforderungen stehen. So würden ihnen die Einschränkungen im Sozialleben stark zu schaffen machen. Die Beratungen hierzu hätten im Vergleich zum Vorjahr um 93 Prozent zugenommen. «Sie vermissen ihre Freunde und haben Angst, keine neuen Freunde zu finden, so Musliu. 

Auch die Situation auf dem Lehrstellenmarkt bereitet den Jugendlichen Kopfzerbrechen. Obwohl es derzeit noch gut aussehe, beschäftige die Frage der Berufswahl die Jugendlichen stark. Schnuppertage seien häufig nicht möglich oder nur gänzlich virtuell durchführbar, Weiterbeschäftigungen nach der Lehre ungewiss. Im Januar 2021 seien 17’000 Jugendliche arbeitslos gewesen. Ein Jahr zuvor seien es noch 5'000 weniger gewesen.

Für Pro Juventute besteht Handlungsbedarf, denn die Pandemie verursache soziale Ungleichheit und über Jahrzehnte hohe soziale Kosten.

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