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Raiffeisen-DV soll Stabilität bringen

Die Genossenschaftsbank Raiffeisen wird am morgigen Samstag einen neuen Anlauf nehmen, um aus dem Schatten seines früheren Chefs Pierin Vincenz zu treten. Für Finanzexperten muss eine Beruhigung der Lage im Vordergrund stehen.

09.11.2018 / 11:19 / von: abl/sda
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An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung soll unter anderem ein neuer Verwaltungsratspräsident gewählt werden. (Bild: raiffeisen.ch)

An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung soll unter anderem ein neuer Verwaltungsratspräsident gewählt werden. (Bild: raiffeisen.ch)

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An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung in Brugg-Windisch, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein wird, rechnen die meisten Beobachter mit einer Wahl von Guy Lachappelle an die Spitze des Verwaltungsratspräsidiums. Dies obwohl auch seine Nomination zu einigen Kontroversen geführt hatte.

Dem früheren CEO der Basler Kantonalbank wird vor allem seine Rolle in der Affäre um die betrügerische Vermögensverwalterin ASE vorgehalten, bei der ASE-Kunden mit Konten bei der BKB Millionenverluste erlitten hatten. Allerdings hatte die Finanzmarktaufsicht Finma die Kandidatur Lachappelles wie auch der weiteren VR-Kandidaten abgesegnet. Zum medialen Thema wurde auch die Höhe seiner künftigen Entschädigung.

Derweil wird in den Medien über einen vorzeitigen Rücktritt des derzeitigen Raiffeisen-CEO Gisel spekuliert, der sein Amt per Ende 2018 abgeben will. Eine Beziehung des Noch-Chefs mit einer inzwischen zurückgetretenen Raiffeisen-Verwaltungsrätin hat laut Medienberichten das Fass zum Überlaufen gebracht. Gisel werde bereits am Samstag zurücktreten, berichteten mehrere Medien. Bei Raiffeisen heisst es auf Anfrage von RADIO TOP, man kommentiere diese «Spekulationen» nicht.

Für Finanzexperten wäre dieser Schritt aber die denkbar schlechteste Variante. «Das würde dem Image der Bank noch weiter schaden», glaubt beispielsweise der Wirtschaftsexperte der Universität Bern, Peter V. Kunz. Er erklärt im Beitrag von RADIO TOP, was er von der Delegiertenversammlung erwartet:

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Wie auch immer es kommt: Die Ernennung eines neuen CEO wird in jedem Fall weit oben auf der Liste des neuen Verwaltungsratspräsidenten stehen. Allerdings dürfte der Verwaltungsrat mit dem Suchprozess bereits begonnen haben, wie auch Vizepräsident Gantenbein im September bestätigt hatte. In den Medien sind auch bereits diverse Namen als mögliche Nachfolger von Gisel genannt worden - dies reicht von Dagmar Kamber-Borens von der CS und Postfinance-Chef Hanspeter Köng bis zu diversen Kantonalbanken-Chefs.

Mit der Wahl der weiteren Verwaltungsratsmitglieder Karin Valenzano Rossi, Andrej Golob, Thomas Müller und Beat Schwab sollen die Delegierten ausserdem die Erneuerung des Verwaltungsrats abschliessen. Die bisherigen Verwaltungsräte Philippe Moeschinger, Daniel Lüscher und Urs Schneider und damit die letzten Vertreter der «Vincenz-Ära» werden aus dem Gremium ausscheiden. In der Folge wird das Gremium neun Personen umfassen.

Bedeckt gibt sich Raiffeisen derweil zur Frage, ob es nun zur Abstimmung über die Décharge-Erteilung für die Raiffeisen-Führung kommt. Man könne «keine Auskunft zu den an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung traktandierten Geschäften», heisst es auf Anfrage. Die Abstimmung war im Juni an der DV in Lugano verschoben worden - sie könnte auch erst im kommenden Jahr angesetzt werden.

Bestätigt wird immerhin, dass den Delegierten ein neues Vergütungsmodell «zur Kenntnis gebracht» werde. Die Entschädigung des Verwaltungsrats liege in dessen eigener Kompetenz. Eine Lohnerhöhung für die Raiffeisen-Verwaltungsräte hatte an der Delegiertenversammlung in Lugano noch für viel Diskussionen gesorgt: Die Delegierten wollten künftig eine Entlöhnung in «vernünftigem Rahmen», hiess es.

Ein Thema dürften auch die künftigen Strukturen der Raiffeisen-Bankengruppe bilden. So hatte die Finanzmarktaufsicht Finma Raiffeisen auch verpflichtet, ihre Gesellschaftsform zu überprüfen und dabei auch die Umwandlung der Dachgesellschaft Raiffeisen Schweiz in eine AG zu prüfen, was bei vielen Raiffeisen-Genossenschaftern schlecht angekommen war.

Einen weiteren Zwischenbericht wird es aus der internen Untersuchung der Vincenz-Ära unter Leitung des Wirtschaftsprofessors Bruno Gehrig geben. Dieser werde den Delegierten «die wichtigsten Befunde präsentieren und anschliessend den Bericht bis Ende Jahr fertigstellen», heisst es bei Raiffeisen.

 

 

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