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Risikogruppe kann zum Arbeiten gezwungen werden

Gemäss einem Zusatz in der Corona-Verordnung des Bundesrates dürfen auch besonders gefährdete Menschen wieder arbeiten. Die Gewerkschaften protestieren.

30.03.2020 / 06:45 / von: mma
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Personen aus der Risikogruppe könnten zum Arbeiten gezwungen werden, wenn sie ihre Arbeit nicht im Homeoffice ausüben können. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)

Personen aus der Risikogruppe könnten zum Arbeiten gezwungen werden, wenn sie ihre Arbeit nicht im Homeoffice ausüben können. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)

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Vor zwei Wochen hat der Bundesrat Schutzmassnahmen in der Arbeitswelt für Corona-Risikopersonen erlassen. «Besonders gefährdete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erledigen ihre arbeitsvertraglichen Pflichten von zu Hause aus. Ist dies nicht möglich, so werden sie vom Arbeitgeber unter Lohnfortzahlung beurlaubt», stand unter Artikel 10c der «Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus».

Vier Tage später ändert der Bund die «Verordnung 2», wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Neu besagt die Verordnung, dass falls die Arbeit «aufgrund der Art der Tätigkeit oder mangels realisierbarer Massnahmen» nur vom üblichen Arbeitsort aus geleistet werde könne, dann müssen die Arbeitgeber dafür sorgen, dass mit geeigneten Massnahmen die Empfehlungen des Bundes betreffend Hygiene und sozialer Distanz eingehalten werden.

Das bedeutet, dass auch die Risikogruppe, also Menschen mit Vorerkrankungen oder Menschen über 65 Jahre, können zur Arbeit gezwungen werden. In der Erläuterung zur Verordnung wird festgehalten, dass man Kassenmitarbeiter beispielsweise mit Plexiglasscheiben schützen könne, dass man Mitarbeitenden Desinfektionsmittel zur Verfügung stelle oder sie ins Backoffice versetze.

In der vorherigen Version war dies ausgeschlossen. Personen aus der Risikogruppe, bei denen keine Möglichkeit auf Homeoffice besteht, wurden auf Kosten des Arbeitgebers beurlaubt. Mittlerweile hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) beim Bundesrat interveniert. Er verlangt die Löschung des hinzugefügten Abschnittes. Die Änderung sei inakzeptabel, zitiert die Zeitung den SGB-Zentralsekretär Luca Cirigliano: «Diese Leute stehen Todesängste aus.»

Alle Informationen zum Coronavirus in der Schweiz gibt es hier im Ticker.

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Mensch
am 02.04.2020 um 21:22
Ich gehöre zu dieser RisikogruppeMusste trotz Bestätigung des Arztes dass ich zur Risikogruppe gehöre arbeiten gehen und habe jetzt jeden Tag Angst auch wenn ich separat gesetzt wurde, dass ich mir das Virus doch noch anfange und je nachdem das Zeitliche segne.Mir wurde vom Geschäft zugesichert dass man alle Regeln einhalten werde, nun arbeite ich ein paar Tage wieder und muss sagen die geben keinen Stich da drauf es wird der Abstand nicht eingehalten und die Toilette darf ich auch jedesmal desinfizieren als Risikopatient. Damit ich ohne Angst drauf kann. Ich sage nur Risikogruppen sollten daheim bleiben nicht einkaufen gehen,aber arbeiten gehen. Mir wurde empfohlen, die Firma zu melden!Doch wenn ich das tun würde, ziehe ich auch wieder den Kürzeren. Also alles ausgeritten auf dem Rücken des kleinen Mitarbeiters. Es ist abartig was der Bund entscheidet im Interesse der Wirtschaft.
Marija
am 31.03.2020 um 11:23
Natürlich, liebe Regierung, für was wählen wir Volk, unsere Volksvertretung? Dass ihr uns zwingt, gegen uns selbst zu arbeiten!? Wie der andere Kollege schon so gut beschrieben hat, es eine völlige Paradoxie: Aussagen/Verhalten. Wenn schon früher interveniert worden wäre, hätte man einige weniger Patienen und viel mehr eingespart. Aber eben, die Angst um die Wortschaft ist zu gross, als dass man für das Wohl des Volkes denkt und handelt. Wir haben genug junge, fitte Menschen, die in so einer Lage arbeiten können, aber auf all unseren und deren Mamis und Papis Taschen liegen, wieso werden die nicht "gezwungen"? Die Risikopatienten haben genug für unser Land und die Wirtschaft gemacht, lasst sie für einen Moment in Ruhe, dass sie uns nach der Kriese wieder voll unterstützen können! Denn anscheinend sind sie ja so wertvoll, dass sie sogar in so einer Lage unentbehrlich sind!?
Rene Urscheler
am 31.03.2020 um 10:47
ES GEHT DOCH WIEDER EINMAL NUR UM DIE KOHLE PFUI TEUFEL. TYPISCH SCHWEIZ.
Menschenleben schützen
am 30.03.2020 um 13:50
Makaber. Alles verlauft in einem Wiederspruch , das Wohlwollen der Bevölkerung scheint nur eine Fassade zu sein und schützen will man nur die Wirtschaft. Viel zuviele Leute Arbeiten noch vor Ort obwohl sehr wohl die Möglichkeit bestehen würde Home Office zu leisten. Scheint als würde man ein Lottospiel spielen, wenn Du Glück hast wirst Du keine Symptome haben, wenn Du Pech hast stirbst Du, aber immerhin, am Arbeitsplatz waren Plakate aufgehängt mit dem Vermerk „Distanz halten und Hände waschen“ ! Viele sind infiziert und nicht getestet, vor allem in Grossfirmen. Risikopatienten würden gezwungen werden vor Ort zu arbeiten einfach weil der Arbeitsgeber diese Willkürlich Macht hat. Dies obwohl die Möglichkeit besteht von Hause aus zu arbeiten und Mitarbeiter zu schützen. Traurig