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Toilettenpapier als Symbol für Werte - nicht nur in der Pandemie

2024 Rollen Toilettenpapier, aufgeschichtet zu einer Pyramide: Mit der Installation "Werte" fragt der gebürtige Bündner Marc B. Bundi nach dem Wert von Gegenständen. Im Verlauf der Covid 19 - Pandemie hat diese Frage neue Facetten bekommen.

03.03.2021 / 11:12 / von: sda
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Toilettenpapier ist eigentlich ein banaler Alltagsgegenstand; man benutzt es, ohne sich weiter Gedanken zu machen; man kauft es, ohne dafür tief in die Tasche greifen zu müssen - ist es aber nicht verfügbar, dann wird der Alltag unbequem und der Wert von Toilettenpapier steigt. Das war der Stoff für Schlagzeilen während des ersten Shutdowns vor einem Jahr.

"Werte" von Marc B. Bundi erscheint vor diesem Hintergrund als Werk der Stunde. Die regelmässige Dreieckspyramide besteht aus mehr als 2000 Toilettenpapierrollen und ist 2,10 Meter hoch. Eine ähnliche Installation hatte Bundi bereits von November 2019 bis Januar 2020 in Laax gezeigt. Damals bestand sie aus 1785 Toilettenpapierrollen, war quadratisch und 1,70 Meter hoch. Es ging ihm ursprünglich um Fragen wie: Welche Gegenstände sind uns wichtig? Welche nicht? Und wieso nicht? Er machte Toilettenpapier zu einem Symbol für Konsumkritik.

Dann kam Corona. Konsumentinnen und Konsumenten stürmten die Supermärkte und leerten die Regale für Toilettenpapier. "Es war wie an der Börse: Toilettenpapier wurde zum neuen Gold", sagt Bundi gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Mittlerweile hat sich der Hype wieder gelegt, der Wert von Toilettenpapier ist auf den Normalzustand gesunken. Und die Betrachtung von Bundis "Werte"-Installation hat einen weiteren Dreh bekommen.

Es geht hier nicht nur darum, was wir wirklich brauchen, auch nicht nur um das ökonomische Prinzip von Angebot und Nachfrage, sondern vor allem um Psychologie. Das hat Bundi bereits in seiner ursprünglichen Idee angelegt. Denn "Werte" ist an die Form der Maslowschen Bedürfnispyramide angelehnt.

Werte sind volatil

Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat Ende der 1960er Jahre mit seiner Bedürfnispyramide ein Modell geschaffen, das die Bedürfnisse des Menschen in mehrere Ebenen einteilt: grundlegend sind die physiologischen Bedürfnisse nach Wasser und Nahrung etwa; an der Spitze stehen jene Bedürfnisse, die dem Menschen zur Selbstverwirklichung und zur Transzendenz verhelfen.

Und wie ist das nun mit dem Toilettenpapier? Die Pandemie hat diesen banalen Alltagsgegenstand zum Symbol für die Volatilität von Werten schlechthin gemacht. Deshalb zeigt Bundi seine Installation erneut: von 6. März bis 19. April in der Galerie Obertor in Chur. Und er unterstreicht damit zudem, dass Kunst und Alltag mitunter eine enge Verbindung eingehen können. Denn in der letzten Ausstellungswoche können die Galeriebesucherinnen und -besucher die 2024 Toilettenpapierrollen gratis mitnehmen.