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«Trainer dürfen nicht mit Junioren allein in die Garderobe»

Ex-Nati-Coach Köbi Kuhn macht bekannt, dass er als Fussballjunior sexuell missbraucht wurde. Fussballvereine haben längst Massnahmen ergriffen, um solche Fälle zu verhindern – sexueller Missbrauch bleibt aber ein Tabu.

16.04.2019 / 11:43 / von: sfa
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Fussballclubs kennen interne Selbstverpflichtungen, um sexuellen Missbrauch präventiv zu verhindern. (Symbolbild: pixabay.com/dimitrisvetsikas1969)

Fussballclubs kennen interne Selbstverpflichtungen, um sexuellen Missbrauch präventiv zu verhindern. (Symbolbild: pixabay.com/dimitrisvetsikas1969)

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Köbi Kuhn macht in seiner Autobiografie publik, dass er als Fussballjunior innerhalb des Fussballvereins sexuell missbraucht worden ist. Ein älterer Vereinskollege habe ihn zu sich nach Hause eingeladen und sich vor ihm sexuell befriedigt – und ihn gezwungen, mitzumachen. Der Täter arbeite bis heute in der Jugendabteilung des Vereins.

Fälle von sexuellem Missbrauch innerhalb von Vereinen, darunter auch Fussballclubs, sorgen seit Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Die Clubs seien sich der Gefahr von sexuellem Missbrauch denn auch bewusst, betont Benjamin Fust, Geschäftsführer des FC Wil: «Bei den Trainern wird die Thematik zuerst einmal angesprochen. Dann werden sie dazu verpflichtet, dass sie beispielsweise nie allein in die Garderobe gehen. Wenn die Kinder sich umziehen, ist nie ein Trainer in der Garderobe. Die Trainer sind ausschliesslich bei der Mannschaftsansprache in der Garderobe. Dabei sind sie immer zu zweit.»

Der FC Wil erklärt im RADIO TOP Beitrag, wie sexueller Missbraucht präventiv verhindert wird:

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Die Einhaltung dieser Regeln werde durch den Club auch kontrolliert, so Fust weiter. Jeden einzelnen Schritt der Trainer überwache man aber nicht, sagt Fust: «Letztendlich geht es um ein gesundes Verhältnis zwischen den Trainern. Das geht natürlich bereits bei der Rekrutierung los: Wir können von uns behaupten, dass wir unsere Trainer sehr gut, sehr detailliert rekrutieren. Es handelt sich um uns bekannte Personen aus unserem Umfeld. Ein Grundvertrauen ist da, und wenn dieses vorhanden ist, dann muss man auch nicht jeden Schritt der Trainer nachverfolgen.»

Der Grat zwischen Prävention und falschen Anschuldigungen sei nämlich schmal. Eine absolute Sicherheit, dass es innerhalb eines Clubs nicht zu sexuellem Missbrauch kommt, die gebe es aber nicht, schränkt Benjamin Fust ein.

Praktisch jeder Fussballverein – vom Super League Club bis zum kleinen FC im Dorf – kennt Selbstverpflichtungen oder einen Ehrenkodex zur Prävention von sexuellem Missbrauch. Der Schweizerische Fussballverband publiziert dazu auch Leitlinien und Tipps.

Das Thema sexueller Missbrauch in Fussballclubs ist aber offensichtlich weiterhin ein Tabu: Abgesehen vom FC Wil wollen sich auf Anfrage von RADIO TOP diverse Clubs nicht zu den internen Regelungen äussern.

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