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Weniger antisemitische Vorfälle in der Schweiz

Sowohl in der realen Welt als auch im Internet sind antisemitische Vorfälle zurückgegangen. Laut der Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) muss jedoch auch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

25.02.2020 / 08:16 / von: sda/szw
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(Symbolbild: Pixabay.com/hurk)

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Sowohl in der realen Welt als auch im Internet sind antisemitische Vorfälle zurückgegangen. So lauten die Auswertungen des am Dienstag veröffentlichten Antisemitismusberichts 2019 des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA).

In der Statistik erscheinen für das abgelaufene Jahr 38 Vorfälle, 2018 waren es 42. Online wurden 485 Vorfälle registriert, fünfzig weniger als im Vorjahr. Laut SIG und GRA muss jedoch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Unter den 38 Vorfällen in der realen Welt waren neun Beschimpfungen und sieben Schmierereien. Tätlichkeiten und Sachbeschädigungen wurden in der Deutschschweiz keine gemeldet. In der Schweiz kommt es generell zu weniger gewalttätigen Übergriffen als in europäischen Nachbarländern.

Mehr Übergriffe in der Westschweiz

Trotz unterschiedlicher Erhebungsmethoden zeigen sich Unterschiede zwischen Deutsch- und Westschweiz: In der Romandie wurde 2019 im Gegensatz zur Deutschschweiz ein Anstieg von körperlichen und verbalen Übergriffen sowie von Vandalismus gegenüber Synagogen verzeichnet. Weiter ist die Leugnung der Schoah in der Deutschschweiz weniger ausgeprägt.

Grosse Sorgen macht dem SIG und der GRA jedoch weiterhin der Onlinebereich. In Kommentarspalten von Medienwebseiten und in den sozialen Medien sind Qualität und Ausmass der Übergriffe in der Schweiz und im Ausland auf einem vergleichbaren Niveau. Die häufigsten Inhalte sind Verschwörungstheorien, gefolgt von israelbezogenem sowie allgemeinem Antisemitismus.

Sechzig Prozent der Online-Vorfälle wurden auf Twitter beobachtet, Dreissig Prozent auf Facebook. Bei den Zeitungen lagen 2019 die Kommentarspalten von «Basler Zeitung» und «Tages-Anzeiger» in Sachen antisemitischer Äusserungen vorne, allerdings im tiefen zweistelligen Prozentbereich (je 2,7 Prozent).

Trigger-Ereignisse lösen Wellen aus

Bei der Verteilung der Vorfälle spielen sogenannte Trigger eine zentrale Rolle. Darunter sind Anlässe und Ereignisse zu verstehen, die für einen begrenzten Zeitraum eine massiv höhere Anzahl an antisemitischen Vorfällen auslösen.

Die grösste Spitze an Vorfällen im Berichtsjahr wurde in der Kalenderwoche 14 durch einen grossen und einen kleinen Trigger ausgelöst: einen Artikel über einen jungen Mann, der sich entschieden hatte, nicht mehr Teil der streng religiösen jüdischen Gemeinschaft in Zürich zu sein, sowie die Ankündigung von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, das Westjordanland annektieren zu wollen.

Die jüngsten rechtsextremistischen Anschläge durch Anhänger von Verschwörungstheorien in Pittsburgh, Christchurch, Poway und Halle machen laut SIG und GRA deutlich, dass deren Verbreitung zu realen Taten mit gravierenden Folgen führen können. Zivilgesellschaft, Politik und Bildung müssten deshalb mit Zivilcourage, politischem Engagement und Präventionsmassnahmen der Verbreitung solcher Theorien entgegentreten.

Im September hat der Ständerat beim Bundesrat einen Bericht bestellt zur Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Der Bericht könnte laut Innenminister Alain Berset als Basis für Diskussionen und Massnahmen dienen.

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